Die Japanerin Hisako Kawamura spielte bei Wohnzimmeratmosphäre in der "guten Stube" des Simonswolder Moorhauses. Der Konzertraum war perfekt gewählt.
Simonswolde - Musikalische Provinz Ostfriesland? Ganz und gar nicht. Wer am Sonnabendnachmittag zur "Weltklassik am Klavier" nach Simonswold gekommen war, erlebte herrliche Kompositionen alter Meister, überragend interpretiert von der mit vielen Preisen ausgezeichneten 29 Jahre alten Japanerin Hisako Kawamura. Perfekt gewählt auch der "Konzertsaal", die gute Stube des Moorhauses.
Wohnzimmeratmosphäre bei flackerndem Kerzenlicht empfing die knapp 50 Besucher. Hautnah im wahrsten Sinne des Wortes erlebten sie die Künstlerin, konnten sie die Finger über die Tasten wirbeln sehen, sprang der Funke der Leidenschaft von Kawamura sofort auf die Zuhörer über. Selten, dass man Musik so durchsichtig hören kann, Tongirlanden förmlich wie Perlen auf einer Schnur aufgereiht sehen konnte. Das war auch ein Verdienst der absolut trockenen, hallfreien Akustik des Raums.
Eine erste große Steigerung in Dramatik und majestätischer Erscheinung brachte das Klavierstück op. 119 von Johannes Brahms. Sie war nicht nur technisch sehr gut gespielt, resolut und kraftvoll, sondern wann immer es die Komposition verlangte, glänzte Hisako Kawamura mit hoher Musikalität, die sie ganz besonders in der sehr anspruchsvollen Sonate b-moll op. 35 von Frédéric Chopin eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte. Das Werk fesselte die Zuhörer. Alle Register ihres Könnens zog die Pianistin im Schluss-Scherzo op. 39 von Chopin. Das war ein krönender Schlusspunkt eines großen Programms, alles auswendig gespielt, wofür Hisako Kawamura lange andauernden Beifall erhielt. Mit sanften Stimmungsbildern schickte sie die restlos zufriedenen Zuhörer auf den Nachhauseweg.
Quelle: Von Roland Moll / 7. September 2010 -
RYSUM - Es hat etwas Rituelles, wenn Kathrin Haarstick in ihrem Rysumer Fuhrmannshof vor erwartungsvollem Publikum die Kerzen am mannshohen Kandelaber anzündet und das Glöckchen erklingen lässt. Am Sonnabend war die vielfach preisgekrönte Pianistin Meryem Akdenizli zu Gast und bot unter dem Titel „Weltklassik am Klavier – in 80 Minuten durch die Epochen“ ein ausgezeichnetes Klavierkonzert.
„Beginnen wir mit dem Barock“, erläuterte die Künstlerin und erklärte mit musikalischen Beispielen die Improvisation an einigen Ausschnitten aus Johann Sebastian Bachs „Chromatische Fantasie und Fuge d-Moll BWV 903“. Faszinierend im Gesamtwerk waren die musikalischen Nebenschauplätze mit ausgeprägtem filigranen Charakter. Mit Joseph Haydns „Sonate Es-Dur Hob. XVI Nr. 52“ schuf Akdenizli im Allegro extreme Situationen von Emotionen zwischen den Momenten der stillen Tiefe und der fast brachialen Urgewalt. Die Künstlerin umschmeichelte den Flügel und las ihm im nächsten Augenblick voll temperamentvoller Hingabe die Leviten – Momente musikalischer Metaphern. Adagio und Presto machten die Klassik in all’ ihrer Sensibilität und ihrem Sturm und Drang deutlich. Der romantische Teil wurde eingeleitet mit Frédéric Chopins 11. Etüde, dem „Allegro con brio, a-Moll“.
Mit Maurice Ravels „Ondine“ aus „Gaspard de la Nuit” wich die Ruhe dem Sturm, kaum spürbarer Rhythmus brachte Ordnung und Frieden ins Spiel – eine meisterliche Kunst der Pianistin, die das Publikum quasi mit auf die Reise nahm, um es an ihrem musikalischen Leben teilhaben zu lassen. Äußerst gelungen war das. Dem Komponisten Franz Liszt, einer der wohl größten Pianisten, die es je gegeben hat, galt das Finale des Konzertes: Die Rhapsodie espagnole, Variationen über „Folies d’Espagna“ und „Jota Aragonese“ bildeten ein wahres Feuerwerk der Virtuosität am Flügel. Die Künstlerin spielte sich und das Publikum nahezu in einen Rausch. Und wenn dann noch das Ambiente mit dem rustikalen Mauerwerk und dem urigen Holzgewölbe des Hofes ein Ganzes für dieses musikalische Erlebnis bilden, dann stimmt auch die leise Bewegung des samtenen Vorhanges durch leichten Windzug bei Chopins beruhigender Zugabe über das Mädchen mit den blonden Haaren.
Dieses Erzählkonzert wird vielen Zuschauern haften bleiben. Der große Beifall und die beiden Zugaben zeigten: Dieser späte Sonnabendnachmittag bot nicht nur Weltklassik sondern auch Weltklasse. So geschehen in Rysum!
Homberg (RP) Zum vierten Klavierabend der Konzertreihe „Weltklassik am Klavier!“ gastierte am vergangenen Samstag die chinesische Pianistin Lin Chen am Hahnerhof in Homberg. Bei ihrem Vortrag widmete sie sich ausschließlich Klavierwerken von Ludwig van Beethoven.
Zu Beginn erklang die „Fanstasie“ op. 77, ein Werk, das sich in jene von Carl Phillip Emanuel Bach und Wolfgang Amadeus Mozart bevorzugten Gattung der niedergeschriebenen Improvisation einreiht. Daher überzeugte der interpretatorische Ansatz von Chen, die ganz auf die Wirkung einer Stehgreif-Komposition setzte. Nach einem Anfang, den Beethoven bewusst weit ab der eigentlichen Haupttonart des Stückes geschrieben hat, mäandert das Werk durch verschiedene harmonische Bezirke, bevor es dann Anker wirft in einem prachtvollen, unbekümmerten Thema mit Variationen. Die Pianistin verstand es diesen Weg transparent aufzuzeigen und den Hörern diesen Weg zu ebnen.
Es folgten „Sechs Bagatellen“ op. 126. Bei diesem kleinen Klavierzyklus wurden die Hörer Zeuge eines typischen Spätwerks des Komponisten. Zum einen trägt es die unverwechselbare Handschrift Beethovens, zum anderen weißt es in seinen Besonderheiten bereits weit voraus auf eine Gattung, die sich erst im 19. Jahrhundert den Weg gebahnt hat: das Charakterstück. Chen gelang es, jedem dieser sechs sehr unterschiedlichen Stücke ein eigenes Gepräge zu verleihen; dabei reichte das Spektrum von lyrisch über episch bis dramatisch.
Nach der Pause kam dann das Hauptwerk des Abends, die bekannten und zu Recht gerühmten „33 Variationen über einen Walzer von Anton Diabelli“ op. 120, Beethovens letztes großes Klavierwerk. Hans von Bülow, ein weithin angesehener musikalischer Anwalt Beethovenscher Musik im 19. Jahrhundert, nannte dieses Werk einmal einen „Mikrokosmos des Beethovenschen Genius“.
Das trifft den Kern. In beeindruckendem Ideenreichtum entfaltet Beethoven eine Palette geradezu unerschöpflicher Variationsmöglichkeiten. Ein monumentales Meisterwerk, das auch einer meisterlichen Darbietung bedarf. Und diese vermochte Chen auf den Punkt abzurufen. Ihre brillante Technik, die selbst in den virtuosesten Passagen mühelos wirkte, verlieh der Pianistin die beste Voraussetzung, um die vielen Facetten des Werks in Abfolge bewältigen zu können; denn im Grunde verlangt Beethoven seinen Interpreten einmal das gesamte Alphabet der Virtuosität ab.
Zum Schluss der Komposition, bei dem alles Vorangegangene vergeistigt wird, wirkte Chen in ihrem hochkonzentrierten Spiel wie von einer anderen Welt, so sehr verschmolz die Pianistin mit der Musik, die vielleicht das große Credo eines großen Komponisten ist. Respekt und Anerkennung für das Gelingen dieser Meisterleistung zollte das zahlreich erschienene Publikum mit großem Applaus, den die Künstlerin mit zwei Zugaben honorierte.
"Im Barock war von den Musikern Talent im Komponieren, Interpretieren und vor allem im Improvisieren gefordert.", erläuterte Meryem Akdenizli Bachs Chromatische Fantasie und Fuge und illustrierte ihre Ausführungen mit Musikbeispielen.
In ihrer persönlichen Interpretation nutzte Akdenizli die Möglichkeiten des modernen Konzertflügels. Dabei betonte sie den Fantasie-Charakter des Werkes, ohne übertrieben stark zu romantisieren. Trotz formaler Strenge wirkte die Fuge in der Interpretation der Pianistin nicht wie ein spröder Gegensatz zur farbigen Fantasie, sondern erzeugte stets spannende Erwartungen.
Als Joseph Haydn seine letzte Klaviersonate schrieb, hatte das Hammerklavier schon eine längere Entwicklung durchgemacht. Haydn genoss die großen Klangmöglichkeiten und stellte in der Exposition zwei sehr entgegengesetzte Themen auf. Wie entzückt wäre Haydn wohl gewesen, hätte ihm ein Instrument zur Verfügung gestanden, auf dem den über 100 Zuhörern am vergangenen Sonntag dieses wichtige Werk zu Gehör gebracht wurde?
Das typische Haydn-Finale mit seinen Generalpausen und Ungestümtheiten gelang Meryem Akdenizli überzeugend und entlockte dem begeisterten Publikum einen ersten Bravo-Ruf.
Mit Frédéric Chopins Konzertetüde Op. 25, Nr. 11 war Akdenizli beim romantischen Repertoire angekommen, das ihr bestens in den Fingern lag und von dem man nach der Pause noch mehr zu hören bekommen sollte.
Maurice Ravels "Ondine" aus seinen Klavierstücken "Gaspard de la Nuit" ist harmonisch stark impressionistisch gefärbt. Es bewegt sich über einem sehr festen Metrum, das durch die fortwährende Repetition eines rhythmisch starren Grundmotivs geprägt ist. Geschickt nutzte Meryem Akdenizli die Möglichkeit, die kantilenenartige Melodie der Undine frei und unabhängig von der Begleitung klingen zu lassen.
Mit einem typischen Lisztschen Feuerwerk beendete Meryem Akdenizli ihren Klavierabend und schlug einen Bogen zum Konzertbeginn. Seit dem Barock sind Variationen über das spanische Thema "La Folia" sehr beliebt. In der spanischen Rhapsodie wird es von Franz Liszt mit der "Jota aragonese" verknüpft. Auch hier war Meryem Akdenizli voll in ihrem Element und erntete zahlreichen Beifall und anerkennende Pfiffe. Als ruhigen Ausklang gab es als Zugabe Claude Debussys "Das Mädchen mit den Flachshaaren".
"I love Chopin" heißt es im Klavierkonzert am 12. September, wenn der bereits mehrfach mit Lang Lang verglichene Pianist Haiou Zang Werke seines Lieblingskomponisten spielt.
Sie lächelt dezent, verbeugt sich höflich und drapiert mit der linken Hand eine eigenwillige Haarsträhne hinterm Ohr. Ihr elegantes Abendkleid, frisch gebügelt, legt sich in vitalem Schwung über den pechschwarzen Klavierstuhl.
Draußen brüllt die nordische Julihitze. Die Pianistin Gerlint Böttcher ist eigens für die dritte Weltklassik-am-Klavier-Ausgabe aus Berlin angereist und muss nun ein Kleid tragen, aus dessen Stoffvolumen sich knapp 40 Badeanzüge schneidern ließen. Das entspricht ungefähr der Zahl der Gäste, die eine quirlig-frische Akkustikdusche einem Ganzkörper- bad im Swimmingpool vorgezogen haben. Die klassische Variante.
Böttcher hebt an zu starken Tönen, prescht frech nach vorn mit einem Einstiegskracher, an den fürs Aufwärmen selten gedacht wird: Mendelssohns Rondo capriccioso op. 14. Mut und Chuzpe, Frau Böttcher!
Sie rutscht, verrät sie später, auf der Klaviatur hin und her, denn ihre Finger sind in Schweiß gebadet; das präzise Spiel ihres hochkultivierten Standards wird niedergewalzt durch Naturgewalt, weil selbst die schärfste Disziplinarstrafe niemanden vom Schwitzen abhält; das ist in jedem nicht klimatisierten Konzertsaal dieser Erde eben die Schattenseite des Hochsommers. Und trotzdem lacht sie den unwirtlichen Konzertbedingungen unverhohlen ins Gesicht, spielt ihr kerniges Programm bravourös an die Wand der eigenen Grenzen.
Voller Brillanz knallen die forcierenden Achtelketten gegen den Flügeldeckel und verklingen erschöpft in den Köpfen der Zuhörer. Böttcher arbeitet das Thema radikal heraus, und sie tut es mit links, wie man so schön sagt. Ihre größte Stärke ist dabei diese knisternde Lebhaftigkeit, die fast schon respektlose Energie ihres Spiels. Selbst der per partitura seufzende Liszt wird so zum Optimisten. Sie nimmt der melancholisch-romantischen Grundstimmung einfach die Butter vom Brot, verlangsamt nur in wenigen Momenten das Tempo. Die fiesen Übergriffe sitzen prächtig, aber sie tanzen völlig entseufzt. Anders, als man es kennt, aber deswegen natürlich keinesfalls schlecht.
Der Esprit Böttchers zieht sich wie ein knallroter Faden durch das Programm. Ob Mozarts „Ah! Vous dirai-je, Maman“ in seinen 12 Variationen (hierzulande besser bekannt als: Morgen kommt der Weihnachtsmann) oder Chopins Scherzo Nr. 2 in b-Moll, das sich zugleich als ihre wohl stärkste Nummer empfiehlt.
Böttchers publikumswirksame Stückauswahl und deren sommerleichte Umsetzung hätten nicht vortrefflicher passen können. Erfrischter dürfte man dieser Tage wohl selten zu Hause angekommen sein.
Remscheid. Wissen Sie, was ein Tastenlöwe ist? Das ist ein pianistisches Geschöpf, das die Musik vor Liszt als langweilig empfindet und sein Publikum dadurch für kurze Zeit fasziniert, dass es Chopins Minutenwalzer wie eine überdrehte Spieluhr in 20 Sekunden durchrattert.
Wie viel spannender, lebendiger und persönlicher die Berührung mit Musik sein kann, präsentierte am Sonntagnachmittag in der gut besuchten Klosterkirche im Rahmen der Reihe "Weltklassik am Klavier" die Pianistin Meryem Natalie Akdenizli. Die junge Künstlerin - die mit einem Löwen nur die prächtige Haarmähne gemein hat - hatte neben den Schlachtrössern von Chopin und Liszt auch Bach, Haydn und Ravel gesattelt.
Und da eins ihrer "Hobbys" nach eigenen Worten die Vermittlung zwischen Menschen und klassischer Musik ist, führte sie sympathisch, leicht verständlich und spontan in die Werke ein, verwies auf bedeutende und charakteristische Phrasen und gab die ein oder andere Anekdote aus dem Leben der Komponisten kund. Grandios dann der akustische Eindruck: In Bachs berühmter Fantasie und Fuge d-Moll gelang es Akdenizli, die quasi improvisierten, kurzen Phrasen zu einem homogenen Gesamten zu verbinden und die Fuge in allen drei Stimmen prägnant und ohne romantische Temporückungen zu gestalten.
Dass der "alte" Haydn ein Witzbold war - man denke an die Symphonie mit dem Paukenschlag - ist bekannt. Seine letzte Klaviersonate bordet geradezu über von kleinen Scherzen, Imitationen und Trugschlüssen. Akdenizli wählte zwar ein zügiges Tempo, fand aber genügend Zeit, Haydns Einfälle mit technischer Perfektion umzusetzen. Welches romantische Werk in ihrer Darbietung die Krone verdiente, ist schwer zu entscheiden: Chopins a-Moll Etüde "Wintersturm" gestaltete sie zum rasendem Orkan, Ravels "Ondine" zum traurig singendem Farbenspiel.
Vielleicht ist Liszts "Rhapsodie Espagnole" dank der kräftig gestalteten Themen und fast irrwitzigem Temperament ihr Paradestück. Und wieder: Trotz aller hypertechnischen Meisterschaft ließ Meryem Natalie Akdenizli die Musik im Vordergrund, gab jeder Phrase Gewicht, jedem Anschlag einen Sinn. Große Begeisterung für ein grandioses Konzert.
Hocherfreut zeigte sich Organisator Artur Pacewicz, dass sich trotz Fußballweltmeisterschaft die Wandelhalle gut mit Zuhörern gefüllt hatte und versprach ein hochinteressantes Programm, das unter anderem zwei weltberühmte Klaviersonaten enthält.
Mit diesen ging es auch los. Mozarts A-Dur-Sonate mit dem eingängigen Rondo "Alla turca" nutzte Mikhail Mordvinov leider nur als Warmspielübung. Regungslos und konzentriert spielte der russische Pianist die sechs Variationen, und man fragte sich, warum er jede Wiederholung unverändert brachte. Sicher lag es daran, dass Mordvinov in der Romantik zu Hause ist und von dort auf Mozart zurück blickt. Diese Sichtweise ist legitim und Mordvinovs Konzept war schlüssig, aufregender wäre eine Mozartinterpretation gewesen, die den Komponisten als Erneuerer der Klaviersonate und Meister der Spontaneität zeigt.
In "seiner" Welt war Mikhail Mordvinov in der sich anschließenden Sonate Nr. 2 von Frédéric Chopin angekommen. Trotz des erheblich höheren Schwierigkeitsgrades wirkte Mordvinovs Spiel hier sicherer, gelang seine Interpretation leidenschaftlicher und stilistisch überzeugender. Überaus kraftvoll spielte er den Eingangssatz und das Scherzo. Erst das mit "più lento" überschriebene Trio konnte ihm Einhalt gebieten. Hervorragend interpretierte Mikhail Mordvinov den Trauermarsch, in dem er bei festem Metrum die Einsätze der rechten Hand spannungsgeladen verzögerte. In der Reprise übertrieb es der junge Pianist ein wenig mit der Lautstärkeentwicklung.
Sicher und mit gebotener Zurückhaltung ging es nach der Pause mit "Trois nouvelles études" von Chopin weiter. Der eigentliche Konzerthöhepunkt folgte mit drei Klavierstücken von Edvard Grieg, die er mit "Aus dem Volksleben" überschrieb. Hier wirkte Mikhail Mordvinovs Interpretation am stimmigsten, jedem Detail wurde höchste Aufmerksamkeit geschenkt. Mit nordischer Rauhigkeit erklang "In den Bergen". Im zweiten Stück "Norwegischer Brautzug im Vorüberziehen" ließ Mordvinov die volkstümliche Melodie sich anmutig über den ostinaten Bass erheben. Und auch das etüdenhafte "Aus dem Karneval" hatte Mordvinov sorgfältig vorbereitet und konnte dem begeisterten Publikum ein norwegisches, viel zu selten gespieltes Kleinod auf höchstem pianistischen Niveau präsentieren.
Mit drei Präludien von George Gershwin ging das zweistündige Programm zu Ende. Mikhail Mordvinov spielte diese diffizilen Klavierwerke, die durch eingängige Rhythmik und jazzige Harmonien leicht und vertraut klingen mit viel innerer Ruhe. Mit zwei Zugaben dankte Mordvinov dem applausfreudigen Publikum.
Papenburg. Chapeau, Chopin! 2010 ist das Jahr des großen Sensiblen, des Kultromantikers, der seinerzeit kaum begehrt oder umgarnt war. Doch heute, Jahrhunderte später, bricht er die Herzen der Frauen wie Arpeggien. Auch Aleksandra Mikulska ist ihm verfallen. Ja, sie erlag dem Charme seines Genies wie viele andere, aber als eine von wenigen gibt sie sich der Kraft und Zärtlichkeit seines Schaffens mit aufrichtiger Leidenschaft und alter Seele hin.
Acht Stunden Zugfahrt bis zum Auftritt in Papenburg, aber keine Sekunde des Müßigklangs. In Mikulskas Haltung liegt Disziplin, Exaltiertheit liegt in ihrer Hingabe - ein stählerner Schmelztiegel, in dem es brodelt und kocht. Ihr Ruhepuls trägt die romantischen Fantasien beim Zuhören auf Daunen davon, bevor sie mit der zermalmenden Wucht eines Presslufthammers zulangt. Plötzlich zerren die Schwingungen im Saal und reißen Schallmauern nieder.
Diese gewaltigen, fast gewaltsamen Eruptionen sind Fußnoten großen Talents. Denn wer Chopin vollkommen introvertiert auf der Gefühlsnulllinie abspielt, hat ihn einfach nicht begriffen. Mikulska aber packt das Vermächtnis des polnischen Großmeisters dort an, wo man es (er)fassen muss: hinter der Druckerschwärze - und hier liest sie mit dem Vergrößerungsglas. Schon die konzerteinleitende "Polonaise-Fantaisie op. 61" ist übermenschlich präzise analysiert und "ausgefühlt". Und Mikulska wird bis zum wuchtigen "Andante spianato &Grande Polonaise Brillante Es-Dur op. 22" kein bisschen nachlässig. Angesichts der technischen Überlegenheit der Preisträgerin gegenüber dem Programm drängt sich unwillkürlich ein absurder Vergleich auf: Die Zirkusartistin bei ihrer stärksten Nummer. Absurd deshalb, weil das ausdrucksstarke Spektakel dort vorn am Flügel schlichtweg nichts mit Zurschaustellung zu tun hat. Die zehn Finger der 28-Jährigen huschen als selbstvergessene Reisende über die Tastatur und bleiben bloß Mittel zum Zweck, weil die physische Effektivität ihres Spiels unbedingt notwendig ist, um keinen Funken Energie zu vergeuden. Insofern denkt sie pragmatisch, stellt sich unendlich viel Raum zur Verfügung, aus dem sie ausbrechen oder in dem sie sich entfalten kann. Nach Belieben.
Mit dem Walzer op. 34, hintangestellt, erreicht der Schmelztiegel den romantischen Siedepunkt. Vollendet und in der Tat: Chopin pur!
Quelle: Ems-Zeitung Papenburg / 12. Juni 2010
Der Hahnerhof ist Standort der Reihe „Weltklassik am Klavier“.
„Das Wichtigste ist, die Klassiker am Leben zu halten.“ Für Kathrin Haarstick ist das der Grund für ihrEngagement für die Reihe „Weltklassik am Klavier“, die sie selbst initiiert hat.
Im Jahr 2000 startete die vormalige Industrie-Managerin diese musikalische Preziose mit einem kleinen Konzert in ihrer Wahlheimat Ostfriesland. Inzwischen gibt es die beinahe kammermusikalisch anmutende Serie an 21 ausgewählten Standorten. Einer davon befindet sich seit dem Premierenkonzert mit der polnischen Pianistin Aleksandra Mikulska nun in Ratingen. Junge Pianisten sollen an besonderen Orten spielen können Die Reihe will jungen Pianisten die Chance geben, vor Publikum zu spielen – nicht irgendwo, sondern in besonderen Häusern, an Orten mit Charme. Und weil die Initiatorin nicht überall gleichzeitig sein kann, hat jeder Spielort einen so genannten Paten. „Dass wir Andrea Lugg gefunden haben, ist ein Glücksgriff“, schwärmte Kathrin
Haarstick beim Konzert am Freitagnachmittag im Hahnerhof.
Das funktionierende Netzwerk aus Pianisten, Dozenten, Professoren und Musikbegeisterten hält sich auf dem Laufenden – „so haben wir Andrea Lugg und den Hahnerhof gefunden“, freute sich Haarstick. In allerfeinster Atmosphäre und mit einem traumhaften Blick ins Grüne saßen dann zur kinderfreundlichen Zeit von 17 Uhr in Ohrensessel oder gemütliche Polster gekuschelt die Gäste und lauschten Aleksandra Mikulska. Die Musikerin spielte ausschließlich Stücke von Frédéric Chopin – weil er ein Landsmann ist und wie sie selbst im Alter von 18 Jahren Polen verließ, aber auch, weil dieses Jahr der 200. Geburtstag des Komponisten wäre. Mikulska spielte temporeiche Interpretationen von Chopins Werk Die Polonaise-Fantasie op 61 und vier Mazurkas op 30 durften in ihrer Interpretation als temporeiche Denkmäler für die polnische Heimat gelten. Mit der Polonaise As-Dur op 53 erfüllte dann eine der wohl vertrautesten Chopin-Melodien den Raum. Mit Rotwein und Sekt erfrischten sich die von diesem Ohrenschmaus beseelt wirkenden Gäste in der Pause, ehe im zweiten Teil des Konzerts unter anderem ein Walzer erklang. „Ganz Klavier-Deutschland ist Ihnen dankbar“, kommentierte ein begeisterter Fan Kathrin Haarsticks Idee zu der Konzertreihe. Am Samstag, 12. Juni, wird die Reihe mit Mikhail´ Nordvinov und „Tiraden und berühmte Sonaten“ fortgesetzt.
Erscheinungsdatum: 10.05.2010 - Westdeutsche Zeitung - Von Valeska von Dolega
Ratingen (RP) Das Herrenhaus Hahnerhof war erstmalig Schauplatz der Konzertreihe "Weltklassik am Klavier". Aleksandra Mikulska faszinierte die Gäste. 50 Sitzplätze standen rund um den Flügel zur Verfügung.
Mucksmäuschenstill war es im Konzertsaal des Herrenhauses Hahnerhof am Samstag, als Aleksandra Mikulska zur Premiere der Konzertreihe "Weltklassik am Klavier" mit "Chopin pur!" gastierte. Mit ihren virtuosen Interpretationen der Stücke Frédéric Chopins versetzte sie das Publikum in Faszination und nahm die Gäste mit auf eine Reise akustischer Brillanz.
Die imposanten Kompositionen Chopins trug sie leidenschaftlich vor. Mit sechs Jahren begann Aleksandra Mikulska mit dem Klavierspielen, verließ Polen wie Frédéric Chopin im Alter von 18 Jahren und vollendete ihre musikalische und schulische Ausbildung in Deutschland.
Diverse nationale sowie internationale Jurys überzeugte sie von ihrem Talent. Sie wurde Preisträgerin des Sonderpreises des "XV. Internationalen F. Chopin Klavierwettbewerbs" in Warschau. Dieses Jahr konzertiert sie zum 200. Geburtstag von Chopin mit Eigeninterpretationen seiner Werke unter dem Motto "Chopin pur!". Irmhild Koschlig aus Münster, Monika Ruppik und Trudi Sonnenschein kamen im Trio und waren von dem Ambiente im Hahnerhof und der lebendigen, musikalischen Darbietung der Polin sehr beeindruckt: "Es ist einmalig schön, einfach begeisternd!" Einst Wohnsitz der Unternehmerfamilie Carp, wurde das Herrenhaus Hahnerhof in den 80er Jahren vom Zahnmediziner Dr. Michael Ottenstreuer in eine Privatklinik umgebaut.
Der Freund klassischer Musik stellt seine privaten Räumlichkeiten nun jeden zweiten Samstag im Monat der Konzertreihe "Weltklassik am Klavier" zur Verfügung. 50 Sitzplätze rund um den Flügel bietet der Saal, der mindestens bis zum Jahresende als einer von 22 Veranstaltungsorten der Weltklassik-Konzerte dient. Josephine Hinsen, die die ehemalige Gaststätte gegenüber dem Hahnerhof führte, schwelgte auf der Terrasse stehend in Erinnerungen an alte Zeiten: "Früher gingen wir hier spazieren. Das ist heute leider nicht mehr möglich, da das Grundstück eingezäunt ist." Schauspieler wie Gustaf Gründgens und Marianne Hoppe gingen im Herrenhof damals ein und aus. "Im Konvoi von 70 bis 80 Autos kamen sie angefahren. Ihre Chauffeure speisten dann bei uns in der Gaststätte", erzählt Josephine Hinsen.
Initiiert wurde die monatliche Konzertreihe von Kathrin Haarstick im Jahre 2006 in Rysum. Seitdem expandiert die erfolgreiche Musikveranstaltung und ist bereits an über 20 Standorten in Deutschland präsent. Die Premiere in Ottenstreuers Villa ist gelungen. Die Besucher sind sicher, dass sich die Konzertreihe in Ratingen etabliert. "Patin vor Ort" war Andrea Lugg, die sich um die Gäste kümmerte. "Junge Pianisten haben die Möglichkeit aufzutreten und werden dadurch gefördert", erklärt sie.
Wie würde man wohl selbst reagieren, wenn jemand einem Veranstalter die eigenen vier Wände als perfekten Ort für Klavierkonzerte vorschlüge? Michael Ottenstreuer, der den ehemaligen Industriellen-Wohnsitz Hahnerhof in den 80er Jahren erworben und zur Privatklinik umgebaut hat, sieht die Sache gelassen: "Ich mag klassische Musik", sagt der promovierte Zahnmediziner, dessen blitzblank polierter Steinway dort steht, wo die Patienten den entspannenden Blick auf die üppige Terrasse und ins Grüne genießen. Kein Wunder also, dass es ein Patient war, der das Herrenhaus als Veranstaltungsort ins Spiel brachte.
Platz nehmen werden die Besucher der einmal im Monat stattfindenden Konzerte, die jeweils um 17 Uhr beginnen, nicht etwa auf profanem Gestühl, sondern auf Sofas und Sesseln. Schließlich soll laut Petra Lugg vom Veranstalter "Weltklassik" eine Art Hausmusikatmosphäre entstehen, was bei 50 Sitzplätzen, die pro Abend zum Preis von jeweils 25 Euro angeboten werden (Kinder bis 12 frei), ein erreichbares Ziel sein dürfte.
Karten können ab sofort bei "Weltklassik"-Organisatorin Kathrin Haarstick persönlich unter Tel. 0175 1616779 reserviert werden. Individuelle Platzierungswünsche werden berücksichtigt.
Exklusiv wie der Ort und der Preis werden laut Veranstalter auch die Hauptpersonen des Abends sein, die Musiker. Sie kommen allesamt von der Hochschule für Musik Hannover und werden vom Veranstalter als "Nachwuchsstars aus allen Ländern auf ihrem Weg zur Weltspitze" ausgewiesen. Den Auftakt macht am Samstag, 8. Mai, Aleksandra Mikulska, Sonderpreis-Gewinnerin des Warschauer Chopin-Wettbewerbs. Sie spielt Polonaisen, Mazurkas, Scherzo und Walzer von Meister Chopin, der in diesem Jahr 200. Geburtstag feiert.
Ob sich die Reihe in Ratingen etabliert, wo Freunde klassischer Musik ja wahrlich nicht über Unterversorgung klagen können, wird sich zeigen. Der Veranstalter, der seine Konzerte nach eigenen Angaben bereits in über 20 Orten in Deutschland anbietet, hat den Hahnerhof jedenfalls bis Jahresende fest ins Programm eingeplant – und Besitzer Ottenstreuer, der seine Räume unentgeltlich zur Verfügung stellt, hat zugestimmt.
Nicht nur der Musik, auch des Ortes wegen dürften viele neugierig werden. Die Jahrhundertwende-Villa der Unternehmerfamilie Carp war dank Hausherrin Elsa Carp (geborene Haniel) einst ein gesellschaftlicher Mittelpunkt. Gustaf Gründgens beispielsweise ging hier ein und aus. Als Filmkulisse ("Tatort") ist das Haus längst entdeckt. Demnächst vielleicht auch als Konzertort.
"Weltklassik am Klavier!" ab Samstag, den 8. Mai 2010 um 17 Uhr jeden Monat im "Hahnerhof"
Das exklusive Herrenhaus "Hahnerhof" in Ratingen öffnet seine Türen für eine kleine, aber feine Reihe exzellenter Klavierkonzerte: Was in über 20 Orten in Deutschland bereits regelmäßig für monatliche Vorfreude bei den Zuhörern sorgt, soll nun auch in Ratingen für Furore sorgen: Eine kleine, aber feine Reihe von klassischen Klavierkonzerten, die künftig immer am zweiten Samstag jedes Monats um 17 Uhr im "Hahnerhof" stattfinden wird.
"Weltklassik am Klavier!" lautet der Titel - zweifellos ein sehr ambitioniertes Motto. Doch angesichts der erstklassigen Pianisten, die diese Reihe gestalten, kann sich schon Begeisterung unter den Liebhabern der klassischen Klaviermusik breit machen. Nicht umsonst ist "Weltklassik am Klavier!" innerhalb von vier Jahren mit jährlich 250 Klavierkonzerten der größte Veranstalter geworden.
Am Samstag, den 8. Mai 2010 um 17 Uhr beginnt die kleine, aber feine monatliche Konzertreihe "Weltklassik am Klavier!" im "Hahnerhof" in Ratingen. Unter dem Titel "Weltklassik am Klavier - Chopin pur!" gibt die Finalisten und Trägerin des Sonderpreises des berühmten Chopin Wettbewerbes in Warschau, Alexandra Mikulska, am Steinway ihr Können zum Besten. Auf dem Programm stehen Polonaisen, Mazurkas, Scherzo und Walzer - und die Grande Polonaise Brillante Es-Dur op. 22:
Die weiteren Konzerttermine der monatlichen Konzertreihe immer am zweiten Samstag des Monats um 17 Uhr - finden sich unter www.weltklassik.de Ratingen.
In seinem Todesjahr komponierte Franz Schubert die f-Moll-Fantasie. Sie stellt den Höhepunkt in seinem Klavierduo-Schaffen dar und gilt als bedeutendste Komposition dieser Gattung überhaupt. Das Duo Cara Hesse und Laura Pauna spielte Schuberts Vermächtnis mit viel Leidenschaft und Anmut. Sorgfältig war jedes Detail der Komposition vorbereitet und aufeinander abgestimmt. Die häufigen Oktaven im prima parte klangen in Cara Hesses Interpretation gesanglich und wie aus einem Guss. Das non-legato-Spiel im ¾-Takt-Teil ließ die lauten Passagen zackig, die piano-Stellen hingegen lyrisch klingen.
Zu Edvard Griegs Valse Caprice Nr. 1 und 2 op. 39 tauschten die Duo-Partnerinenn ihre Plätze. Bei beiden Kompositionen wurde schnell klar, warum Grieg auch der Chopin des Nordens genannt wird. Es war interessant zu beobachten, wie gut sich die beiden Südafrikanerinnen kennen und ihr rubato-Spiel sowie die Polyrhythmik der zweiten Caprice aufeinander abgestimmt hatten.
Bevor es in die Pause ging, erwartete die Zuhörer noch ein besonderer Leckerbissen: Maurice Ravels Bolero in einer Fassung des Komponisten für Klavier zu vier Händen. Ravels Experiment für großes Orchester stellte die Interpretinnen an ihrem Instrument vor ganz spezielle Herausforderungen. Sie hielten gut Maß mit der Dynamik und steigerten die Lautstärke stetig bis zum furiosen Finale. Doch auch die Vielstimmigkeit der Komposition wuchs bis an die Grenzen pianistischer Darstellbarkeit an. Da waren kleine Patzer verständlich und höchst verzeihlich.
Mit einem Bravourstück pianistischer Virtuosität ging es nach der Pause weiter. Cara Hesse und Laura Pauna spielten Felix Mendelssohn-Bartholdys Andante mit Variationen technisch und stilistisch sicher.
Eine Suite spanischer Stücke von Maurice Ravel beendete das Konzert. Epochal wurde hier die Romantik bereits verlassen. Impressionistische Akkordschichtungen und Einflüsse des Jazz dominierten die vier kurzen Werke. Den speziellsten Charakter und höchsten technischen Anspruch hatte "Feria". Häufiges Übergreifen der Hände, rasches Tempo und viele charakterliche Wechsel ließen "Feria" zu einem krönenden Konzertabschluss werden. Als Zugabe spielten Hesse und Pauna einen Slawischen Tanz von Antonin Dvorak.
Neben seinem umfangreichen Werk für Soloklavier und den beiden Klavierkonzerten schrieb Frederick Chopin lediglich ein ernstzunehmendes kammermusikalisches Werk. Diese selten gespielte Cellosonate stand auf dem Programm der Reihe "Weltklassik am Klavier". Pianist Artur Pacewicz hatte sie passend zum Chopin-Jahr ausgesucht und mit Mateusz Kwiatkowski am Violoncello aufgeführt.
"Man selbst kann sich gar nicht so gut ansagen", sagte der ansonsten stets souverän das Programm anmoderierende Artur Pacewicz. Allerdings sprachen die gespielten Werke größtenteils für sich selbst. In Robert Schumanns "Fünf Stücke im Volkston" op. 102 für Violoncello und Pianoforte dominierte der Solistenpart. Lyrisch, mit wohldosiertem Vibrato und erfreulich unaufdringlich erklang das langsame zweite Stück. Einen Gegenpol bildete darauf das mit "Nicht schnell, mit viel Ton zu spielen" überschriebene dritte Stück. Besonders die legato gespielten Doppelgriffe Kwiatkowskis beeindruckten. Virtuosität bewies auch Artur Pacewicz im vierten Stück, und mit dem ungewöhnlichsten Werk dieser kleinen Sammlung endete der erste Programmteil "Stark und markiert".
In Chopins Nocturne in c-Moll op. 48 arbeitete Artur Pacewicz die rhythmischen und melodischen Feinheiten gut heraus - manchmal mit etwas zu freudigem Pedaleinsatz.
Robert Schumanns drei Charakterstücke op. 73 wurden ursprünglich für Klarinette und Klavier komponiert. Mateusz Kwiatkowski zeigte ein höchst konzentriertes, dabei aber lebendiges und ausdrucksvolles Spiel. Besonders die Zartheit im ersten Fantasiestück ließ sich gut vernehmen. Die Umsetzung des Charakters "Lebhaft, leicht" des zweiten Stückes gelang den Instrumentalisten nicht überzeugend. Allerdings ist die vom Komponisten verlangte Interpretation auch kaum zu erreichen, da der Musik eine melancholische Schwere anhaftet. Als feuriger Dialog zwischen Cello und Klavier gelang der Schlusssatz.
Frédéric Chopins Cellosonate op. 65 ist das letzte große Werk, das der Komponist schrieb. Als er in den Jahren 1845 und 1846 daran komponierte, tat er sich sehr schwer. Eine ungewöhnlich große Anzahl von Skizzen - viele von ihnen wurden verworfen - ist ein Ergebnis dieses Prozesses. Artur Pacewicz und Mateusz Kwiatkowski erwiesen sich als würdige Interpreten dieses ungewöhnlichen Werks.
Bereits im ersten Satz klang in Pacewiczs Klavierspiel der für Chopin untypische Kompositionsstil an, verband sich aber perfekt mit dem Cellospiel Kwiatkowskis. Der gebrochene Akkord vor der Coda lief rasch und behände bis in höchste Lagen des Cellos.
Nach einem markiert gespielten Scherzo gingen die beiden Musiker mit größter Zartheit und Zurückhaltung den mit "Largo" überschriebenen langsamen Satz an. Im Tarantella-Finale ließ sich die slawische Herkunft Chopins kaum verleugnen.
Romantisches Sehnen für Cello und Piano
Weltklassik am Klavier in Lahr: viel zartes Empfinden und dann doch noch die Pranke des Löwen.
LAHR. Nach einem gar zu lyrisch geratenen ersten Teil ging noch die Post ab bei den jüngsten Weltklassikkonzerten in Lahr und Offenburg. Als Höhepunkt boten Artur Pacewicz (Klavier) und Mateusz Kieatkowski (Cello) eine expressive Auslegung der Chopin-Cello-Sonate, opus 65.
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Mateusz Kieatkowski (Cello)
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Das Stück hat alles, was man sich von einem romantischen Werk wünscht. Es beginnt bedächtig, fast schon schwermütig, mit aufschimmernden Läufen im Klavier. Das Cello greift die eher düstere Stimmung auf, lässt tiefe Seufzer rollen, schwelgt in Melancholie. Filigrane Klavierpassagen suggerieren Leichtigkeit als Kontrast zur schwerblütigen Cello-Melodie.
Zugleich wird der von den Interpreten mit großer Sicherheit geführte Dialog immer intensiver. Aufwühlende Momente folgen auf lyrische Seufzer, dann mäandriert das Cello, das Klavier schweigt für ein, zwei Takte, kommt zurück mit einer süßen Melodie, die zum innigen Duett wird, verziert mit kleinen, silbrigen Tröpfchen im Flügel. Das Schwelgen verdichtet sich, er Strom der Musik verengt sich zu bis zum großen Ausbruch. Pointiert ist danach das Scherzo, eine Tanzmelodie, kobolhaft und schön abgesetzt von dem innig-warmen Largo als drittem Satz, mit wohligen, sonoren, tröstlichen Cello-Linien. Der Schluss dann pendelt zwischen sanglichen Augenblicken und stürmischer Expressivät, mit wundervollen Zwiegesprächen.
Kwiatkowski hat einen warmen, fülligen Cello-Ton, sein Partner Artur Pacewicz ist ein Pianist mit starkem Klangsinn, dem feine Abstufungen wichtiger sind als Showeffekte. Dies prägte auch die vor der Pause dargebotenen Werke.
Angekündigt war Robert Schumann, die Fantasiestücke, opus 73, und die Stücke im Volkston, opus 102. Beides sind schöne Werke, kleine Miniaturen, mit immerzu singendem Cello, viel Liebessehnen gebrochen von Naturbetrachtung. Gerade die fünf Stücke im Volkston sind voller Emphase.
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Artur Pacewicz (Klavier)
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Allerdings sind sich beide Werke doch sehr ähnlich, und es fehlt durch die zelebrierte lyrische Hochstimmung ein wenig der Kontrast. Dies empfanden offenbar auch die Künstler so, weshalb sie zwischen diese beiden Werke Puffer setzten. Dies war zunächst die Nocturne c-Moll, opus 48,1 von Chopin für Klavier solo, von Pacewicz mit viel lyrischem Gespür gespielt. Und dann als dritten Programmpunkt den sattsam bekannten "Schwan" von Camille Saint-Saëns aus dessen "Karneval der Tiere", eigentlich ein Stück für Kammerorchester. Die hier gespielte Bearbeitung für Klavier und Cello machte in dem Schumann-Chopin-Programm keinen rechten Sinn. Und wenn man schon dieses doch arg lyrische Stück aus einem Zyklus dem Publikum anbietet, dann wohl eher im Zugabenteil.
Quelle: Offenburg und Lahr / von Robert Ullmann, Badische Zeitung vom 08. März 2010
Weltstars von morgen zu Gast in Papenburg
Was in Städten wie Oldenburg, Braunschweig und Münster bereits Begeisterung in ausverkauften Sälen ausgelöst hat, soll nun auch in Papenburg für Furore sorgen:
Eine kleine, aber feine Reihe von Klavierkonzerten, die künftig meist am ersten Sonntag eines Monats um 17 Uhr in der Villa Dieckhaus am Hauptkanal rechts 73 stattfinden wird und Kinder, Jugendliche sowie Erwachsene gleichermaßen ansprechen soll.
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Gabriele Leporatti
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„Weltklassik am Klavier!“ lautet der Titel der Reihe; die der Kulturkreis Papenburg gemeinsam mit der Initiatorin Kathrin Haarstick aus Rysum veranstalten wird.
Unter dem Titel "Weltklassik am Klavier – viva piano italia!" gastiert der Italiener Gabriele Leporatti als erster Pianist am 2. Mai in der Villa. Auf dem Programm stehen italienische Kompositionen wie Sonaten von Scarlatti und Werke von Frescobaldi, Galuppi, und Respighi.
Das Konzept der erfolgreichen Veranstaltungsreihe:
Familienfreundliche Zeiten und Eintrittspreise: Die Konzerte finden Immer an einem bestimmten Samstag oder Sonntag im Monat um 17 Uhr in der Villa statt. Eine Karte für Erwachsene kostet um 15 Euro, Kinder bis 12 Jahren haben freien Eintritt.
Exzellente musikalische Qualität: Die Pianisten sind Nachwuchsstars auf dem Weg in die Weltspitze. Sie kommen u. a. aus China, Deutschland, England, Israel, Japan, Korea, Italien, Polen, Russland, Südafrika und der Ukraine. Bevorzugt werden Klavierwerke des Barock, der Klassik und der Romantik.
Komponisten wie Bach, Beethoven, Chopin, Haydn, Liszt, Mendelssohn, Mozart, Schumann und Schubert stehen im Vordergrund.
Zwei weltweit führende Professoren für Soloklavier, Prof. Bernd Goetzke und Prof. Vladimir Krajnev von Hochschule für Musik und Theater Hannover, stehen als Schirmherren bei der Auswahl der besten Pianisten beratend zur Seite.
Alle Termine der monatlichen Konzertreihe in Papenburg finden sich unter www.weltklassik.de
Reservierungen werden vom Veranstalter persönlich unter 0175/ 1616779 oder info@weltklassik.de entgegen genommen. Auskunft erteilt auch der Kulturkreis Papenburg unter Tel. 04961/ 82295.
Informationen:
Kulturkreis der Stadt Papenburg
Hauptkanal rechts 68/69, 26871 Papenburg
Tel. 04961/ 82-307
www.kulturkreis-papenburg.de
Quelle: 09.03.2010 -
http://www.emsland-touristik.de/Aktuelles-219-2560-1.html
Mariana Baranova aus der Ukraine hat sich zu einer erfolgreichen Pianistin entwickelt
Huldigung an die Schumanns
Mariana Baranova aus der Ukraine hat sich zu einer erfolgreichen Pianistin entwickelt Huldigung an die Schumanns Heinz Linke Altena. Schon im Alter von fünf Jahren galt sie als Ausnahmetalent und wurde in ihrer ukrainischen Heimat am Musikgymnasium in Charkow für musikalisch hochbegabte Kinder aufgenommen. Mit elf Jahren gewann sie bereits einen nationalen Wettbewerb.
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Mariana Baranova begeisterte das Publikum in der Burg Holtzbrinck mit seiner Hommage à Clara und
Robert Schumann. Foto: Heinz Linke
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AmSonntag erlebten 50 Zuhörer in der Burg Holtzbrinck die inzwischen 29-jährige Marina Baranova als reife und überaus erfolgreiche Pianistin, die mit ihren Auftritten schon in vielen Konzertsälen glänzte. Altenaer Musikfreunde können sich glücklich schätzen, dass sie im Rahmen der Reihe „Weltklassik am Klavier“ solche überragenden Virtuosen wie Marina Baranova zu hören bekommen.
Es war bereits die zweite Veranstaltung dieser Reihe in diesem Jahr in der Bürgerburg. Zehn weitere werden noch folgen.
Das Konzert stand unter dem Motto„HommageàClara und Robert Schumann“. Vor ihrer Darbietung gab die Pianistin ihrem Publikum eine kurze Einführung zu den von ihr gespielten Werken. Nach dem für Altena vorgesehenen Programm wollte Marina Baranova mit einem Stück von Clara Schumann „Variationen über ein Thema von Robert Schumann op. 20“, beginnen. Doch sie zog die für den Schluss gedachte „Sonate Nr. 1 fis-Moll op. 11“ von Robert Schumann als Auftakt für ihren Auftritt vor.
Dieses lebhafte Stück entsprach auch eher den Naturell der seit zehn Jahren in Deutschland lebenden und an der Hochschule für Musik in Hannover studierenden Pianistin, indem sie mit kraftvollen Akkorden das Altenaer Publikum von ihrer außergewöhnlichen Virtuosität überzeugte.
Marina Baranova überzeugt Ganz anders der Anfang des zweiten Konzertteils, bei dem Marina Baranova dann den melancholischen Variationssatz von Clara Schumann sehr einfühlsam zu Gehör brachte. An das Ende des Konzertes in der Holtzbrinck hatte die Pianistin die „Sinfonischen Etüden op. 13“ von Robert Schumann gesetzt.
Das Werk ist eine Folge von Variationen über ein Thema von Ignaz Ferdinand Freiherr von Fricken, dem Vater der früheren Verlobten des Komponisten Schumann, Ernestine von Fricken.
Hier überzeugte Marina Baranova über weite Strecken durch ihre schnellen und technisch sicher vorgetragenen Tempi. Entsprechend die Reaktion des Publikums, das der Darbietenden begeisterten Beifall spendete.
Quelle: Heinz Linke, Altenaer Rundschau, 23.02.2010
Am Klavier: Marina Baranova
Die Konzertreihe "Weltklassik am Klavier" wird am Sonntag um 17 Uhr in der Burg Holtzbrinck von Marina Baranova fortgesetzt. Ihr Auftritt in Altena musste einmal wegen Krankheit verschoben werden.
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Marina Baranova
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Marina Baranova hat bereits einen beachtlichen Lebenslauf: 1981 in der Ukraine geboren, wurde ihr bereits mit drei Jahren die Welt der Improvisation am Klavier von ihrem Vater eröffnet, was bis heute ihr Klavierspiel, ihre Interpretationen und Aktivitäten beeinflusst. Im Alter von elf Jahren gewann sie den 1. Preis beim nationalen Wettbewerb der Jugend in der Ukraine, dem sich eine Konzerttournee durch Finnland anschloss. 1993 wurde sie am Musikgymnasium für hochbegabte Kinder in Charkow aufgenommen und konnte so in jungen Jahren Bühnenerfahrung in
internationalen Spielstätten sammeln.
Marina Baranova studiert seit 2000 an der Hochschule für Musik und Theater Hannover bei Professor Vladimir Krajnev, erhielt im Jahr 2006 ihr pädagogisches Diplom, im 2008 ihr künstlerisches Diplom und studiert seit 2008 Soloklasse.
Sie belegte Meisterkurse bei den Professoren wie Eliso Virsaladze, Karl-Heinz Kämmerling, Hiroko Nakamura, Naum Starkman,Cécile Ousset, Victor Makarov, Leonel Morales, Stefano Fiuzzi und Kristina Steinegger. Dabei wird Sie als Stipendiatin von der Friedrich-Jürgen-Selheim-Gesellschaft sowie der Schlomo-Albam-Stiftung gefördert.
1997 gewann Marina Baranova den Rundfunk-Wettbewerb in der Ukraine und war daraufhin an Fernseh- und Radio-Aufnahmen beteiligt. Sie war Preisträgerin bei zahlreichen internationalen Wettbewerben: "Emmanuel Durlet voor Piano" in Antwerpen, "Alexander Tansman" in Lodz, "Piano Campus" in Pontoise, "I.J.Paderewski" in Bydgoszcz, "Cidade de Ferrol" in Ferrol und "C.I.P.C.E." in Madrid, "Parnassos" in Monterrey, Mexiko und "Campillos International Piano competition" in Spanien.
Marina Baranova konzertierte auf renommierten Bühnen in der Welt. Kammermusikalisch wie solistisch überzeugte sie auf großen Festivals wie dem Internationalen Klavierfestival Ferruccio Busoni, Wiener Musikwochen, Meraner Musikwochen, Schumann-Festwoche in Leipzig, Granada Piano Festival, Oldenburger Promenade, Tasta-Tour und Giora Feidman's Festival in Swat, Israel.
Ihr Interesse gilt neben klassisch-romantischen Interpretationen vor allem der Neuen Musik. Zusammen mit Helmut Eisel ist Marina Baranova das Duo "impromtu". Der Repertoireschwerpunkt liegt auf russisch-romantischen Werken sowie auf Improvisationen im Klezmerstil.
Der Eintritt kostet 15 Euro.
Quelle: Lydia Machelett, Altenaer Kreisblatt, 19.02.2010
Musikalische Szenen einer Ehe
Mit Klaviermusik von Clara und Robert Schumann setzte Marina Baranova am vergangenen Sonntag die Reihe "Weltklassik am Klavier" in der Wandelhalle fort. Trotz frostige Kälte fanden 100 Zuschauer den Weg in den im vergangenen Jahr restaurierten Konzertsaal.
Als "Diamant der Klavierszene" wird Marina Baranova bezeichnet. Rein äußerlich bot die 1981 in der Ukraine geborene Pianistin einen bezaubernden Anblick. In einem violetten und mit Pailletten besetzten Abendkleid saß Baranova am Flügel, während der tiefverschneite Kurpark eine stimmungsvolle Hintergrundkulisse bot.
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Bereits zum zweiten Mal gastierte die Pianistin Marina Baranova in der Wandelhalle. In der Konzertreihe "Weltklassik am Klavier" spielte sie eine Hommage an Clara und Robert Schumann. Bild: Wilhelm Friedemann
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Hört man Marina Baranovas Klavierspiel, so ist sie bereits ein wunderbar geschliffener Diamant mit vielen Facetten. Dies wurde zu Beginn des Konzertes, das mit Robert Schumanns Klaviersonate Nr. 1 in fis-Moll op. 11 begann, offenbar. Mit kraftvollen Akkorden endete die Durchführung des ersten Satzes, und leise pulsierend schwang die Coda aus. Im gleichen Gestus schloss die Aria an. "Ohne Leidenschaft aber ausdrucksstark" schreibt Schumann vor. Eine Anweisung, der man nur schwer gerecht werden kann.
Das Scherzo hätte etwas weniger brav sein können. Allerdings konnte Marina Baranova im Finale mit einer schlüssigen Interpretation überzeugen. Technische Probleme bei den kraftvollen Akkordfolgen, der Pseudopolyphonie und dem häufigen Übergreifen der linken Hand schienen Baranova fremd zu sein. Stattdessen stürzte sie sich ins feurige Ende der Sonate.
Im zweiten Konzertteil überraschte die Pianistin mit einem Variationssatz von Clara Schumann. Das ruhige, melancholische Thema mit seiner signalartigen Tonwiederholung, das aus der Feder ihres Mannes Robert stammte, war in jeder der Variationen stets gut und in Gänze heraushörbar. Etüdenhaft ließ Clara Schumann die Melodie mit immer neuen, meist charakterlich konträren Figuren umspielen.
Am Ende des Konzertes standen die "Sinfonischen Etüden" op. 13 von Robert Schumann. Eine Folge von Variationen über ein Thema von Ignaz Ferdinand Freiherr von Fricken, dem Vater der früheren Verlobten von Robert Schumann, Ernestine von Fricken.
Farbenreich interpretierte Marina Baranova das Thema mit seinen zwölf Variationen. Schnelle Tempi herrschten vor, die Baranova im schumannschen Sinne umsetzte. Besonders gelungen war außerdem die zweite der mit Andante überschrieben Etüden.
Passend zur fünften Jahreszeit gab es als erste Zugabe eine Romanze aus Schumanns "Faschingschwank in Wien" op. 26 und außerdem eine Scarlatti-Sonate.
Quelle: Wilhelm Friedemann, 15. Februar 2010, Westfalenblatt
Weltklassik: Marina Baranova
LAHR/OFFENBURG (rob). Man darf es ruhig noch einmal sagen: Die Reihe "Weltklassik am Klavier" - jeweils am ersten Wochenende des Monats, Samstags in Lahr im Pflugsaal , Sonntags in Offenburg im Salmen - ist ein Glücksfall für die Region. In Offenburg ergänzt sie die kammermusikalischen Oberrheinkonzerte, in Lahr hat sich durch sie nach Jahren des Scheiterns dank "Weltklassik"-Macherin Kathrin Haarstick in Zusammenarbeit zunächst mit der Städtischen Musikschule und nun mit dem Kulturamt eine funktionierende, dauerhafte und in der Qualität verlässliche Kammermusikreihe etabliert, als sinnvolle Ergänzung zu den regelmäßigen Sinfoniekonzerten in der Stadthalle.
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Marina Baranova
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Die ukrainische Virtuosin Marina Baranova bestritt die beiden Konzerte am Wochenende in Lahr und Offenburg, anlässlich des Schumann-Jubiläums - der 200. Geburtstag - mit zwei Werken Schumanns, der Sonate Numero 1 in fis-moll, opus 11, und den Sinfonischen Etüden, opus 13. Die Sonate widmete er dem damals 15jährigen Klavier-Wunderkind Clara Wieck, in das der zehn Jahre ältere Komponist leidenschaftlich verliebt war. Es ist ein überschäumendes Werk mit machtvoll drängenden Gefühlen. Eine sehnsuchtsvolle Melodie steht am Anfang, immer aufstrebend zum Olymp, dort angekommen wendet sie sich in Zärtliche, selige Seufzer produzierend. Abrupt wechselt diese Introduktion in ein Allegro, mit wuchtigem Tata-Tam. Die Baranova verwandelt das rasch in Grandezza, diese in drängende Seelenpein, diese in zärtliches Gedenken und schließlich kippt sie das ins Grüblerische, Zagende. Nach 20 Takten ist der komplette Kreis der Emotionen abgeschritten und beginnt wieder von vorn. Die Baranova bringt es fertig, Schumanns forsches Schreiten schwärmerisch-ungestüm und nicht nassforsch oder gar militärisch wirken zu lassen, grummelnde Figuren in der Basshand erklingen bei ihr als bange Ungeduld, darüber leuchtet schon ein neues Thema auf. Es wird zum Strahlen - und wieder geht es mit frischer Hoffnung olympwärts. Es ist eine Musik, die fließt wie von sich selbst hingerissen, ein Taumel der Empfindungen, in den die Pianistin mit ihrem Ausdrucksreichtum, ihrem Gespür für die Nuance wie für den krafvollen Moment das Publikum mitreißt.
Wunderbar auch Satz zwei, schwelgerisch-sanglich, mit einem Bassmotiv wie ein Fels, das wächst und dann doch von der Zärtlichkeit überwunden wird. Meisterlich ist das Scherzo, das eine schwärmerische Melodie humorvoll karikiert - keckes Hüpfen über einer schrägen Basslinie - und dennoch Anmut behält. Die Sinfonischen Etüden jagen ein Thema aus dunklen Pathos-Akkorden durch unterschiedliche Tempi und Ausdrucksarten, wobei orchestrale Momente entstehen, eine Musik voller Überschwang, rauschhaft, und eine virtuose Höchstleistung. Zur Einstimmung gab es Variationen von Clara Schumann-Wieck über eine zarte Mondlicht-Melodie ihres Gatten, erst sanft wellend, dann mit hämmernden Triolen in den Bässen, dann schwärmerisch-verführerisch, fein im Anschlag, oder sich in machtvollen Kaskaden ergießend: Musik, in der sich trefflich Gefühle baden lassen. Am 6. und 7. März: Artur Pacewicz, Cello, und Mateusz Kwiatkowsky, Klavier, mit Chopin und Schumann. Info: www.weltklassik.de.
Quelle: Badische Zeitung, Robert Ullmann
Viel Farbe im virtuosen Spiel
OFFENBURG (ges). Sie traten in schwarz-weißen Kleidern auf, brachten jedoch enorm viel Farbe in ihr Spiel: Zum letzten Mal im Jahr 2009 gab es "Weltklassik am Klavier" am Silvesterabend im Offenburger Salmensaal, und rund 150 Besucher wollten sich das südamerikanische Duo mit Laura Pauna und Cara Hesse nicht entgehen lassen. Eine gute Entscheidung, denn die beiden Pianistinnen überzeugten mit einem glasklaren und präzisen Spiel, das in all seinem Abwechslungsreichtum die vielen Facetten der zu Ende gegangenen 365 Tage widerspiegelte.
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Laura Pauna und Cara Hesse
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Im Zentrum stand Schubert. Und damit zugleich das enorme Spektrum des Wieners, dessen Fantasie in f-Moll aus seinem Todesjahr 1828 einen ausgesprochen bewegenden Höhepunkt bildete: Diese tragisch gestimmte Komposition verbreitete fürwahr eine düstere Stimmung im Saal, der aus Akustikgründen mit schweren schwarzen Vorhängen an den beiden Seitenwänden bestückt war. Hartnäckigkeit und zugleich fatalistische Starre schlossen sich an, ehe eine Art Liebesduett für den Kontrapunkt sorgte. Doch übermächtige Gewalten bildeten den Schluss, der einem Schicksalsspruch vergleichbar das Ende markierte. Kontrastierend dazu im ersten Teil die beiden "marches characteristiques", die als Tribut des Künstlers an eine kriegerische Zeit zu lesen sind.
Der Nachklang der Napoleonischen Kriege wird hörbar, ein irre hämmernder, wuchtiger, unruhiger Ton wird angeschlagen, der die Frage nach der Zukunft aufwirft. Was kündigt sich da an? Was wird werden? Zwischendrin lyrische Ahnungen, die aber nur wenig Platz beanspruchen dürfen. Immer wieder setzt sich dieser eindrucksvolle Grundcharakter durch, dieses Tastenstaccato, das es an Strenge und Disziplin in sich hat. Zackig, eng, militärisch – dass Schubert ein Pazifist war, lässt sich durchaus erahnen. Von Verherrlichung keine Spur. Das Bedrohliche dominiert.
Den Schluss bildet Ravels "Spanische Rhapsodie", und wer mit der Biografie des Franzosen ein wenig vertraut ist, weiß um die enge Beziehung zwischen dem Impressionisten und seiner Mutter, die aus dem Baskenland stammt. Ein idealisiertes Spanien wird hier geschaffen, das zugleich subtil authentisch wirkt – Ravel hatte den Hispanismus eben im Blut.
Ganz anders die slawischen Tänze von Dvorak, die wahrlich eine Aufforderung zum Tanz intonierten, wenn man es denn so richtig schwungvoll mag. Die rasanten Drehungen wurden förmlich spürbar, ehe das Tempo ein bisschen herausgenommen wurde, um wenige Takte später eine dynamische Steigerung darzubieten.
Mit Lieblichkeit und kernigem Zugriff zugleich nahmen sich die Interpretinnen Mozarts Sonate in C-Dur (KV 521) an, die alles vorgab, was sich im Laufe des frühen Abends entfaltete: einen energischen Zugriff, ein vollkommen aufeinander abgestimmtes Miteinander, ein behutsam differenziertes Dynamikspiel. Viel, sehr viel Beifall für die sympathischen Frauen, die mit ihrem perlenden, munteren und lebensbejahenden Spiel für bleibende Erinnerung an das alte Jahr sorgten.
Quelle: Badische Zeitung vom 20. Januar - von Gertrud Siefke
Betörend und mit Wucht"Weltklassik am Klavier": Simon Hwang springt für Maria Mazo ein
Im Rahmen der Reihe "Weltklassik am Klavier" begrüßte am Sonntag Mitorganisator Artur Pacewicz in der Burg Holtzbrinck einen anderen Musiker als ursprünglich angekündigt. Pianistin Maria Mazo hatte sich zwei Tage vor dem Auftritt an der Hand verletzt.
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Sunghoon Simon Hwang
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Kurzfristig konnte jedoch mit Sunghoon Simon Hwang ein ebenso herausragender Künstler für den Abend gewonnen werden. Sowohl in Europa als auch in Asien gastierte Hwang bereits mit zahlreichen namhaften Orchestern und gewann mehr als 30 Preise bei renommierten internationalen Wettbewerben.
Auf dem Programm unter dem Motto "Romantik pur!" standen Werke von Schumann, Debussy, Mendelssohn-Bartholdy sowie Chopin. Zwei imposante Kompositionen von Robert Schumann eröffneten den herausragenden Klavierabend. Im von Leidenschaft geprägten, rasant-virtuos beginnenden ersten Satz der im Jahr 1835 entstandenen Sonate Nr. 2, "So rasch wie möglich", wob Hwang einen ebenso filigranen wie betörenden Klangteppich, während er im nachfolgenden "Andantino" den romantischen Träumereien Schumanns durch gefühlvoll gesetzte Akzente eine ungeahnte Intensität verlieh. Dem entgegengesetzt wirkte die burleske Sprunghaftigkeit des "Scherzo", die der Interpret mit Kraft und Vitalität umsetzte, um sich im abschließenden "Rondo", welches vom Komponisten erst drei Jahre nach der Entstehung der ersten drei Teile auf Vorschlag Clara Schumanns angefügt wurde, zum kraftvollen Höhepunkt hin zu steigern. Die Tatsache, dass dieser Satz von vielen Musikkennern nicht als wirklich gelungener Abschluss des Werkes gesehen wird und auch von Schumann selbst als "sehr simpel" beurteilt wurde, überspielte Simon Hang mit spielerischer Wucht.
In eine ganz andere Richtung gehen die im Anschluss zu Gehör gebrachten, bereits im Jahr 1830 entstandenen "Abegg-Variationen", die Schumann der Phantasiefigur "Comtesse D'Abegg" widmete und die auf der Notenfolge "A-B-E-G-G" aufbauen. Das romantisch-perlende, von Hwang spritzig und vital interpretierte Thema wird im ersten Satz vorgegeben und nachfolgend in drei Variationen präsentiert.
Den Zuhörern servierte Simon Hwang als Zugaben noch die "Sonate in E-Dur" von Domenico Scarlatti sowie eine Etüde von Chopin.
Quelle: von Björn Othlinghaus, Altenaer Kreisblatt, 19.01.2010
WELTSTARS VON MORGEN
Was in Braunschweig, Bad Oeynhausen oder Münster bereits Begeisterung in ausverkauften Sälen ausgelöst hat, soll nun auch in Bremen für Furore sorgen: Eine kleine, aber feine Reihe von Klavierkonzerten, die künftig jeweils am letzten Sonntag eines Monats um 17 Uhr in der DKVResidenz in der Contrescarpe stattfinden wird. „Weltklassik am Klavier!“ lautet der Titel, was – so Christian Weiss von der DKV-Residenz – „zweifellos ein sehr ambitioniertes Motto“ sei. „Doch angesichts der erstklassigen Pianisten, die diese Reihe gestalten werden, sehen wir der Premiere zuversichtlich und mit großer Freude entgegen.“
Den Auftakt unter der Überschrift „Weltklassik am Klavier – con variazioni!“ macht am 31. Januar die amerikanische Pianistin Claire Huangci, die bereits vor Bill Clinton im Weißen Haus und bei den Olympischen Spielen 2008 in China konzertiert hat. Auf dem Programm stehen unter anderem die Goldberg-Variationen von Bach, die c-Moll- Variationen von Beethoven sowie zwölf symphonische Etüden von Schumann.
Die 1990 in Rochester/New York geborene Pianistin gilt als erklärtes Ausnahmetalent und gewann unter anderem 2006 den ersten Preis des 57. Internationalen Kosciuszko Chopin Klavier Wettbewerbs in New York. „Claire Huangci steht beispielhaft für die künstlerische Qualität, die alle unsere Konzerte prägt“, versichert Kathrin Haarstick, die „Weltklassik am Klavier“ innerhalb weniger Jahre zu einer mittlerweile renommierten Veranstaltungsserie entwickelt hat.
Dabei war der Anfang eher bescheiden ausgefallen. Fünf Jahre lang testete Kathrin Haarstick „Weltklassik am Klavier!“ in einer historisch restaurierten Scheune in dem 600-Seelen-Dorf Rysum an der Nordsee. Als die Besucherzahlen kontinuierlich anstiegen, wurde das Konzept auf einen zweiten Standort übertragen, nämlich nach Lahr im Schwarzwald. Weitere Städte folgten, und mittlerweile gibt es „Weltklassik am Klavier!“ in 21 Orten in Deutschland mit etwa 250 Konzerten pro Jahr.
In jeder dieser Städte wurde ein passender Standort gefunden: Ein Raum mit Atmosphäre und Flügel in einem alten Rathaus, einer Wandelhalle oder in einem exklusiv eingerichteten Gebäude wie der Bremer DKV-Residenz. Zum Erfolg der Konzertserie tragen laut Kathrin Haarstick zudem die moderaten, „familienfreundlich“ gestalteten Eintrittspreise bei. So kosten die Karten für Erwachsene um 15 Euro, während Kinder bis 12 Jahren sogar freien Eintritt haben. Auch hinsichtlich des Beginns der Konzerte (immer um 17 Uhr) orientiert sich die Organisatorin an den Bedürfnissen von Familien und von älteren Menschen, die „abends oftmals nur noch ungern aus dem Haus gehen.“
Doch mögen auch die Rahmenbedingungen noch so bemerkenswert gut sein – der Erfolg einer solchen Konzertreihe steht und fällt natürlich mit der musikalischen Qualität. „Weltklassik am Klavier!“ hat auch in dieser Hinsicht außergewöhnliches zu bieten: Die Pianisten sind allesamt auf dem Weg in die Weltspitze. Sie haben oft schon mehrere der weltweit renommierten Klavierwettbewerbe gewonnen und auf namhaften Bühnen konzertiert. So auch Cara Hesse und Laura Pauna, ein vielversprechendes Klavier-Duo aus Süd-afrika, das am 28. März in Bremen erwartet wird.
Insgesamt gesehen also viele gute Gründe, um eine neue Konzertserie an der Weser zu etablieren, urteilt Christian Weiss von der DKV-Residenz. „Unser Haus ist seit seiner Eröffnung 2004 der Kunst und Kultur verpflichtet“, erklärt er und verweist auf die seither über 150 kulturellen Veranstaltungen von der Ausstellung bis zum Gesprächsforum, die mittlerweile an der Contrescarpe stattgefunden haben. „Weltklassik am Klavier!“ stelle daher eine willkommene Ergänzung des Programmangebots auch für die Bewohner des Hauses dar.
„Weltklassik am Klavier – con variazioni!“ am 31. Januar, 17 Uhr, mit Claire Huangci im Konzertsaal der DKV-Residenz in der Contrescarpe, Am Wandrahm 40-43. Reservierungen unter 0175 - 16 16 779 oder Haarstick@aol.com oder www.weltklassik.de.
Quelle: Peter Schulz, Redaktionsleiter des Kulturjournals FOYER / Bremen, Januar 2010
Konzert in Offenburg / Badische Zeitung, 09.01.2010
OFFENBURG (ges). Was für ein genussvoller Einstieg ins Chopin-Jahr: Die erste "Weltklassik am Klavier" des Jahres 2010 im Offenburger Salmensaal stand ganz im Zeichen des polnischen Komponisten und Tastenvirtuosen, dessen 200. Geburtstag heuer gefeiert wird.
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Aleksandra Mikulska
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Und wer wäre prädestinierter, ein geschmackvolles Geschenk darzubieten, als Chopins Landsfrau Aleksandra Mikulska? Die 28-jährige Pianistin bot ein würziges Chopin-pur-Programm, bei dessen Zusammenstellung die Werke mit originär polnischen Wurzeln im Mittelpunkt standen.
Bereits im März 2009 vermochte die sympathische Musikerin ihr Ortenauer Publikum zu begeistern. Trat sie damals in Ettenheim auf und weihte den neu erworbenen Förster-Flügel mit Werken von Beethoven, Szymanowski, Haydn und eben Chopin ein, drehte sich am Sonntag alles um den charmanten Wahlfranzosen. Die gebürtige Warschauerin hatte es diesmal mit einem Boesendorfer Flügel zu tun, der klanglich ihrem ausgesprochen feinfühligen und ausdifferenzierten Spiel entgegenkam.
Mit dem Scherzo in h-Moll, dem Walzer Opus 34, Polonaisen und Marzurken wurde gehobene Hausmannskost serviert, die durchaus auch Gourmets als Festtagsschmaus in Erinnerung bleiben dürfte. Um es vorwegzunehmen: Es hat gemundet. Drei große Polonaisen standen im Mittelpunkt, bei deren Interpretation die schöne Polin mit perlender Passagenbrillanz zu glänzen vermochte. Am bekanntesten dürfte die As-Dur-Variante sein, deren sieghaften Glanz Aleksandra Mikulska unterstrich, wobei sie die Kunst beherrschte, trotz der geradezu überbordenden Fülle den Überblick zu wahren und immer noch eine gewisse Durchsichtigkeit und Klarheit zu gewährleisten. Ein retardierendes Moment ermöglichte es der fast schon zerbrechlich wirkenden Melodie, sich ihr Recht zu nehmen, ehe die verkürzte Reprise im schmetternden Trompetenschall mündet.
Hochkonzentriert ging Aleksandra Mikulska zur Sache. An ihrem Gesicht war abzulesen, wie sehr sie sich auf die stilisierten und poetischen Tänze einließ. Die Augenbrauen leicht zusammengezogen, die Stirn gekräuselt: Jeder Ton hatte seine Berechtigung und wurde behutsam gesetzt, in geradezu andächtiger Spielweise widmete sich die Virtuosin den Stücken und deutete deren folkloristische Urformen an, um sie zugleich vom Tanzboden zu lösen und in zartere Gefilde zu versetzen. Während die Polonaise ja schon vor Chopin in einer langen Tradition steht, war die Mazurka Anfang des 19. Jahrhunderts eine recht neue Gattung der Klaviermusik, die sich aber schnell in ganz Europa etablierte. Zum Tanzen sind Chopins Kompositionen meist zu schnell.
Gedacht ist hier vielmehr an den virtuosen Vortrag. Auch zu den Walzern lassen sich kaum Runden auf dem Parkett drehen. Chopin komponierte sie für den Salon - und Aleksandra Mikulska sorgte mit ihrer Interpretation für eine delikate Stimmung im Salmensaal. Viel Beifall für eine besonders innige und glaubwürdige Aneignung.
Quelle: 09.01.2010 - Gertrud Siefke - Badische Zeitung
Konzert-Reihe von Rysum aus auf Erfolgskurs
Rysum - Zunächst waren sie ein Geheimtipp, die kleinen, Klavierkonzerte in Rysum. Fünf Jahre lang hat Kathrin Haarstick die monatliche Konzertreihe ?Weltklassik am Klavier? im Fuhrmannshof getestet. Kontinuierlich hätten sich die Besucherzahlen erhöht, teilt sie mit. Das blieb nicht ohne Folgen: Von Rysum aus hat sich die Idee ausgebreitet. Inzwischen gibt es die Reihe an 20 Orten mit jährlich rund 250 Konzerten in Deutschland.
„Weltklassik am Klavier!“ habe sich inzwischen in Lahr im Schwarzwald, Stadtoldendorf, Oldenburg, Hildesheim, Esslingen, Offenburg, Gehrden, Braunschweig, Bad Rehburg, Offenburg, Altena, Remscheid, Bad Oeynhausen, Münster, Greetsiel, Soest, Wuppertal, Birkenfeld und Papenburg etabliert, so die Rysumerin. „In jedem dieser Orte wurde ein schöner Standort, ein Raum mit Atmosphäre und Flügel gefunden.“ Und eine der monatlichen Konzertreihen ziehe die nächste nach sich. Gäste wollten so etwas auch bei sich zu Hause haben.
Der Erfolg setze sich aus mehreren Bausteinen zusammen, verrät Haarstick. Der erste: familienfreundliche Eintrittspreise. Die Konzertkarten seien für rund 15 Euro erhältlich. Kinder bis zwölf Jahre zahlen nichts. Auch die Zeiten seien familienfreundlich, so die Konzertveranstalterin aus Rysum. „Weltklassik am Klavier!“ ist sonnabends oder sonntags um 17 Uhr. „Das ist eine Zeit, zu der man Kinder durchaus mitnehmen kann.“ Noch nie hätten sie bei einem der Konzerte gestört.
Baustein drei ist nach Angaben Haarsticks die Nähe. Um zu einem hochwertigen klassischen Konzert zu kommen, müsse man nicht nach Salzburg oder Berlin fahren. „Wenn „Weltklassik am Klavier!“ im klitzekleinen Rysum erfolgreich sein kann, dann gibt es noch unzählige weitere Veranstaltungsorte in ländlichen Gebieten für diese Reihe“, wirft sie einen Blick in die Zukunft.
Ein weiterer Aspekt für den Erfolg: die Qualität. „Die Pianisten sind Nachwuchsstars aus allen Ländern der Welt und auf dem Weg in die Weltspitze.“ Baustein fünf: das Programm. Haarstick: „Bekannte Werke berühmter Komponisten aus Barock, Klassik und Romantik stehen im Vordergrund.“
Auch die persönliche Note, die schlanke Organisation und die Finanzierung, die ausschließlich über die Einnahmen erfolge, trügen zum Erfolg bei, erklärt Haarstick. Nicht zuletzt werde der durch den kulturellen Beitrag getragen. „Aufstrebenden Pianisten werden Spielmöglichkeiten geschaffen, das Kulturgut bedeutender Komponisten wird erhalten, hochwertige Musik auch in ländlichere Regionen gebracht und Kindern, Jugendlichen und Familien der Zugang zu klassischer Musikkultur ermöglicht.“
Alles zusammen habe dazu geführt, dass „Weltklassik am Klavier!“ in der Anzahl der Konzerte inzwischen der größte Veranstalter von Klavierkonzerten in Deutschland sei.
Quelle: 05.01.2010 - Ostfriesenzeitung - von Heiko Müller
Zwischen extremen Positionen
ESSLINGEN:
Mimi Jue Wang bei der Konzertreihe „Weltklassik am Klavier“ - Der Höhepunkt steht am Anfang des Konzerts
Mit einem reinen Beethoven-Programm begann das neue Jahr bei der Konzertreihe „Weltklassik am Klavier“. Im Esslinger Alten Rathaus gastierte die chinesische Pianistin Mimi Jue Wang. Beethoven als Vollender der Klassik und als Wegbereiter der Romantik: Zwischen diesen beiden Polen bewegte sich die 23-jährige chinesische Pianistin Mimi Jue Wang bei ihrem Konzert in Esslingen.„Hommage à Beethoven“ hatte sie ihren Auftritt im ausverkauften Saal des Alten Rathauses überschrieben und präsentierte dabei drei Klaviersonaten aus unterschiedlichen Schaffensperioden Ludwig van Beethovens.
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Mimi Jue Wang
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Interessanterweise stand gerade die früheste Sonate am Ende des Programms. Die Komposition in F-Dur aus opus 10 ist in ihrer äußeren Erscheinung und der Themengestaltung noch sehr dem Denken des 18. Jahrhunderts verpflichtet. Und genau diese klassizistischen Formeln realisiert Mimi Jue Wang sehr überzeugend. Ihr Anschlag ist sehr direkt, klar, bisweilen kühl und insgesamt Diskant-lastig. Dem Frühwerk Beethovens kommt das entgegen, betont es doch die Melodien in Sopran-Lage, während gleichzeitig die typisch figurierten Begleitungen der linken Hand im Hintergrund bleiben und doch durchhörbar sind. Doch was hier beeindruckt, verstellt in den späteren Sonaten den Blick auf die Klangwelten des Komponisten.
Natürlich beherrscht die in China und Hannover ausgebildete Pianistin auch bei der 1814 entstandenen Sonate e-moll op. 90 das brillante Laufwerk, die virtuosen Passagen und die vollgriffigen Akkorde, die sie bisweilen allzu markant attackiert. Doch den von Beethoven gleichzeitig geforderten empfindsamen Ausdruck vermisst man, vor allem im gesanglich konzipierten zweiten Satz. Die romantisierende Harmonik, das Aufblühen der weit gefassten Melodien, das bewusste Verschmelzen von Thema und Begleitung wirkt häufig oberflächlich.
Ähnliches galt für die Sonate As-Dur op. 110 aus Beethovens letzter Schaffensphase. Wo Beethoven in den flinken Passagen eine leichte Tongebung intendiert, wählt Mimi Jue Wang den Weg der eher hart klingenden Brillanz, setzt schon im ersten Satz auf ein allzu schnelles Tempo, in dem dann auch mal die Bass-Figuren verschwimmen. Angebrachter ist diese Musizierweise im schnellen zweiten Satz mit seiner eher simplen akkordischen Anlage und der klaren Dominanz der Diskant-Melodien.
Und auch der Schluss-Fuge wird Mimi Jue Wang mit dieser Spielweise gerecht, weil sie einerseits transparent musiziert, andererseits das Thema plastisch formt und damit den Hörern deutlich macht. Doch mit den rezitativischen Momenten und dem Klagegesang des Adagio-Satzes weiß sie wenig anzufangen, findet kaum zu differenzierter Tongestaltung oder zu einer überzeugenden Phrasierung der Arioso-Melodie.Und somit stand der eigentliche Höhepunkt des Konzerts bereits am Anfang des Programms. Denn Beethovens Variationen c-Moll WoO 80 sind wie geschaffen für die flinken Hände der jungen Chinesin. Da darf sie nach Herzenslust brillieren, Akkorde auch mal direkt attackieren und muss keine romantischen Verschmelzungen und Entwicklungen berücksichtigen.
Quelle: 05.01.2010 © Eßlinger Zeitung - Von Markus Dippold
100 000 Volt und viel Gefühl
LAHR. Beethoven ist auf dem Programm des ersten "Weltklassik am Klavier"-Konzert des neuen Jahres gestanden. Das war eine gute Wahl. Und die junge Pianistin Mimi Jue Wang meisterte diese Aufgabe hervorragend.
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Voller Einsatz: Mimi Jue Wang beim Konzert in Lahr. | Foto: Wolfgang Künstle
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Der Kontrast stach sofort ins Auge und ins Ohr: Da betrat eine überaus zierliche junge Frau die Bühne des Lahrer Pflugsaals; doch kaum hatte sie ihre Position auf dem schmalen Klavierhocker eingenommen und ihre Finger auf die Tasten des schwarzen Flügels gelegt, entfaltete sie eine irre Wucht, löste gerade zu ein Nachsilvesterfeuerwerk aus, das es wahrlich in sich hatte.
Dass die junge Chinesin Mimi Jue Wang auch anders kann, bewies sie stets an angemessener Stelle. Denn schließlich besteht auch eine Hommage á Beethoven nicht ausschließlich aus Kraft und Energie geladener Klavierpower. Auch der gebürtige Bonner konnte anders – und die 23-jährige Pianistin aus dem Reich der Mitte tat es ihm gleich. Über die Jahrhunderte hinweg schienen sich der Komponist und die Interpretin aufs Trefflichste zu verstehen. Dass Mimi Jue Wang ohne Notenmaterial auskam und oft mit geschlossenen Augen ihr Werk vollbrachte, tat ein Übriges.
MIT LEBHAFTIGKEIT UND DURCHAUS MIT EMPFINDUNG UND AUSDRUCK
Im ersten "Weltklassik am Klavier"-Konzert des Jahres 2010 also Beethoven pur. Langweilig wurde es nie. Da war die Jugendsonate Nr. 6 in F-Dur Nr. 2, die mit vertrauten Sätzen daherkam und von Mimi Jue Wang in ebenfalls jugendlicher Manier angepackt wurde. Ob das Allegro in F-Dur, das Allegretto in f-Moll oder das Presto in F-Dur – alle drei Sätze gelangen der Schülerin von Bernd Goetzke an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover aufs Angenehmste und wurden mit entsprechend viel Beifall bedacht.
Zuvor die Sonate Nr. 27 in e-Moll aus einer ganz anderen Zeit, besprengt gewissermaßen mit den Schweißperlen aus den so genannten Befreiungskriegen gegen Napoleon: Beethoven wählte deutsche Satzbezeichnungen, die nicht nur das Tempo vorgeben sollten, sondern zugleich auch Spielanweisungen diktierten: "Mit Lebhaftigkeit und durchaus mit Empfindung und Ausdruck" – Mimi Jue Wang entsprach den Vorgaben, ohne dass der Eindruck entstand, hier habe sich jemand gebeugt. Auch im ersten Teil gab es eine Sonate, diesmal jene in As-Dur Nr. 31 mit ihrem ruhigen Beginn und lyrischen Fortgang, vorgetragen mit einem verklärten Lächeln. Diesem Beethoven hat die junge Tastenvirtuosin ihr Spiel anvertraut: Auf temperamentvolle Ausbrüche folgten konzentrierte Reflexionen, auf kraftvollen Einsatz behutsame Momente des Innehaltens.
Wie authentisch und glaubwürdig diese Hommage daherkam, wurde bereits mit dem ersten Werk deutlich, den 32 Variationen über ein eigenes Thema, das der 36-jährige Beethoven sich ausgedacht hatte. Mit sehr lebhaften und ausholenden Armbewegungen, einem sich elegant windenden Schwan gleich, nahm sich die Interpretin dieser ausgesprochen kurzweiligen Komposition an, die an Erfindungsreichtum nichts zu wünschen übrig ließ.
Auf den gewaltvollen Einsatz, der zusammenzucken ließ, folgten geheimnisvolle Entführungen, vor sich hin perlende Versatzstücke und furiose Tastenritte, die Mimi Jue Wang ohne Absturz bravourös abschloss. Viel Beifall.
Quelle: Badische Zeitung, 04.01.2010 / Gertrude Siefke
Das Diabolische im Walzerchen des Herrn Diabelli
Konzert Lin Chen wird Beethovens 33 berühmten Variationen in frappierend vielen Teilen gerecht
Oldenburg Wenn im Puppentheater der gerechte Kasperle alle einfältigen Figuren mit seiner Klatsche durchwalkt, hat kein Lump etwas zu lachen: "Ihr Lotterbuben, euch werde ich es zeigen!" Wenn im Konzert die Chinesin Lin Chen das Thema der Diabelli-Variationen von Beethoven in ihre Pianistinnenfinger bekommt, dann wird das für den läppischen Walzer auch nicht lustig: "Du lausiges Melodiechen, du klappriger Rhythmus, euch werde ich es zeigen!" Das macht sie dann auch in der monatlichen Reihe "Weltklassik am Klavier" im PFL. Und wie!
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Lin Chen
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Fast im Vorbeigehen nimmt sie sich den Ein-Minuten-Walzer des Anton Diabelli vor, den er als Musikverleger an 50 "vaterländische" Komponisten verschickt hatte. Seine Marketing-Idee: Schreibt mir bitte jeder eine Variation. Das biedere Thema stampft unter ihren Händen, und wenn sie mit Links den Bass-Nachklapp hinterher schleudert, wird die Armseligkeit des Materials ohrenkundig. Doch dann kommen Beethoven - und Lin Chen, die in Hannover und Tianjin lebende Chinesin.
Tonsetzer von Ignaz Aßmayer über Friedrich August Kanne bis zu Charles de Winkhler schickten bis 1823 artig ihre Umspielungen. Beethoven hingegen entwarf gleich 33 diabolische Veränderungen und schuf das gewaltigste Variationswerk der Musikgeschichte. Das ist eine Dimension, der Lin Chen in frappierend vielen Teilen gerecht wird.
Sehr gradlinig steuert Lin Chen die schwelenden Konfliktherde an, zündet die Sprengsätze. Hei, da prasselt ein Trommelfeuer von Hammerschlägen etwa in der neunten und zehnten Variation herein. Perfekte Technik ist bei dieser Generation ohnehin kein Thema. Die aufheizenden Kontraste erhalten wie selbstverständlich Tiefe und Profil.
Ihr Sturm auf das mächtige Bauwerk mag aufrührerisch und robust sein, roh ist ihr Zugriff nie. Ihr persönliches Bekenntnis legt sie in der Schluss-Variation ab. Fein ziseliert breitet sie das Menuett aus. Aber es kündet auch davon, was im Leben alles an Querschlägen lauern kann.
Vor persönlichen Variationen ihres Spiels steht die Chinesin sicherlich noch. Da darf man gespannt die Ohren spitzen. Viel Empfindsamkeit gibt sie im ersten Teil des reinen Beethoven-Programms in der Fantasie op. 77 preis. Und durch die sechs Bagatellen op. 126 blitzt auch Humor. Das sind wahrlich eindrucksvolle Reserven.
Programm 2010 unter www.weltklassik.de
Quelle: Nordwest-Zeitung - Von Horst Hollmann - 30.12.2009
Eine Pianistin, die fließend deutsch und französisch spielt
Katharina Treutler spielte in "Weltklassik am Klavier"
(-ek) Wenn eine Musikerin unter dem Schlagwort "Anmut und Virtuosität" angekündigt wird, kommt beim Skeptiker Misstrauen auf: So eine Betonung der weiblichen Reize muss doch wohl von Defiziten auf der künstlerischen Ebene ablenken? Jedoch als Katharina Treutler am vergangenen Samstag im alten Rathaus von Stadtoldendorf zu spielen anfing, machte die Art ihres Auftritts unmissverständlich klar, dass es um die Musik und nicht um ihre Person gehen würde.
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Katharina Treutler (Foto: S. Jellinek)
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Katharina Treutler wurde in Deutschland geboren und ausgebildet, mit Diplomabschluss an der HMT Hannover. Anschließend studierte sie weiter, zunächst in Tokyo, seit 2006 am Conservatoire in Paris. Viele französische Klavierwerke seit Debussy fordern vom Pianisten eine völlig unterschiedliche Sensibilität als die Klaviermusik der deutsch-österreichischen Tradition. Debussy wollte weg von aus abstrakten Motiven konstruierter Musik, hin zu einer, die entsteht wenn Eindrücke, die "ein feines Ohr im Rhythmus der Welt wahrnimmt", in Klänge umgesetzt werden; Klänge die dann "vom Ohr des Hörers spontan aufgenommen werden können" . Weg also von einer Kunst nach rationalen Regeln und hin zu einer Kunst evokativer Klänge. In ihren Jahren am Pariser Conservatorium hat Katharina Treutler diese Auffassung verinnerlicht und die spezifische Spielweise, die sie erfordert, gelernt. Die erste Hälfte ihres Programms, mit einer Sonate von Joseph Haydn und Schuberts Wandererfantasie, war der zentraleuropäischen Tradition gewidmet, die zweite, mit Debussys 12 Préludes, 1. Band, dem französischen Stil.
Haydns Sonate c-moll Hob. 20 entstand 1771. Sie ist ein frühes Beispiel der klassischen mehrsätzigen Sonate, die ihre innere Einheit der Verwendung verwandter Motive in den charakterlich kontrastierenden Sätzen verdankt. Katharina Treutler spielte das Werk lebhaft nuanciert, doch zurückgenommen auf eine Weise, die den Klang eines Hammerklaviers aus Haydns Zeit suggerierte.
Steht Haydns Sonate am Anfang der Blütezeit klassischer Sonaten, so zeugt Schuberts ein halbes Jahrhundert später entstandene Wandererfantasie von deren Auflösung durch eine Tendenz zum Extremen. Alfred Brendel, der Schubert-Spezialist unter den Pianisten unserer Zeit, meint, dass sie "aus Schuberts Klavierschaffen insofern herausfällt, als hier zum ersten Mal […] eine unverhohlen virtuose Ausdrucksweise genutzt wird, vom ersten bis zum letzten Satz." Und auch: "Das Klavier wird so konsequent in ein Orchester verwandelt, wie dies bis dahin ohne Beispiel war." Die innere Einheit der vier Sätze wird hier ins Obsessive gesteigert durch die ständige Verwendung des Daktylus-Motivs ‚lang-kurz-kurz' in verschiedenen Abwandlungen, wie ein ständiges sich Aufbäumen gegen das Motto von Schuberts Lied "Der Wanderer": "Dort, wo du nicht bist, ist das Glück." Die zartgliedrige Pianistin brachte die Kraft und die technische Meisterschaft, die dieses Werk erfordert, anscheinend mühelos auf und löste damit beim Publikum, das diesmal den Saal des Alten Rathauses fast bist zum. letzten Platz füllte, begeistertem Applaus aus.
Es war gut, das nunmehr die Pause folgte, denn mit Debussys Préludes tauchten Künstlerin und Publikum in eine völlig andere Welt ein: Eine Welt, in der sich antike Statuen und Shakespeares Schalk Puck, der säuselnde Wind in der Ebene und der turbulente Westwind, die Klänge und Düfte einer lauen Sommernacht und Fußstapfen im Schnee, die Hügel von Anacapri und eine im Meer versunkene bretonische Kathedrale in Klang verwandelten. Hier schien es manchmal, als lausche die Pianistin ebenso still und konzentriert wie das Publikum den Klängen, die sie selbst hervorbrachte. Im beliebten, lyrischen "La fille aux cheveux de lin" kam der Gedanke auf, sie selbst sei dieses Mädchen mit dem flachsfarbenen Haar - und der, dass Jazzpianisten wie George Shearing und Bill Evans, bzw. ihre Arrangeure, viel von Debussys Harmonien gelernt haben. An anderen Stellen war große Virtuosität gefragt, oder ein abruptes Springen zwischen kontrastierenden Stimmungen, Aber immer strahlte Katharina Treutler eine fast meditative Ruhe aus. Sie durchbrach diese auch nicht mit der Zugabe, die nach anhaltendem Applaus spielte: sie wiederholte "La fille aux cheveux de lin", und das war gut so.
Als es vorbei war, sagte sie, die Wärme und Begeisterung des Publikums hätten ihr gut getan. Den Zuhörern waren diese Reaktionen spontan gekommen: Es war sehr fesselnd gewesen und schön.
Quelle: Dr. S. Jellinek im TAH - 15.12.2009
„Weltklassik am Klavier“ jetzt an 21 Orten
kultur Bremen ab Januar dabei – Expansion einer familienfreundlichen Konzertreihe
Rysum – Zunächst waren sie ein Geheimtipp, die kleinen, aber feinen Klavierkonzerte in Rysum an der Nordsee. Fünf Jahre lang testete Kathrin Haarstick die monatliche Konzertreihe „Weltklassik am Klavier“ in einer historisch restaurierten Gulfhofscheune in dem 600-Seelen-Dorf Rysum kurz hinter dem Deich.
Nachdem sich die Besucherzahlen kontinuierlich erhöhten, begann die Expansion zum zweiten Standort vor drei Jahren: In Lahr im Schwarzwald gibt es die „Weltklassik am Klavier“ seit 2006. Seither folgten Stadtoldendorf, Oldenburg, Hildesheim, Esslingen, Offenburg, Gehrden, Braunschweig, Bad Rehburg, Altena, Remscheid, Bad Oeynhausen, Münster, Greetsiel, Soest, Wuppertal, Birkenfeld und Papenburg. Inzwischen gibt es „Weltklassik am Klavier“ in 20 Orten in Deutschland und rund 250 Konzerte pro Jahr. Als 21. Ort ist ab Januar Bremen dabei.
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Die Organisatorin Kathrin Haarstick im Fuhrmannshof in Rysum, der „Weltzentrale“ von „Weltklassik am Klavier“, von wo aus sie inzwischen über 250 Konzerte in 21 Orten organisiert.
(EZ-Bild: Meyer/pr)
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In jedem dieser Orte wurde ein schöner Standort, das heißt ein Raum mit Atmosphäre und Flügel gefunden – zum Beispiel ein altes Rathaus, eineWandelhalle oder eine Burg. Überall etablierten sich die monatlichen Konzertreihen. Und eine Reihe zieht die nächste nach sich – Gäste aus der Ferne wollen „auch so eine schöne Konzertreihe“ bei sich zu Hause haben. Das Geheimnis? Es sind mehrere Bausteine, die „Weltklassik am Klavier“ zum Erfolg verhelfen:
Da sind zumeinen die familienfreundlichen Eintrittspreise: Konzertkarten in Köln oder Baden-Baden kosten etwa zwischen 50 und 250 Euro, in Bayreuth gar 1250 Euro. Welche Familie kann sich das leisten? Bei „Weltklassik am Klavier“ kosten die Karten für Erwachsene um 15 Euro – und Kinder bis zwölf Jahren haben immer freien Eintritt.
Familienfreundlich sind auch die Zeiten: Die Konzerte finden immer an einem bestimmten Tag im Monat (in Rysum zum Beispiel am letzten Sonnabend) um 17 Uhr statt – das ist eine Zeit, zu der man Kinder durchaus ins Konzert mitnehmen kann. Und der Abend bleibt für die Eltern noch zur Gestaltung offen. Viele ältere Besucher freuen sich auch darüber, dass sie „nicht mehr im Dunklen aus dem Haus“ müssen. Ein weiteres Plus sind die nahe gelegenen Orte: Um zu einem hochwertigen klassischen Konzert zu kommen, muss man nicht nach Salzburg oder Berlin fahren. Wenn „Weltklassik am Klavier“ erwiesenermaßen in einem klitzekleinen „Nest“ wie Rysum erfolgreich sein kann, dann gibt es noch unzählige weitere Veranstaltungsorte in ländlichen Gebieten für diese Reihe in Deutschland.
Exzellente Qualität Die musikalische Qualität ist exzellent: Die Pianisten sind Nachwuchsstars aus allen Ländern derWelt und auf demWeg in die Weltspitze. Sie haben oft sogar mehrere der weltweit renommierten Klavierwettbewerbe gewonnen und auf namhaften Bühnen konzertiert. Zwei weltweit führende Professoren für Soloklavier, Professor Bernd Goetzke und Professor Vladimir Krajnev, stehen als Schirmherren bei der Auswahl der besten Pianisten für „Weltklassik am Klavier!“ beratend zur Seite. Bei dem Konzertprogramm stehen bekannte Werke berühmter Komponisten aus Barock, Klassik und Romantik im Vordergrund wie Bach, Beethoven, Mozart, Schubert oder Chopin. Die Marktforschung hat erwiesen, dass zum Musikgenuss die Wiedersehensfreude gehört. Kinder, Jugendliche und Erwachsene zeigen besonders viel Freude an der Klassik, wenn Melodien wiedererkannt werden.
Wichtig ist auch die persönliche Note: Reservierungen nimmt die Organisatorin Kathrin Haarstick persönlich per Telefon unter 0175/1616779 oder per E-Mail entgegen, und individuelle Wünsche werden ernst genommen. Am Konzerteingang begrüßt der jeweilige Pate von „Weltklassik am Klavier“ die Gäste vor Ort persönlich mit Händedruck und verabschiedet sie später ebenso individuell. Bei der Antrittsrede werden Kinder oft besonders angesprochen. Übrigens haben seltsamerweise noch nie Kinder beim Konzert gestört. Die gesamte Organisation von „Weltklassik am Klavier“ – Programmgestaltung, Künstlerplanung, Einladungen, Presseinformationen und Sitzpläne – findet von einem Computer aus per E-Mail statt. Es gibt keine Verträge – und keine Subventionen. „Weltklassik am Klavier!“ finanziert sich ausschließlich über die Einnahmen der Konzerte Die Umsätze werden erwirtschaftet und aufgeteilt zwischen Pianisten, Paten und Veranstalter. Nicht zu unterschätzen ist auch der kulturelle Beitrag: Es werden Spielmöglichkeiten für aufstrebende Pianisten geschaffen. Außerdem wird das Kulturgut bedeutender Komponisten erhalten, hochwertige Musik in ländlichere Regionen gebracht und – Kindern, Jugendlichen und Familien der Zugang zu klassischer Musikkultur ermöglicht.
Weihnachtsgeschenk
Das Ergebnis ist eine Erfolgsstory: Inzwischen findet „Weltklassik am Klavier“ in 21 Orten in Deutschland statt, und die Anfragen von weiteren Orten mehren sich. „Weltklassik am Klavier“ ist mit rund 250 Konzerten im Jahr inzwischen der größte Veranstalter von Klavierkonzerten in Deutschland. Das schönste Ergebnis aber ist für Kathrin Haarstick die Freude in den Augen der Gäste während des Konzertes – gleich ob Jung oder Alt. Wer möchte, kann Eintrittskarten (mit und ohne Datum) auch zu Weihnachten verschenken. Nähere Informationen sowie das Programm fürs nächste Jahr gibt es im Internet unter www. weltklassik.de.
Quelle: Ostfriesischer Kurier - Freitag, 11. Dezember 2009
Interview mit Denys Proshayev
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Denys Proshayev
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Soest. "Wunderkind" ist ein Begriff, mit dem heute beinahe inflationär umgegangen wird. Die Karriere des jungen Pianisten Denys Proshayev ist weit entfernt von derartigen Klischeevorstellungen, und dennoch ist er auf dem besten Wege, sich einen Platz in den vorderen Reihen der großen Klaviervirtuosen zu erobern. Angeschoben wurde seine Karriere sicherlich durch den 1. Platz beim ARD-Musikwettbewerg im Jahr 2002. Am Sonntag, 13. Dezember, gastiert der Künstler im Rahmen der Reihe "Weltklassik am Klavier" in Soest. Ab 17 Uhr gibt er ein Konzert im Bürgerzentrum "Alter Schlachthof". Wochenblatt-Redakteurin Manuela Kübler-Schubert hatte vorher Gelegenheit, Denys Proshayev einige Fragen zu stellen.
Frage: Wie sind Sie zur Musik gekommen?
Denys Proshayev: Durch meine Mutter, die mich eines Tages zur Musikschule brachte.
Warum war es Ihrer Mutter wichtig, dass Sie die Musikschule besuchen?
Denys Proshayev: Meiner Mutter war es in erster Linie, vermute ich, daran gelegen, die Ausbildung ihres Sohnes so umfangreich wie möglich zu gestalten, dazu gehört selbsverständlich die Beschäftigung mit der Kunst, im meinem Falle war das die Musik.
Haben Sie direkt das Klavier für sich entdeckt?
Denys Proshayev: Wir wollten eigentlich mit Klavierunterricht anfangen. Aber da die Plätze für Klavier in dem Jahr schon alle belegt waren, wurde uns in der Musikschule Geigenuntericht angeboten. Da mir aber der Geigenlehrer etwas komisch vorkam, entschieden wir uns noch ein Jahr zu warten, um dann doch mit Klavier anzufangen. Zu dem Zeitpunkt war ich bereits neun Jahre alt. Dann hat mir der Unterricht aber sofort sehr gut gefallen. Vor allem, weil meine erste Lehrerin, Frau Kraisman, eine hervoragende Pianistin und Musikerin gewesen ist.
Kommen Sie aus einem musikalischen Elternhaus?
Denys Proshayev: Ich stamme aus einer Familie, wo die Musik zwar fester Bestandteil des Lebens war, doch nicht als Beruf ausgeübt wurde. Ausnahme war meine Tante, die als Geigenlehrerin tätig war.
Wann wussten Sie, dass Sie Berufsmusiker werden möchten?
Denys Proshayev: Mit dreizehn Jahren habe ich mich entschlossen, auf das Musikspezialgymnasium in Kiew zu gehen.
Sie haben für Ihr Klavierspiel schon viele Preise bekommen. Was bedeuten Ihnen diese Auszeichnungen?
Denys Proshayev: Die bedeuten in erster Linie Bestätigung eigener Leistung, im Falle von großen internationalen Wettbewerben, wie der von der ARD in München, ist eine Auszeichnung eine reale Chance, eine Konzertkariere zu beginnen und überhaupt Zugang zu bekannten Sälen und Orchestern zu bekommen.
In Soest gastieren Sie im Rahmen der Reihe "Weltklassik am Klavier" -- auf welches Programm dürfen sich die Zuschauer freuen? Was spielen Sie?
Denys Proshayev: In Soest spiele ich, wenn ich mich nicht irre, "Für Elise" und "Pathetique" Sonate von L. van Bethoven, Sonate von F. Schubert und "Davidsbündlertänze" von R. Schumann. In Soest spielen Sie Klassik. Was hören oder spielen Sie denn privat am liebsten?
Denys Proshayev: Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt hervoragende Kompositionen auch im Bereich Pop- und Rockmusik. Vor einiger Zeit habe ich eine faszinierende russische Sängerin namens Zemfira entdeckt. Große
Kunst ist überall möglich.
Was wünschen Sie sich für Ihre berufliche Zukunft?
Denys Proshayev: Das wichtigste ist für den Musiker, aus meiner Sicht, seinen eigenen Kunstidealen treu zu bleiben, sich nicht verstellen zu müssen und natürlich immer die Möglichkeit zu haben, sich dem Publikum zu präsentieren, von dieser Interaktion lebt ja bekanntlich die Kunst. Wir haben zur Zeit viel zu wenige unter den Kulturschaffenden (vor allem unter denen, die sich als große Stars präsentieren), die nicht von der Kunst/Musik sondern für die Kunst/Musik leben. Nur das kann auf Dauer die nachhaltigen kulturellen Traditionen bewahren und nicht der Versuch, um die "großen Massen" für klassische Musik zu werben, denn das endet fast immer in einem billigen, oberflächlichen Event und dahinter stehen meistens ungezügelte Geldgier und Inkompetenz.
Quelle: Manuela Kübler-Schubert, Soester Anzeiger
Die erfolgreiche Konzertreihe mit dem diskreten Charme
In nur drei Jahren expandierte die Reihe "Weltklassik am Klavier" auf 250 Konzerte pro Jahr an 20 verschiedenen Spielorten
OFFENBURG/LAHR. Den feinen Stallgeruch, wenn man das einmal salopp formulieren möchte, merkt man der Konzertreihe "Weltklassik am Klavier" an. Das liegt wesentlich an der Macherin im Hintergrund. Kathrin C. Haarstick stammt aus großbürgerlichem Haus, spielt selbst Klavier, hat als Managerin in der Industrie gearbeitet und weiß, wie man einen Erfolge drechselt. Nach eigenen Angaben ist "Weltklassik" mit rund 250 Konzerten pro Jahr inzwischen der größte Veranstalter von Klavierkonzerten in Deutschland.
Zunächst waren sie ein Geheimtipp, die Klavierkonzerte in Rysum an der Nordsee. Fünf Jahre lang testete Kathrin Haarstick die monatliche Konzertreihe "Weltklassik am Klavier!" - Kinder Eintritt frei - in ihrer eigenen, komfortabel restaurierten Scheune in dem 600-Seelen-Dorf kurz hinter dem Deich.
Nachdem sich die Besucherzahlen kontinuierlich erhöhten, begann 2006 die Expansion am zweiten Standort: Lahr. Wegen einer persönlichen Beziehung wählte Kathrin C. Haarstick die Stadt. Danach folgten bald Stadtoldendorf, Oldenburg, Hildesheim, Esslingen, Offenburg, Gehrden, Braunschweig, Bad Rehburg, Altena, Remscheid, Bad Oeynhausen, Münster, Greetsiel, Soest, Wuppertal, Birkenfeld, Papenburg... Inzwischen gibt es die Reihe an 20 Orten in Deutschland mit rund 250 Konzerte pro Jahr.
In jedem dieser Orte wurde ein Raum mit Atmosphäre gefunden - ein altes Rathaus, eine Wandelhalle oder eine Burg. Eine Reihe zieht die nächste nach sich - Gäste aus der Ferne wollen "auch so eine schöne Konzertreihe" bei sich zu Hause haben, heißt es in einer Pressemitteilung.
Das Geheimnis des Erfolgs sind familienfreundliche Eintrittspreise und der frühe Konzertbeginn um 17 Uhr, hervorragende Nachwuchspianstinnen und -pianisten, die das klassische Repertoire spielen und kaum einmal Ausflüge allzu weit ins 20. Jahrhundert wagen. Schließlich tragen sich die Konzerte wegen einer schlanken Organisationsstruktur und der Partner vor Ort selbst. Laut Veranstalterin kommen sie ohne Subventionen der öffentlichen Hand aus. In Lahr stieß die Reihe in die Lücke, die das städtische Kulturprogramm lässt, das keine klassische Kammermusik anbietet. In Offenburg, wo Kathrin Haarstick im Frühjahr 2008 ihren Ableger gründete, kam sie der städtischen Kammermusikreihe zuvor, die im Herbst 2008 in der neuen Oberrheinhalle etabliert wurde. Beide Reihen koexistieren aber bestens und zeichnen sich durch ein an ambitioniertes Hören gewohntes Fachpublikum aus. Oder wie sagte jene Besucherin, inspiriert von einem "Weltklassik-Konzert": "So jetzt gehe ich nach Hause und übe erst einmal zwei Stunden Klavier." BZ/Ralf Burgmaier
Nächstes Konzert: Katharina Treutler spielt Haydn, Schubert und Debussy am Samstag, 5. Dezember, 17 Uhr, Pflugsaal, Kaiserstraße 41, Lahr, Reservierung: 0175 - 16 16 779.
Quelle: Ralf Burgmaier / Badische Zeitung / Kultur in der Ortenau
Der russische Pianist spielte das Publikum schwindelig
KULTUR Mikhail Mordvinov trat im Fuhrmannshof auf
In dem Konzert in Rysum stellt er sein großes Talent für die Vielfalt einer souveränen Anschlagskultur unter Beweis.
EMDEN - Die klassischen Klavierkonzerte an späten Sonnabendnachmittagen im urigen Fuhrmannshof zu Rysum sind schon längst nicht mehr nur eine Sache für Insider. In der Reihe „Weltklassik am Klavier“ dürfen sich die Freunde der klassischen Musik an jedem letzten Sonnabend eines Monats an einem Künstler von erlesenem Format erfreuen. Am vergangenen Wochenende war es der 32-jährige russische Pianist Mikhail Mordvinov, der für einen ausverkauften Hof sorgte.
Händels „Aria con Variazoni Suite Nr. 1“ führte das Publikum ohne überladene Verzierungskunst hinein in das freudvolle und wechselhafte musikalische Geschehen, das vor Vitalität sprühte. Wer die Fingerkunst des Pianisten beobachtete, wurde schwindelig gespielt. Kein Wunder, dass dieser junge Künstler bereits viele Preise auf Wettbewerben erhielt.
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Mikhail Mordvinov
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Die Kunst der wechselnden Tempi schufen in Rysum ein Wechselspiel von Temperamenten,das gerade im Ambiente des Fuhrmannshofes mit seinen schweren Balken und dem gemächlichen Mauerwerk besonders unterstrichen wurden. Das war wie ein Umschmeicheln des Raumes mit musikalischer Methoden-Vielfalt.
Im nächsten musikalischen Block erlebte das Rysumer Publikum mit Chopins vier Balladen den Höhepunkt des Vortrags. Der schlichte Beginn in der g-Moll-Ballade veränderte sich durch ständige Steigerung der musikalischen Figuren, wie Mikhail Mordvinov sie individuell mit seinem Spiel schuf. Die F-Dur-Ballade Chopins wirkte märchenhaft und landschaftlich zugleich. Der Virtuose entwickelte mit seinem gleichzeitig akkuraten und tief empfundenen Sinn für die Musik Chopins eine Verbindung zur nahen Landschaft und der Nordsee.
Auch die As-Dur-Ballade begann schlicht, um sich zu einem wilden, feurigen Bild zu entwickeln. Sehr stimmungsvoll hingegen umschlich die f-Moll-Ballade die andächtigen Zuhörer, die sich vom Rondo-Charakter der verschiedenen Stimmungen gerne verführen ließen. Den zweiten Teil des Konzerts prägten Brahms und Händel mit „Variationen und Fuge op. 24“. Mikhail Mordvinov zeigte dabei einmal mehr sein großes Talent für die Vielfalt einer souveränen Anschlagskultur. Als nach zwei Stunden das Konzert zu Ende ging, entließ das begeisterte Publikum den Künstler nicht ohne drei Zugaben.
Fazit: Einem Konzert im Fuhrmannshof in Rysum beizuwohnen, ist ein ganz besonderes Erlebnis. Es passt alles zusammen: Land, historische Baukunst, Natur und musikalische Kunst von hohem Niveau. Das Stammpublikum hat es längst begriffen, dass Kunst in der Provinz verlockend sein kann.
Quelle: Ostfriesen-Zeitung vom 02.12.09 von Werner Zwarte
... Nana Mamayeva / Altenaer Kreisblatt, 25.11.2009
ALTENA · So viele Besucher konnten die Organisatoren im Holtzbrinck-Konzertsaal bei der "Weltklassik am Klavier" schon lange nicht mehr begrüßen. Bis auf den letzten Platz waren die Reihen gefüllt. Sicherlich war die Pianistin des Tages nicht ganz unbeteiligt an dem großen Interesse: Die gebürtige Ukrainerin Nana Mamayeva präsentierte ihr Programm "Weltklassik am Klavier - Venezia e Napoli!". Mit Werken von Haydn, Chopin, Grieg, Ravel und Liszt begeisterte sie das Publikum.
Mit dem Allegro moderato aus Haydns "Sonate Nr. 31 As-Dur" stellte die Musikerin direkt zu Beginn ihr Weltklasse-Niveau unter Beweis. Besonders die schnellen Passagen meisterte Mamayeva mit äußerster Präzision. Während ihre beiden Konzert-Vorgänger mit einfühlsamem Spiel brillierten, interpretierte Mamayeva die Werke eher kraftvoll. Vor allem die Interpretation aus Griegs "Szenen aus dem Volksleben op. 19" konnte das Publikum überzeugen.
Mit Ravels "Sonatine" schaffte Mamayeva es, das Publikum nach der Pause umgehend wieder für sich einzunehmen. Das Werk vereinigte einst moderne Aussagen in klassischen Formen.
Zum Abschluss gab es Liszts "Venezia e Napoli". Die Klavierwerke des Komponisten zählen zu den schwierigsten überhaupt. Heute tauen sich nur noch wenige an seine Werke.
Bereits im Alter von elf Jahren konzertierte Mamayeva. Für ihr Können erhielt sie zahlreiche internationale Auszeichnungen. So gewann sie etwa den "Esther-Honens-Wettbewerb" in Kanada und erhielt 2001 den ersten Preis sowie den Publikumspreis im "Concours Grieg" in Oslo überreicht.
Das Konzert war das vorletzte der Reihe "Weltklassik am Klavier!" in diesem Jahr. Zum Abschluss der Reihe wird am Sonntag, 20. Dezember, Claire Huangci "Weltklassik am Klavier - con variazioni!" präsentieren. Unter anderem werden dabei Stücke von Bach, Beethoven und Strauss auf dem Programm stehen. Das Konzert beginnt um 17 Uhr in der Burg Holtzbrinck.
Quelle: Lydia Machelett / Altenaer Kreisblatt, 25.11.2009
Zwischen Poesie und vordergründiger Virtuosität
ESSLINGEN: Aleksandra Mikulska zu Gast bei „Weltklassik am Klavier“
Poetisches und Virtuoses gab es am Sonntag Nachmittag im alten Rathaus in Esslingen zu hören. „Weltklassik am Klavier“ heißt die Konzertreihe, bei der junge Piano-Talente auftreten. Die 27-jährige polnische Musikern Aleksandra Mikulska präsentierte beim jüngsten Konzert ausschließlich Werke ihres Landsmannes Frédéric Chopin. Poet oder Virtuose? Diese Frage stellt sich für die meisten Pianisten, wenn sie es mit Frédéric Chopin zu tun haben.
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Aleksandra Mikulska
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Der polnische Musiker hat in den gerade einmal 39 Jahren seines Lebens ein immenses Oeuvre für das Klavier hinterlassen, in dem er heutige Pianisten vor zahlreiche Herausforderungen stellt. Werke wie die Ballade f-Moll op. 52, die die junge polnische Pianistin Aleksandra Mikulska an den Beginn ihres Programms gestellt hat, setzen nicht auf die vordergründige Virtuosität. Die Geläufigkeit, die technische Seite des Musizierens findet gleichsam als Selbstverständlichkeit im kompositorischen Untergrund statt. Arabesken und weit ausschweifende Verzierungen sind nur Teil eines großen Ganzen, sollen den poetischen Charakter des Werks befördern.
Die 27-jährige Polin beherrscht diese technischen Elemente makellos, setzt die großen Sprünge, weiten Akkorde und figurativen Elemente mit großer Gelassenheit und intensivem Klang. Tugenden, die vor allem den prächtig-virtuosen Momenten dieses Abends entgegenkommen, etwa der Polonaise Brillante Es-Dur op. 22, mit der Aleksandra Mikulska die erste Konzerthälfte beendet. Kernig ist ihr Tonfall, prägnant die Anschlagskultur, immer wieder setzt sie auftrumpfende Akzente, kehrt noch den letzten Staccato-Moment pointiert hervor und bedient damit den überschäumenden Gestus dieser Musik überzeugend. Doch die gestalterische Raffinesse, die in der an den Anfang gestellten Ballade oder auch im Nocturne Es-Dur op. 55 gefordert ist, vermisst man bisweilen.
Am Anfang der Karriere
Das klangsinnliche Spiel, die weit ausgreifenden Legato-Linien, die eine Sanglichkeit imaginieren sollen, zu der das Klavier nur bedingt fähig ist, bleiben im Ungefähren. Zu stark setzt Aleksandra Mikulska auf vordergründige Effekte wie Akzentuierungen und dynamische Steigerungen, die eher in den drei Etüden aus Opus 10 und Opus 25 zur Geltung kommen.
Am deutlichsten wird diese Diskrepanz von technischem Vermögen und poetischem Ungefähr in der großen Sonate h-Moll op. 58 in der zweiten Konzerthälfte. Chopin experimentiert hier mit der traditionellen Sonatenform, lässt die typischen vier Sätze in einer Großform aufgehen, setzt auf klare Abgrenzungen im Charakter, die aber durch thematisch-motivische Verbindungen wieder überspielt werden. Die Herausforderung dieses übergroßen Werkes ist die Disposition der weiten Bögen und Entwicklungen, das Musizieren auf das Ende zu, bei dem Entwicklungen und Zusammenhänge spürbar bleiben - eine Herausforderung, an der sich auch die größten unter den Klavierstars messen lassen müssen.
Phasenweise gelingt dieses Wagnis. Aleksandra Mikulska stürzt sich mit Furor auf die Eingangssequenz des Kopfsatzes, in dem sie immer wieder mit markanten Klängen arbeitet. Auch die turbulenten und gelegentlich derben Phrasen des Scherzo-Satzes gefallen. Doch im weltabgewandten Largo zeigt sich, dass Aleksandra Mikulska bei allen Wettbewerbserfolgen und namhaften Lehrern der letzten Jahre noch am Anfang ihrer Karriere steht. Hier, wie in der Großform insgesamt, fehlt es an Weitsicht. Phrasierungen laufen mitunter ins Leere, stellen mehr Melodien vor, als dass sie Zusammenhänge stiften.
Quelle: Von Markus Dippold / 10.11.2009 / © Eßlinger Zeitung
Pianistischer Abschluss des Mendelssohn-Jahres
Jüngst erschien eine CD der Pianistin Gesa Lück mit Werken von Mozart und Prokofieff. In der Wandelhalle spielte die international beachtete Solistin Werke von Beethoven, Schubert, Schumann und Mendelssohn, dessen 200. Geburtsjahr bald zu Ende geht.
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Jungstudentin Felizia Bade (rechts) aus Vlotho bedankte sich nach dem Konzert mit einem Blumenstrauß bei ihrer Lehrerin. (Foto: Westfalen-Blatt)
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Gesa Lücker begann ihr Konzert mit Beethovens Es-Dur-Sonate op. 27 Nr. 1. Die ersten drei Sätze bieten noch keine große Herausforderung für ein virtuoses Talent. Lücker setzte Beethovens Anweisung "attaca subito" gekonnt um und ließ die Sätze ineinander fließen.
Das abschließende Rondo stellte die vorangegangenen Sätze in den Schatten. Obwohl es sehr unangenehm zu spielen ist, gelang Gesa Lücker ein scheinbar müheloser Vortrag. Mit Beethovenscher Fröhlichkeit spielte sie das in der Tiefe beginnende Anfangsmotiv, das sich über die gesamte Klaviatur fortzupflanzen schien.
Im Konzert selten gespielt waren anschließend die drei Impromtus D 946 zu hören, die Franz Schubert in seinem letzten Lebensjahr komponierte. Gesa Lücker verlieh dem grüblerischen Charakter des ersten Stückes und dem aufgewühlten misterioso des zweiten bestens Ausdruck.
Die filigranen Figuren im letzten Impromptu hatte die Pianistin gut vorbereitet. Beeindruckend war vor allem ihr Spiel beim furiosen Abschluss dieses dritten Klavierstückes.
Mendelssohns Präludien und Fugen op. 35 repräsentieren Klavierkompositionen, die alles andere als leblose Kontrapunktübungen sind. Im besten Sinne des Historismus hat Mendelssohn die Kompositionsform seines Vorbildes Bach aufgenommen und mit den Mitteln des 19. Jahrhunderts angereichert. Nach dem f-Moll-Präludium begann Gesa Lücker das eindringliche Fugenthema in raschem Tempo zu spielen. Im weiteren Fortgang der Komposition arbeitete sie die durch Tonwiederholungen charakterisierten Themenköpfe wunderbar heraus.
Eine der kuriosesten Tempobezeichnungen ist im Eingangssatz zu Robert Schumanns Sonate in g-Moll op. 22 zu finden. "So rasch wie möglich" heißt es zu Beginn, später wird vom Pianisten verlangt, "schneller" und am Schluss "noch schneller" zu spielen. Gesa Lücker löste die Aufgabe bravourös. Zwar hat man die Sonate schon einmal schneller gespielt gehört, doch das Spiel der 33-Jährigen bestach durch technische Perfektion von der ersten bis zur letzten Note; und vor allem waren die Temposteigerungen deutlich wahrnehmbar. Mit einem ungemein kraftvollen und ausdrucksstarken Vortrag beendete Lücker den letzten Satz.
Der tosende Applaus des Publikums ließ die in Hannover lehrende Virtuosin mehrfach auf die Bühne kommen, wofür sie sich mit zwei ungewöhnlichen Zugaben bedankte: Franz Liszts Ungarischer Rhapsodie Nr. 13 und einer Gigue von Mozart.
Quelle: von Wilhelm Friedemann / Westfalen-Blatt, 09.11.2009
Klänge der Nacht und des Todes
Motoi Kawashima spielte in der Reihe "Weltklassik am Klavier"
(-ek) Finstere Regenwolken hingen über Stadtoldendorf, als das 10. Konzert des Jahres im Alten Rathaus anfing, und als es zu Ende war, war die Dunkelheit eingebrochen: ein angemessener natürlicher Hintergrund zu dem Programm, das der junge japanische Pianist Motoi Kawashima für seinen zweiten Auftritt an diesem Ort gewählt hatte. Gefragt, warum er den historisch logischen Aufbau seines Recitals - Mozart und Beethoven vor der Pause, Chopin danach - mit der Einfügung von Isoldes Liebestod aus Wagners Tristan in die erste Hälfte durchbrochen hatte, erklärte er, dass er das gesamte Programm und dem Motto "Nacht und Tod" konzipiert hatte. Dass auch ein so düsteres Thema zu einem genussvollen Konzerterlebnis führen kann, ist das Geheimnis der Kunst.
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Motoi Kawashima in Stadtoldendorf (Foto: Jellinek)
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Der Pianist hatte sein Programm geschickt aus sehr bekannten und selten gehörten Werken zusammengestellt: Beethovens "Mondscheinsonate" und Chopins "Sonate mit dem Trauermarsch" sind Dauerbrenner, doch Mozarts Fantasie KV 396 und Chopins letzte Nocturnes werden selten öffentlich aufgeführt, und auch Franz Liszts Klavierbearbeitungen von Höhepunkten romantischer Opern - darunter seine Bearbeitung des "Liebestods" - wurden erst in den letzen Jahrzehnten aus langer Versenkung gehoben.
Mozarts Fantasie - ein unvollendetes, aus dem Nachlass des Komponisten von einem befreundeten Musiker ergänztes Werk - bildete einen passenden Auftakt, denn mit seinen weit ausgreifenden Arpeggien und Skalen erinnert es an die Improvisationen, mit denen die Organisten der Barockzeit -- zu ihnen gehörte ja auch Mozart in seinen jungen Jahren - den Gottesdienst einleiteten. Das Werk entfaltet in knappem Zeitraum eine Fülle kontrastierender Ideen. Damit bildete es einen krassen Gegensatz zum darauf folgende Stück des Programms, Isoldes Liebestod: eine genussvoll ausschweifende Meditation über ein einziges musikalisches Motiv.
In diesem Kontext stellte Beethovens dreiteilige "Sonata quasi una fantasia" Op. 27 Nr. 2 (die sogenannte "Mondscheinsonate") die den Abschluss des Programms vor der Pause bildete, das klassische Verhältnis zwischen Beständigkeit und Kontrast dar. In den Ecksätzen machte sich ein Merkmal von Motoi Kawashimas Klavierspiel besonders deutlich bemerkbar: eine Lebendigkeit, die sich nicht durch kleine Unregelmäßigkeiten im zeitlichen Verlauf (etwa die gefühlvollen Verzögerungen des "Rubato"-Spiels) sondern durch ausgeprägte doch genau nuancierte dynamische Kontraste ergibt. Durch diese hob sich im ersten Satz die Melodie im genau richtigen Maß von der völlig gleichmäßig dahin fließenden Begleitung ab, im Finale die kurzen fortissimo Schläge von den hinaufdrängenden, aber flüchtig-leicht gespielten gebrochenen Akkorden des Hauptthemas. Hier gelang ihm wie nur wenigen Pianisten, ein atemloses Donnern zu vermeiden und den gesamten Satz, der Vorschrift "presto agitato" zum Trotz, klar und durchsichtig zu gestalten.
Kawashimas ausgeprägte Selbstdisziplin kam auch seiner Interpretation von Chopins Nocturnes Op. 62 No. 1 und 2 zugute. Er verlieh den Melodien jene gesangliche Qualität, die dem Komponisten so wichtig war (er empfahl seinen Klavierschülern, ihr Spiel am bel canto Stil der Opernsänger der Zeit zu orientieren) und vermied, bei dem traumartigen Abschweifen, das Chopins Spätwerk auszeichnet, das völlige Zerfließen in die Formlosigkeit. Es gelang ihm auch, den für Chopin so typischen Girlanden die erforderliche perlende Leichtigkeit zu verleihen; beim großen Flügel im niedrigen Raum des alten Rathauses ist dies keine geringe Leistung. Auch Chopins 2. Klaviersonate Op. 35 spielte Motoi Kawashima meisterhaft, doch es war schade, dass diese Sonate (wie übrigens auch die Mondscheinsonate) vor erst wenigen Monate bereits in der Reihe "Weltklassik" aufgeführt worden war. Sie ist eine der wenigen Werke Chopins, die ein zu häufiges Hören nicht gut vertragen.
Als Dank für den lebhaften Beifall gab der junge Meisterpianist abschließend noch eine Zugabe besonderer Art, passend zum Thema "Nacht und Tod". Es war der Satz "Romeo und Julia vor dem Abschied" aus Prokofjews Klaviersuite nach seiner Musik zum Ballet "Romeo und Julia": eine letzte Gelegenheit, alle Register seiner Virtuosität zur Geltung zu bringen.
Quelle: Dr. Jellinek - Täglicher Anzeiger vom 13. Oktober 2009
Mikhail Mordvinov / Altenaer Kreisblatt, 20.10.2009
ALTENA · Unter dem Titel "Weltklassik am Klavier- Ballade avec Chopin!" präsentierte der junge Russe Mikhail Mordvinov am Sonntag Klaviermusik der Extraklasse. Rund 40 Musikbegeisterte waren zu dem Konzert in die Burg Holtzbrinck gekommen. Der Preisträger vieler renommierter internationaler Preise überzeugte durch kraftvolles und präzises Klangspiel.
Der 32jährige Pianist begann sein Konzert mit dem Händel-Werk: "Aria con Variazioni aus der Suite Nr. 1 B-Dur HWV 434". Bereits nach den ersten Klängen hatte er das Publikum begeistert. Mit hoher Präzision, insbesondere rhythmischer Genauigkeit, präsentierte er das Händel-Werk. Besonders in den schnelleren Passagen des Stückes war das Publikum von der Fingerfertigkeit des Pianisten fasziniert. Die Finger flogen förmlich über die Tasten.
Auch die vier darauf folgenden Balladen des großen polnischen Komponisten Chopin konnten begeistern. Chopin zählt zu den einflussreichsten und beliebtesten Klavierkomponisten des 19. Jahrhunderts. Gleichzeitig aber auch zu den wohl anspruchsvollsten. Die konzertanten und sehr anspruchsvollen Stücke präsentierte Mordvinov kraft- und zugleich gefühlvoll. Die Balladen, die eine erzählende Haltung haben, sind eine Mischung aus Lied- und Sonettform. Insbesondere die "Ballade in F-Dur. Op. 37", die Chopin einst Schumann widmete, begeisterte das Publikum.
Und auch nach der Pause glänzte der Pianist. Mit dem Brahms/Händel Werk "Variationen und Fuge op 24", präsentierte der Russe Klavierkunst der Spitzenklasse. Die Interpretation des Künstlers ließ die lange Entwicklungsgeschichte des Werkes in seiner vollen Blüte erstrahlen.
Die Konzertreihe findet jeden dritten Sonntag des Monats statt. Am 22. November wird Nana Mamyeva ab 17 Uhr "Weltklassik am Klavier - Venezia e Napoli!" präsentieren.
Quelle: Lydia Machelett, Altenaer Kreisblatt, 20.10.2009
Romantische Variationen
Im 19. Jahrhundert setzte eine Renaissance der Barockkomponisten in Deutschland ein. Vor allem Bach und Händel erfreuten sich bei ihrer Wiederentdeckung größter Beliebtheit. Mikhail Mordvinov spielte am Sonntag in der Wandelhalle neben den vier Chopin-Balladen die berühmten Händel-Variationen von Johannes Brahms.
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Nachdem er auf der Klavierbank Platz genommen hatte, war der schüchtern wirkende Pianist Mikhail Mordvinov wie ausgewechselt und bot ein technisch und inhaltlich überzeugendes Programm.
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Mit schnellen langen Schritten betrat der aus Moskau stammende Pianist Mikhail Mordvinov die Bühne und begann, die Aria mit Variationen HWV 434 von Georg Friedrich Händel zu spielen. Sein anfänglich wohl dosierter Pedaleinsatz ließ ein transparentes Spiel auf dem modernen Konzertflügel zu. Das hohe Tempo steigerte die letzte Variation zu einem wahren Bravourstück, allerdings ließ das Haltepedal an dieser Stelle die Barockkomposition nicht nur massig sondern auch undurchsichtig erscheinen.
Nach diesem sich warm Spielen folgten die vier Balladen von Frederick Chopin. Mit Chopin war Mordvinov beim romantischen Repertoire angekommen, mit dem er bei seinem Spiel zu verschmelzen schien; seien es die ausdrucksvollen Temperamentausbrüche der ersten Ballade oder die an ein Lied ohne Worte erinnernde Lyrik der zweiten.
Die Mimik des Pianisten verriet viel über den musikalischen Gehalt der Kompo- sitionen. So wirkte das Gesicht Mikhail Mordvinovs bei der ersten Ballade mal schmerzverzerrt, dann schloss er wieder die Augen. Sein Mund war stets wie bei einem stummen Sänger geöffnet.
Reglos blieb Mordvinov bei der dritten Ballade, um im reifesten op. 52 die Musik auch körperlich extrovertiert mit- und nachzuempfinden.
Eine Brücke zum Beginn des Konzertes schlug Mikhail Mordvinov mit den Händel-Variationen von Johannes Brahms. Mit seinem op. 24 schuf Brahms ein Werk, das in einem Atemzug mit den Bachschen Goldberg- oder den Diabelli-Variationen von Beethoven genannt werden kann. Mikhail Mordvinov gelang es, den jeweiligen Charakter der höchst unterschiedlichen Variationssätze durch sein differenziertes Spiel herauszuarbeiten. In der großangelegten abschließenden Fuge erwiesen Brahms und Mordvinov ihre Referenz an den großen Barockkomponisten und Meister der Kontrapunktik Georg Friedrich Händel.
Als Zugabe spielte Mikhail Mordvinov die Arabeske C-Dur op. 18 von Robert Schumann und bedankte sich damit für den reichlichen Applaus der zum Großteil aufgestandenen Zuschauer.
Quelle: von Wilhelm Friedemann - Westfalen-Blatt / 12. Oktober 2009
Weltklassik am Klavier
Gabriele Leporatti: Ein Abend für Clara Schumann
Allein schon die Aussprache seines Namens klingt wie Musik in den Ohren. Und erst recht das, was der junge Pianist Gabriele Leporatti dem Publikum der Konzertreihe "Weltklassik am Klavier" letzten Sonntag im Lüttringhauser Rathaussaal bot, beeindruckte das geschulte Gehör der zahlreichen anwesenden Freunde der Klassischen Musik.
Johannes Brahms und Robert Schumann
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Gabriele Leporatti
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Der junge Italiener spielte an diesem Abend Musik, die der großen Musikerin Clara Schumann gewidmet worden war. Zum einen war dies Johannes Brahms , der eine innige Beziehung zu Clara Schumann unterhielt und diese als Musikerin und Frau sehr verehrte. Zugleich fand er bei deren Mann und Komponisten Robert Schumann einen Förderer seines musikalischen Schaffens und wohnte zumindest zeitweise in deren Haus in Düsseldorf. Beide Männer widmeten dieser schon zur damaligen Zeit europaweit erfolgreichen Komponistin Teile ihres Werkes, von welchem Ausschnitte an diesem Abend von Gabriele Leporatti am Klavier gekonnt interpretiert wurden. Das Konzert begann mit Brahms virtuosen Sonate op 2 Nr. 2 fis-moll. Der Pianist und Preisträger zahlreicher nationaler und internationaler Wettbewerbe überzeugte mit einem kraftvollen, impulsiven und dennoch sensiblen Spiel. Man merkte diesem, seinem Spiel, an wie Eng sein musikalischer Bezug gerade zu Johannes Brahms Kompositionen ist, hat er doch bereits im Jahr 2007 eine Solo-CD mit Stücken des jungen Brahms veröffentlicht.
Und bereits im Jahr 2001 nahm er eine CD mit Fabio Bidini auf - Klavierwerke zu 4 Händen von Schubert, Brahms und Rachmaninoff - die beim Plattenlabel True Sounds erschienen ist.
Besonders herausragend gestaltete Leporatti bei seinem Konzert im Rathaussaal das Finale: Introduzione: Sostnuto - Allegro non troppo e rubato. Nach der Pause stand das Werk Robert Schumanns auf dem Programm. Die Sonate op. 11 Nr. 1 fis -moll zeugte von den großen Gefühlen Robert Schumann zu seiner Frau Clara, die ihm 6 gemeinsame Kinder schenkte. Zum Teil sanft, manchmal regelrecht sprunghaft komponiert zeugt das Werk von der Liebe zu seiner Frau Clara. Gabriele Leporatti brillierte gerade auch in schwierigen Passagen und schuf mit seinem Vorspiel faszinierende Klangbilder. Dies wurde von dem Publikum dann auch zurecht mit langanhaltendem Beifall belohnt.
Fortsetzung folgt
Das nächste Konzert der Reihe Weltklassik am Klavier findet wieder in der Klosterkirche in Lennep statt. Am Sonntag, den 18.10.2009 um 17.00 Uhr spielt Boris Kusnezow Werke von Beethoven, Schubert/Liszt, Brahms und Debussy: "Weltklassik am Klavier - Feuerwerk: Sonaten, lieder, Preludes" Eine Vorreservierung von Sitzplätzen ist ab sofort möglich unter der Telefonnummer 0175 1616779 oder aber im Internet bei www.Weltklassik.de
Quelle: Lüttringhauser Anzeiger, 23.09.2009 /
www.luettringhauser-anzeiger.de
Zerbrechlich wie Porzellan
OFFENBURG (ej). Nach zwei Monaten Sommerpause startete die Konzertreihe "Weltklassik am Klavier" jüngst in Offenburg mit einem hochkarätigen Konzert der Pianistin Gesa Lücker. Obwohl die Sommerpause in Lahr und Offenburg um einen Monat versetzt ist, gelang es nicht, das Lahrer Stammpublikum nach Offenburg zu locken, so dass der Salmen mit etwas über 50 Besuchern nur spärlich gefüllt war.

Gelohnt hätte es sich, denn Gesa Lücker, die schon im vergangenen Jahr in der gleichen Reihe zu Gast gewesen war, überzeugte auch diesmal das Publikum mit ihrer sehr persönlichen, zuweilen intimen Interpretationsweise. Die 1976 geborene Pianistin lehrt neben ihrer Konzerttätigkeit an der Hochschule für Musik und Theater Hannover.
Lückers Programm war überlegt zusammengestellt und feinsinnig dargeboten: Beethovens Sonate in Es-Dur und drei Klavierstücke von Franz Schubert, von denen eines das Beethoven’sche Dur-Leitmotiv in Moll zitiert. Gesa Lücker spielt den Beethoven, als ob sie ihn erzählt. Sie hält inne, horcht nach, lässt im nächsten Moment die Töne perlen und tirilieren, hüpft fast mit im Reiterrhythmus des Mittelteils, lässt sich genießerisch tragen von der Musik. Unmöglich, sich solch intensiver Interpretation zu verschließen. Das Publikum ist vom ersten Moment an fasziniert. Wie im Sog spielt Lücker den Beethoven fast an einem Stück, die Satzgrenzen verschwimmen.
Auch den Schubert macht Lücker spannend, frisch, mit Überraschungen für die Hörgewohnheiten. Gemütvoll, aber nicht romantisierend, mit vielen Phrasen, die sie – klug und manchmal fast schmerzlich den Nachhall gestoppt – als offene Fragen stehen lässt. Nach der Pause geht es mit einem "Geburtstagsständchen" für Mendelssohn weiter. Präludium und Fuge f-moll geht Lücker mit hoher Virtuosität flott an und ziseliert die melodiösen Verschachtelungen der Fuge präzise, aber nicht technisch aus. Robert Schumanns Sonate in g-moll bildet den Abschluss des Konzerts. Leidenschaftlich der erste Satz, Stille und Sammlung vor dem Andantino, das Lücker zerbrechlich wie feines Porzellan anschlägt. Mit ungeheurer Virtuosität steigert sich Lücker danach in einen Geschwindigkeitsrausch – ohne dabei jedoch den Ausdruck zu verlieren. Sie lockt, verzögert, rhythmisiert – und reißt das Publikum mit. Großer Applaus, Blumen für Lücker. Zwei Zugaben.
Quelle: ej, Badische Zeitung, 13.09.2009
Foto: Gesa Lücker / CD-Cover
Kleine Gemeinde mit viel Kultur
Stadtoldendorf. Mit knapp 5800 Einwohnern und einer hübschen kleinen Altstadt ist Stadtoldendorf der Mittelpunkt der Samtgemeinde gleichen Namens. Es lohnt sich, dort einmal hinzufahren - auf dem Marktplatz einen Kaffee oder ein Eis zu genießen und, falls der Besuch auf einen zweiten Samstag im Monat fällt, im kleinen Alten Rathaus neben der Kirche eine Ausstellung anzuschauen und ein Konzert zu hören. Seit dem Jahre 2002 ist auch dort die Konzertreihe "Weltklassik am Klavier" zu Hause und bietet jungen Pianisten, die am Beginn ihrer Karriere stehen, Gelegenheit, ihre Kunst zu zeigen.
Ausgefeilte Technik
Dass er inzwischen mit dem Titel "Tastentiger" belegt wird, hört Haiou Zhang vielleicht gar nicht so gerne; er selbst meinte einmal, man könne ihn auch als den "deutschen Lang-Lang" bezeichnen.

Wer Zhang in den letzten Jahren mehrfach hörte, weiß, dass der mittlerweile 25-jährige Chinese über eine ausgefeilte Technik verfügt und einen Programmzuschnitt bevorzugt, in dessen erstem, kürzeren Teil zwei Klassiker erklingen, während der längere zweite Konzertabschnitt der Virtuosität gewidmet ist.
So begann das Konzert auch in Stadtoldendorf mit Mozarts Sonate F-Dur KV 332. Zhang spielte den Kopfsatz ohne die zur Form gehörende Wiederholung der Exposition und mit extrem deutlichen Akzenten. Den Finalsatz präsentierte er schon mal als Vorgeschmack auf die ihm zur Verfügung stehende Prestissimo-Geläufigkeit.
Den Kopfsatz von Beethovens Mondscheinsonate spielte Zhang mit großer Ruhe aus. In den beiden Folgesätzen hätte man wohl auch schon gerne solche Nuancen in Dynamik und Anschlagstechnik gehört, wie Zhang sie beispielsweise in Liszts Petrarca Sonett Nr. 123, in Consolation Nr. 3 und in "Les Jeux d' Eaux à la Villa d'Este" aufblitzen ließ. Für den langanhaltenden freundlichen Beifall dankte Zhang mit einer Eigenkomposition.
Die derzeitige Ausstellung zeigt Werke des Objektkünstlers Claus Caninenberg. Collagen aus geschnittenem oder gewachsenem Holz oder metallischen Bestandteilen ausgedienter Apparaturen: eine ebenso charmante wie stilvolle Resteverwertung. Manche der Objekte sind mit geometrischen Formen streng abstrakt, andere drücken Bewegung aus und regen die Fantasie an.
Am Samstag, 12. September, wird die Reihe um 17.15 Uhr fortgesetzt mit Werken von Beethoven, Schubert und Schumann, gespielt von Gesa Lücker
Quelle: Von Karla Langehein - Deister-Leine-Zeitung vom 17.08.2009 / Foto: lgh siehe:
http://www.deister-leine-zeitung.de
Ein Pianist, der wahnsinnige Herausforderungen sucht
Haiou Zhang spielte im Alten Rathaus, Stadtoldendorf
(-ek) Am vergangenen Sonnabend spielte der junge chinesische Pianist Haiou Zhang zum dritten Mal seit 2007 im Landkreis Holzminden, jedes mal im Rahmen der Konzertreihe "Weltklassik am Klavier". Das Programm dieser Soiree bestand aus zwei sehr ungleichen Teilen: vor der Pause je eine Sonate von Mozart (F-Dur KV 322) und Beethoven (cis-moll Op. 27 No. 2) aus dem klassischen Standardrepertoire, nach der Pause fünf Stücke von Liszt, die - mit Ausnahme der sehr populär gewordenen Ungarischen Rhapsodie - selten gespielt werden. Im ersten Teil legitimierte er sich als Allroundpianist, im zweiten kam seine persönliche Note voll zur Geltung. Im ersten Teil war Haious Gestik und Mimik zurückgenommen, im zweiten blieb seine Bewegungen bei aller Kraftentfaltung bewundernswert sparsam und effizient, doch sein Gesichtsausdruck verriet eine fast entrückte emotionale Identifikation mit der Musik, die er spielte. Es ist erstaunlich, dass ein junger, in China geborener und erzogener Pianist sich sosehr mit dem sechs Generationen früher geborenen europäischen Kosmopoliten identifizieren kann.
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Haiou Zhang zum dritten Mal seit 2007 im Landkreis Holzminden.
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Zu den Mühen des Mozartspielers, die nur der Glücksfall belohnt, gehört laut Alfred Brendel, dessen Repertoire Mozarts gesamtes Klavierwerk umfasste, eine Balance zu finden zwischen Kraft und Durchsichtigkeit, Distanz und Innigkeit, Leidenschaft und Grazie. Bei Haiou Zhang lag das Gewicht etwas zu sehr auf der Kraft, der Leidenschaft und zugleich der Distanz, um ihn zu einem solchen Glücksfall zu machen. Man muss aber hinzufügen, dass Haiou es für unmöglich hält, dem Flügel im Alten Rathaus jenen ebenmäßig leichten, perlenden Klang zu entlocken, den Mozart oft verlangt. Beethovens Mondscheinsonate hingegen spielte er sehr überzeugend. Die heutige Orthodoxie verlangt bei der Verwendung des Haltepedals ein striktes Vermeiden jeder Überlappung von unterschiedlichen Harmonien; nur so bleibt Klarheit erhalten. Haiou Zangh verstieß sowohl im ersten wie im letzten Satz der Mondscheinsonate gelegentlich gegen dieses Gebot und erreichte damit im ersten Satz eine schillernde Wirkung, wie die Spiegelung des Mondes in bewegtem Wasser; im letzten Satz dagegen eine mächtige Klangfülle.
Die Werke von Franz Liszt, die der Pianist für die zweite Hälfte seines Programms ausgewählt hatte, stammen aus verschiedenen Schaffensperioden des Komponisten. Das träumerisch-extatische Sonetto de Petrarca 123, eine freie Bearbeitung eines eigenen Liedes, entstand am Anfang jener acht Jahre von Reisen quer durch Europa als gefeierter Virtuose, zwischen dem 28. und dem 36. Lebensjahr des Komponisten. Die brillante Konzertetüde "La Leggierezza" (die Leichtigkeit), die Consolation (Musik die tröstet) Nr. 3 sowie die berühmt gewordene 2. Ungarische Rhapsodie wurden am Ende der Années de Pélérinage (Jahre der Wallfahrt, wie Liszt diese Zeit später, als er sich der Religion zugewandt hatte, idealisierend nannte) komponiert, nachdem dem Komponist sich als Hofkapellmeister in Weimar niedergelassen hatte. Das Tonbild Les Jeux d'eaux à la Villa d'Este (Wasserspiele), eine schillernd farbenreiche Komposition, in der der Klavierstil der Impressionisten um Debussy vorweggenommen wird, entstand in Liszts 67. Lebensjahr. Hiaou Zhang meisterte die technischen Anforderungen dieser Werke mit fast schlafwandlerischer Sicherheit. Gefragt, warum er anstelle der Originalfassung der 2. Ungarischen Rhapsodie deren Überarbeitung von Vladimir Horowitz gewählt hatte, antwortete er: "weil es eine der wahnsinnigsten Herausforderungen ist, die es für einen Pianisten gibt". Von Liszts Konzerten wurde gesagt, man müsse immer mindestens einen Flügel in Reserve bereit halten, weil er häufig die Instrumente, auf denen er spielte, zu Invaliden machte. Hiaou Zhangs Wiedergabe der 2. Rhapsodie erinnerte an diese Berichte.
Der stürmische Applaus, den dieses Ereignis auslöste, warf seinerseits die Frage auf, was für eine Zugabe es danach überhaupt geben könnte. Der junge Künstler fand hierauf eine überraschende Antwort: Er spielte eine eigene Komposition, ein kurzes, meditativ stilles und transparentes Stück, das - zum ersten Mal - Hiaous fernöstlichen Ursprünge in Erinnerung brachte.
Im Gegensatz zu den meisten seiner jungen Kollegen hat Hiaou Zhang bereits erste Schritte auf dem Weg zum Promi-Status gemacht, ein Weg, der neben großem künstlerischen Talent ein Gespür für den Show Business Aspekt des heutigen Konzertbetriebs erfordert. Auch darin ähnelt er seinem Vorbild Franz Liszt. Er hat den Beinamen "Tastentiger" angenommen. Mit seinem Verzicht auf das übliche Lächeln und seiner gezielt unkonventionellen Kleidung hat er es zum Cover mindestens einer Zeitschrift geschafft. Mehrfach wurde er bereits mit seinem sensationell erfolgreichen Landesgenossen Lang Lang verglichen. Wir wünschen Hiaou eine Karriere, die seinem großen Können entspricht.
Quelle: Stadtoldendorf, Dr. Jellinek, Täglicher Anzeiger, 19.8.2009
Lebenslust statt; Trauer und Schmerz
Mimi Jue Wang begeisterte das Weltklassik-Publikum
Bad Oeynhausen (nh). Die Weltklassik ist immer für eine Überraschung gut. Vor allem, wenn es um das Programm geht, das von den Interpreten gern in letzter Minute noch einmal umgeschmissen wird. Wer sich am Sonntag auf die dunklen Trommelwirbel, den Schmerz und das Pathos aus Frédéric Chopins Trauermarsch eingestellt hatte, wurde beim Konzert der jungen chinesischen Pianistin Mimi Jue Wang auf mit Ferrucio Busoni auf eine deutlich lebenslustigere Atmosphäre eingestimmt. Ohne dabei ganz auf den polnischen Komponisten oder auf tragische Klangbilder verzichten zu müssen. Denn vor allem ihre überaus elegante und eindringliche Interpretation der Nocturn op. 55 Nr. 2 in Es-Dur von Frédéric Chopin im ersten Teil des Konzertes gehörte zu den Glanzstücken ihres Spiels, für die sich das Publikum mit kräftigem Applaus bedankte.
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Mimi Jue Wang
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Eingestimmt wurden die Konzertgäste mit drei fast nahtlos ineinander übergehenden Sonaten von Domenico Scarletti, dem italienischen Meister der kleinen Form. Und zum Abschied gabs von der Preisträgerin des Vladimir Horowitz-Wettbewerbes in Kiew als Zugabe ein überaus virtuos gespieltes Stück des russischen Komponisten Sergei Prokofjew. Gleich zweimal spielte die 23-jährige Nachwuchs-Pianistin Werke von Ferruccio Busoni. Und das hat seinen Grund: Nächste Woche stellt sich die Chinesin in Bozen dem Internationalen Klavierwettbewerb Ferruccio Busoni. Einen Vorgeschmack bekamen die Konzertgäste beim Indianischen Tagebuch von Ferrucio Busoni und dessen Klavierbearbeitung von Johann Sebastian Bachs Kantate "Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ", die von Mimi Jue Wang mit heiterer Freundlichkeit interpretiert wurden. Tragischer und heroischer wurde es nach der Pause, als die Pianistin wie angekündigt mit Franz Schuberts Sonate in c-moll grenzüberschreitende Klangbilder in die Wandelhalle zauberte.
Weiter geht es mit der Weltklassik am Sonntag, 13. September, um 17 Uhr unter dem Motto "Haydn, Ravel und die spanische Romantik". Dann spielt José M e nor Werke von Joseph Haydn, Maurice Ravel, Enric Granados und Isaac Albéniz.
Quelle: Neue Westfälische / Erscheinungsdatum: 18.08.2009 | Autor: Niedringhaus-Haasper
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Mimi Jue Wang / Altenaer Kreisblatt, 28.08.2009
ALTENA · Wahre Weltklasse bei "Weltklassik am Klavier" bekamen die rund 60 Besucher der Konzertreihe am vergangenen Sonntagnachmittag in der Burg Holtzbrinck zu hören. Der chinesischen Ausnahme-Pianistin Mimi Jue Wang gelang es mit ihrem Spiel das Publikum regelrecht zu verzaubern. Unter dem Titel "Sonaten - von der Miniatur zum Monument" präsentierte die erst 23-Jährige die berühmten Sonaten von Scarlatti, Bach-Busoni, Chopin und Schubert.
Bereits im Alter von vier Jahren begann die Künstlerin die hohe Kunst des Klavierspielens zu erlernen. Schnell erkannte die Musikerfamilie ihr Talent und begann die Pianistin zu fördern. 2005 gewann sie den renommierten "Vladimir Horowitz-Wettbewerb" und zählt seitdem zu den Größen im internationalen Pianistenzirkus.
Als die junge Frau den Konzertsaal betrat, war so manch einer allein durch den Anblick der hübschen Pianistin verzaubert. Bereits zu Beginn zeigte sie ihr Können in den drei berühmten Scarlatti-Sonaten. Den Abschluss bildete die schnelle, fast heitere Sonate K. 29 in D-Dur. Dabei flogen die Finger nur so über die Tasten. Tief beeindruckt von der Geschwindigkeit, Präzision und der Gabe der Interpretation erntete die Chinesin gleich zu Beginn kräftigen Applaus. Nach den eher schnelleren Scarlatti-Stücken folgte mit dem Bach-Busoni Werk "Ich rufe zu dir, Herr Jesu Christ", ein eher langsames und erhabenes Stück. Mit geschlossenen Augen und ausdrucksstarker Mimik interpretierte die Pianistin das berühmte Werk und schien regelrecht in einer anderen Welt der Musik zu versinken.
Und auch mit den darauf folgenden Stücken von Chopin und Busoni konnte Mimi Jue Wang begeistern. Die Stücke aus Busonis "Indisches Tagebuch (Heft 1)" begeisterten das Publikum besonders und machten Lust auf mehr. Nach der Pause folgten die berühmten Werke Schuberts. Die "Sonate in c-moll D958" schrieb der Komponist in seinem Todesjahr 1828, was den Stücken regelrecht anzumerken ist.
Durch die virtuose Interpretation der Pianistin konnten die Zuhörer die Geschichte Schuberts verfolgen, von depressive über heitere Zwischenspiele bis hin zur großen Trauer gewährte die Pianistin ihrem Publikum einen Einblick in das letzte Lebensjahr des großen Komponisten.
Die Reihe "Weltklassik am Klavier" findet jeden dritten Sonntag des Monats um 17 Uhr in der Burg Holtzbrinck statt. Am 18. Oktober wird es Werke von Händel, Chopin und Brahms zu hören geben. Der berühmte Pianist Mikhail Mordvinov wird dann am Klavier sitzen und unter dem Titel "Weltklassik am Klavier - Ballade avec Chopin!" sein Können zum Besten geben.
Quelle: Lydia Machelett - Altenaer Kreisblatt, 26.08.2009
Trotz Super-Sommer-Sonne-Wetter am Sonntagnachmittag erfreute sich das nunmehr siebte Konzert in der Reihe „Weltklassik am Klavier“ eines recht guten Besuchs. Was ohne Zweifel am angekündigten Konzertereignis mit dem mehrfach ausgezeichneten Klavierduo Laura Pauna und Cara Hesse gelegen hat, deren Virtuosität in der internationalen Musikszene bereits höchste Beachtung fand. Und die rund 100 Musikfreunde wurden nicht enttäuscht: Die beiden Südafrikanerinnen stellten sich im Minoritensaal der Lenneper Klosterkirche als hervorragende Musikerpersönlichkeiten vor, die ein populäres Programm meisterlich präsentierten.
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Klavierduo Laura Pauna und Cara Hesse
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Mit Mozarts Sonata in C-Dur KV 521 boten sie ein ausgereiftes, ausgesprochen hübsches Musikstück dar, das auf die spätere Schaffensperiode des Komponisten zurückgeht. Und bereits nach den ersten Klängen zeigte sich, dass hier zwei Künstlerinnen am Flügel saßen, die sich blind zu verstehen schienen. Vor allem im Mittelsatz, der ein dezentes, nuanciertes Spiel erfordert, bestachen die Pianistinnen durch eine geniale Homogenität, die mitunter sogar in einer sehr ähnlichen Körpersprache zum Ausdruck kam. Mit Schuberts „Deux Marches characteristiques DV 886“ interpretierten die beiden das Genre „Marsch“ sodann in einem ganz neuen Gewand. Geballte Frauenpower saß hier am Klavier, so viel wurde in den in einem irrwitzigen Tempo gespielten Läufen sicht- und hörbar. Einen Kontrapunkt im ansonsten heiter-fröhlichen Konzertprogramm setzten die Musikerinnen mit Schuberts „Fantasia in f-moll“, die der im Alter von nur 31 Jahren gestorbene Romantiker in seinem Sterbejahr schrieb. Das von Melancholie und Schwermut getragene Stück ist durchsetzt von ausgesprochen dynamischen Phasen, die inmitten der ruhigen Klangfarben einen radikalen Ausbruch bilden und wie das Aufbäumen gegen den nahenden Tod erscheinen. Auch dieser Vortrag eines der bedeutendsten Werke in der Gattung „Klavierduo“ gelang den beiden Pianistinnen vortrefflich. Welcher Kontrast dagegen Ravels „Spanische Rhapsodie“ mit seinen Wechseln zwischen zartem Piano und überschäumendem Forte, bei dem die jungen Musikerinnen dem Instrument ein wahres Feuerwerk an Klängen und Farben entlockten.
Cara Hesse und Laura Pauna präsentierten ihr Programm routiniert, mit technischer Brillanz und frischer Energie. Ein makelloser Auftritt wie aus einem Guss. Wie schrieb doch der Rezensent des „International Composer“ nach einem Konzert im April 2007: „Vier Hände spielen wie zwei.“ Treffender hätte man auch den Auftritt in Lennep nicht beschreiben können.
Quelle: Bergische Morgenpost / 20.08.2009
Miniaturen und Monumente
Die Konzertreihe "Weltklassik am Klavier" hat sich in Oeynhausen voll etabliert. Trotz besten sommerlichen Ausflugswetters schaffen es die jungen Künstler, denen eine große Karriere bevorsteht, die Wandelhalle zu füllen. So auch die 23-jährige Pianistin Mimi Jue Wang, die mit einer außergewöhnlichen Programmauswahl überraschte.
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Die erst 23-jährige chinesische Pianistin Mimi Jue Wang sorgte am Sonntag für atemberaubende musikalische Momente in der Wandelhalle. Foto: Neue Westphälische
Presse
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Domenico Scarlatti gilt als Erfinder der Klavier-Solosonate. Gleich 555 einsätzige Werke hat der italienische Komponist des Spätbarock verfasst. Drei seiner kurzen Sonaten, die die Sonatenhauptsatzform bereits erahnen lassen, brachte die chinesische Künstlerin am Sonntag zu Gehör.
Mit erfrischend wenig Pedaleinsatz erklang die Sonate in E-Dur K. 20, und wohlklingende Echowirkungen rief Mimi Jue Wang in der d-Moll-Sonate K. 5 hervor. Mit einem kühnen Lauf begann die Sonate K. 29. Das häufige Übergreifen der Hände und die extrem weiten Intervalle machen sie zu einem technisch anspruchsvollen Werk.
Doch wenn man sich das übrige Programm betrachtete, gewann man den Eindruck, dass Scarlatti der Asiatin nur zum Warmspielen gereichte. In der Adaption des Bach-Chorals "Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ" aus dem "Orgelbüchlein" durch Ferruccio Busoni ließ Wang den cantus firmus, die motorisch antreibende Mittelstimme und das Bassfundament so differenziert erklingen, dass man glaubte, die verschiedenen Register einer Kirchenorgel zu hören.
Fast übergangslos schloss sich Frederic Chopins Nocturno Op. 55 Nr. 3 in Es-Dur an. Auch hier fiel Mimi Jue Wangs Gabe auf, Mittelstimmen hervortreten zu lassen.
Als letztes Werk dieses Programmteils spielte die Pianistin das ungewöhnlichste Werk des Abends: Band 1 von Ferruccio Busonis "Indianischem Tagebuch". Der Spätromantiker findet hier zu einer bisweilen exotischen Klangsprache höchster Expressivität. Meisterlich setzte sich Mimi Jue Wang über alle technischen Schwierigkeiten in den vier Charakterstücken hinweg und konnte sich so voll auf die Gestaltung der verschiedenen Sätze konzentrieren. Sollte es Wang in einer Woche gelingen, die hiesige Leistung beim Busoni-Wettbewerb in Bozen zu wiederholen, so ist ihr einer der ersten Preise sicher.
Nach der Pause wagte sich Mimi Joe Wang an ein Monumentalwerk. Schuberts halbstündige Sonate in c-Moll D 958 entstand in seinem Todesjahr und lässt in vielfältiger Weise eine Todesahnung heraushören. Erstaunlich war es, wie die zart gebaute Pianistin im ersten Satz neben den lyrischen Passagen die Kraft verlangenden, vollen Akkordreihungen in ihrem Spiel umsetzte.
Der friedlich, warme langsame Satz steigerte sich zu einem dramatischen Höhepunkt und verklang auf gleiche Schubertsche Manier, in der er begonnen hatte.
Nach dem heiteren Menuetto fand Schubert im Schlusssatz trotz des Allegro-Tempos wieder zur todesahnenden Klangsprache des ersten Satzes zurück. Drastisch ging Wang auf extreme Brüche in der Musik des Komponisten ein und überzeugte einmal mehr durch ihr großes gestalterisches Talent.
Nach lang anhaltendem Beifall spielte Mimi Jue Wang eine kurze atemberaubende Zugabe von Sergej Prokofjew.
Quelle / Foto: Von Wilhelm Friedemann / Westfalen Blatt / 16.08.2009
Beifall-Orkan für Tastentiger
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Haiou Zhang löste im Tibus-Saal einen Beifall-Orkan aus. Foto:(cws)
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Münster - Die Menschheit hat es herrlich weit gebracht und baut inzwischen Teleskope, die in weit entfernte Galaxien hineinhorchen. Aber wo bitte ist der Ingenieur, der ein Hörgerät konstruiert, das kein lästiges Dauerfiepen von sich gibt? Die Frage mag sich vielleicht auch Haiou Zhang gestellt haben, während er sich tapfer an Mozarts Klaviersonate F-Dur (KV 332) machte. Doch nach der Hälfte des ersten Satzes brach er sein Spiel am Sonntag im Tibusstift ab - und los ging die Suche nach einem nicht zu lokalisierenden, nervig permanenten Piepsen. Für den Rest der Sonate war dann Ruhe, bis sich der kleine Helfer im Ohr erneut bemerkbar machte und Beethovens „Mondschein- sonate“ jeglichen melancholischen Zauber zu rauben drohte. Aber so weit kam es nicht, die Störquelle ward abermals gefunden.
Haiou Zhang ging den dynamischen Extremen in Beethovens Sonate nach, vom in sich versunkenen Pianissimo bis zu den harten Akkordschlägen des Presto agitato. Eine Mark erschütternde Interpretation, faszinierend von Anfang bis Ende. Der junge, 1984 in China geborene Pianist, ist inzwischen auf den renommierten Konzertpodien der Welt zu Hause, sein Auftritt im Rahmen der gerade erst gestarteten Konzertreihe „Weltklassik am Klavier“ ein Glücksfall für das münstersche Publikum im fast bis zum den letzten Platz vollbesetzten Saal des Tibusstiftes.
Dort war im zweiten Teil Musik von Franz Liszt zu bestaunen: Liszt, der Mann mit Sinn für Showeffekte wie in der Ungarischen Rhapsodie Nr. 2 - und Liszt, der Transzendente wie in den „Wasserspielen der Villa dEste“ oder dem Petrarca-Sonett 123. Mit Haut und Haar versank Haiou Zhang in diesen so unterschiedlichen Welten, markierte hier mit überschäumender Energie den Tastenlöwen, zeigte sich dort als subtilen Poeten, der Liszt wie ein kleines Geheimnis aus den Klaviertasten streichelte. Mucksmäuschen still war es, die Zuhörer wie elektrisiert.
Der Beifall geriet am Ende erwartungsgemäß zu einem Orkan, für den Haiou Zhang sich bedankte - mit einem Stück aus eigener Feder, geschrieben zum Geburtstag seiner Freundin. Und das ist des Rätsels Lösung, weshalb es in ein wuchtiges „Happy Birthday“ mündet. Nun, irgend jemand im Publikum hatte am Sonntag bestimmt Geburtstag und freute sich innerlich.
Quelle: VON CHR. SCHULTE IM WALDE / Westfälische Nachrichten, 27.07.2009 / Internet:
http://www.westfaelische-nachrichten.de/lokales/muenster/kultur/1096921_Beifall_Orkan_fuer_Tastentiger.html
"Pianist Denys Proshayev begeistert"
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Denys Proshayev
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(acs). Als "Sommerhiglight" wurde der junge aus der Ukraine stammende Künstler angekündigt. Pianist Denys Proshayev, Preisträger des ARD-Wettbewerbs 2002, hielt am Sonntag, was seine lebhafte musikalische Vita verspricht.
Der Pianist spielte im Rahmen der Reihe "Weltklassik am Klavier" im Lüttringhauser Ratssaal Werke von Brahms, Beethoven, Schumann und Schubert. Während das Publikum beim Auftakt, Schumanns Davidsbündlertänzen, noch etwas verhalten reagierte, spürte man im zweiten Teil des Konzerts - Beethovens "Für Elise", Sonate Nr.8 op 13 in c-moll und Schuberts Sonate in a-moll - zunehmend mehr Begeisterung.
Die Remscheider waren zahlreich erschienen. 85 von ursprünglich nur 70 vorgesehenen Plätzen waren belegt. "Wir mussten Stühle dazu stellen und leider auch Leute wegschicken", bedauerte Andrea Lugg von "Weltklassik am Klavier". Für die kommenden Veranstaltungen der Reihe müsse man sich etwas einfallen lassen. "Der Raatssaal wird für die große Resonanz unserer Konzerte langsam zu klein", sagt Andrea Lugg. "Möglicherweise müssen wir über einen Ortswechsel nachdenken."
Die nächste "Weltklassik am Klavier" präsentieren zwei junge Südafrikanerinnen in der Klosterkirche. Am Sonntag, 16. August, haben Cara Hesse und Laura Pauna Melodien von Mozart, Schubert, Dvorak und Ravel im Gepäck."
Quelle: RGA Aktuell, 21.07.2009, Weltklassik am Klavier in Remscheid, Andreas Kratz
Ein Tastentiger zeigt sehr viel Seele
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Haiou Zhang
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LAHR. Es gibt das Klischee vom fernöstlichen Tastentiger, der technisch brillant, aber ohne die deutsche romantische Tiefe – auch so ein Klischee – spiele. Bei seinem ersten Besuch bei der Reihe "Weltklassik" in Lahr vor zwei Jahren wirkte der 22-jährige Haiou Zhang perfekt und ein wenig kühl. Am Samstag zeigte der Ausnahmepianist nun viel Seele.
Haiou Zhang strahlt Lockerheit aus, wenn er in roten Jeans den mit 80 Zuhörern gut besetzten Pflugsaal betritt. Er beginnt unspektakulär mit Mozarts F-Dur-Sonate, KV 332. Leichtes Perlen, schöne Melodie. Dann blitzt es zum ersten Mal auf. Kräftige Akkorde links, ausschweifende Arpeggien rechts. Zhang spielt es mit gebändigter Kraft – doch man merkt: Der kann explodieren. Das tut er bei Mozart kontrolliert, so bei den Akkordschlägen in der Satzmitte – und kehrt sofort zurück zur Zartheit, zur leichten Hand. Ganz und gar innig, ist er dann beim Adagio. Aber wer könnte bei so einem wunderbaren Mozart-Adagio auch an Koketterie denken.
Über Beethoven kommt Haiou Zhang dann zu Liszt. Er spielt zunächst einige Werke aus dessen "Années du pelerinage", schweifige, hoch romantische Stücke, nicht selten Programm-Musik. Klänge, in denen man Baden kann. Etwa das nicht im Programm verzeichnete "Les jeux d’eau de villa d’Este". Das Anwesen bei Tivoli nahe Rom ist berühmt durch seinen Garten mit den Wasserspielen. Liszt lässt uns via Haiou Zhang daran teilhaben. Da ist zunächst sanftes Kräuseln, Tröpfchen zerstäuben, als seinen sie körperlos. Körperlos ist auch der Klavierklang, den Zhang erzeugt. Dann quillt es auf, es plätschert und kaskadiert, immer silbrig-fein und von permanentem Fluss. Die eigentliche Musik liegt in der linken Hand: Kleine, mit bedacht gesetzte Tontropfen – oder sind es Glöckchen? – ergeben eine heitere, entspannte Melodie. Hier zu flanieren, so freundlich umtost, muss eine Wonne gewesen sein.
Dann wird aus dem Gesprudel ein Schäumen, die Bässe rollen, schwere Fontänen schießen empor, beeindruckende Fälle ergießen sich kraftvoll, bis alles wieder zerrinnt. Ein paar Tropfen fallen noch, werden gefangen von lieblichen Wellen, die rasch verebben.
Zhang arbeitet mit Signalpausen und ahnungsvollem Pianissimo. Harte, kantige Anschläge unterstreichen die Stimmungs- und Tempowechsel, insbesondere bei der Rhapsodie Nr. 2, cis-Moll. Hier in der Puszta-Glut ist einer wie er daheim.
Weltklassik macht nun Pause bis Oktober. Bleibt zu hoffen, dass Haiou Zhang auch ein drittes Mal nach Lahr kommen wird.
Quelle: von Robert Ullmann, 14. Juli 2009, Badische Zeitung
In schlanker Gestalt ein großes Talent
Mimi Jue Wang spielte im Alten Rathaus Stadtoldendorf
(-ek) Für den 6. Klavierabend der Reihe "Weltklassik am Klavier 2009" hatte die aus Tianjin, China gebürtige, zurzeit in Hannover wohnende Pianistin Mimi Jue Wang ein Programm gewählt, in dem verschiedene Seiten ihres Talents zur Geltung kamen. In den Sonaten von Scarlatti, mit denen sie die Soiree eröffnete, war es die klare Ausführung der fein gegliederten Notentextur bei Vermeidung von Gefühl bedingten Temposchwankungen und Akzenten, die dem Cembalospiel des frühen 18. Jahrhunderts fremd waren. Im zweiten Werk vor der Pause, Chopins Klaviersonate op. 35, war es, neben der selbstverständlichen Beherrschung der technischen Schwierigkeiten, die Meidung hämmernder Gewalt in den kraftvollen Passagen, und der singende Ton in den lyrischen Kontrastthemen.
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Mimi Jue Wang
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Bei Schuberts Sonate D958, die das Programm beschloss, liegt das Charakteristische vor allem im Kontrast zwischen der von Beethoven vorgegeben Konsequenz der dramatischen Entfaltung der großen Form und den poetischen Abschweifungen - manchmal nur in einem einzigen, unerwarteten Akkord - die diese Konsequenz konterkarieren. (Alfred Brendel schrieb: "Im Vergleich zu Beethoven, dem Architekten, komponierte Schubert wie ein Schlafwandler.")
Auch in Hinblick auf die Rollen, die Kompositionen im Leben ihres Komponisten spielen, repräsentierten die drei Teile des Programms eine frappierende Vielfalt. Chopin komponierte seine 2. Klaviersonate 1837 als er, 27jährig, die Höhe seines Ruhmes und seiner Schaffenskraft erreicht hatte. Schubert schuf die drei letzten seiner über 20 Klaviersonaten, zusammen mit der großen Es-Dur Messe und seinem Streichquintett, 31jährig und an Syphilis erkrankt, in der Schaffensexplosion seines letzten Lebensjahres (1828). Hingegen spielten Domenico Scarlattis als "Sonaten" berühmt gewordenen kurzen Cembalostücke im Leben und Nachruhm des Komponisten eine ebenso unbeabsichtigt dominierende Rolle wie Max und Moritz für Wilhelm Busch und die Galgenlieder für Christian Morgenstern. Als Domenico Scarlatti 1719, 34jährig, den Ruf an den Hof des Königs von Portugal als Hofkomponist und Kapellmeister annahm, hatte er sich bereits in Italien als Kapellmeister am Hof des Königs von Neapel und später am Vatikan etabliert und neben Opern und Kantaten auch geistliche Vokalmusik komponiert. Er war zudem ein hervorragender Cembalospieler und Organist; ein Wettstreit mit dem gleichaltrigen G. F. Händel in Rom war 1708 unentschieden ausgegangen. So wurde er am portugiesischen Königshof neben seinen übrigen Aufgaben auch mit dem Cembalo Unterricht der Tochter des Königs beauftragt. Als diese 10 Jahre später durch Heirat Königin von Spanien wurde, folgte er ihr nach Sevilla und später nach Madrid. Sie muss eine gute und anhängliche Schülerin gewesen sein. Im Rahmen seiner Aufgabe schrieb Scarlatti für sie kleine Essercizi (Übungen), in denen er seine Ideen ohne äußere formale Zwänge festhalten konnte. Bald sprach sich die hohe musikalische sowie didaktische Qualität dieser Stücke herum. Italienische und englische Bewunderer des Komponisten nahmen handschriftliche Kopien in ihre Heimatländer mit, wo sie schnell Verleger fanden. Im Laufe der Jahrzehnte komponierte Scarlatti stets neue Essercizi und diese fanden immer weitere internationale Verbreitung. 1742 druckte ein venezianischer Verleger 62 davon unter der Bezeichnung ‚Sonate'- ein befremdender Einfall, da schon damals nur mehrsätzige Werke so genannt wurden. Seit über 250 Jahren begründen diese Sonaten Scarlattis Ruhm, während sein gesamtes übriges Schaffen in Vergessenheit geraten ist.
Mimi Wang hat die musikalische Intelligenz, sich auf die jeweiligen Vorstellungen der Komponisten einzustellen und versteht diese klar zu vermitteln. Das zeigte sich z.B. in ihrer Verwendung des einzig wichtigen "Registers" des Klaviers, das rechte Pedal, das alle Dämpfer hebt und die angeschlagenen Saiten lange nachklingen lässt. In den Sonaten von Scarlatti verwendete sie es nur punktuell, denn das Cembalo besitzt kein entsprechendes Register. Bei Chopin und Schubert setzte sie es differenziert ein: In den langsamen Sätzen sparsam, um überbordende Sentimentalität zu meiden, was besonders dem Trauermarsch aus Chopins Sonate zugute kam. In den schnellen Sätzen wagte sie manchmal die "harmonische Unschärfe", das "atmosphärische Ineinanderfließen von Tonika und Dominante", das laut Alfred Brendel "nicht Undurchsichtigkeit, sondern ein transparentes Opalisieren" bewirken kann und soll. Eine Ausnahme machte sie beim abschließenden Presto aus Chopins Sonate, ein in der Musikliteratur einzigartiges Stück, aus dem alles Menschliche, jede Melodie oder Gefühlsregung gebannt ist und in dem nur eine Naturgewalt - Wind - Wellen - zu herrschen scheint. Sie spielte es (so meine ich) ganz ohne Pedal. In ihrer Zugabe, eine Nocturne aus Chopins op. 55, ließ sie die Harmonien bisweilen wieder verschwimmen, um eine nächtlich traumhafte Atmosphäre zu schaffen.
Die Pianistin schaffte es auch, sich in der kurzen Zeit, die vor dem Konzert zum Einspielen zu Verfügung steht, auf die Gegebenheiten des alten Rathauses einzustellen. So schloss sie, im Gegensatz zu den meisten (oder allen?) ihrer Vorgänger, den Deckel des Flügels völlig, eine ungewöhnliche aber im Alten Rathaus durchaus angebrachte Maßnahme. Dabei kam ihr und dem Publikum zugute, dass die ersten Sitzreihen weiter nach hinten gerückt worden waren als bisher.
Insgesamt wieder ein "Weltklassik"-Konzert, an das man sich lange erinnern wird. Der lebhafte Beifall des Publikums bestätigte diese Meinung.
Quelle: S. Jellinek - Täglicher Anzeiger Holzminden / 14.07.2009
Haiou Zhang – der "Tastentiger" war in Lahr

Große Aufmerksamkeit erregt der junge Pianist Haiou Zhang in letzter Zeit auf internationalen Konzertbühnen. Er ist mit seinen 22 Jahren bereits im Olymp zu Hause. So konnten fast 100 Zuhörer am 11. Juli im Lahrer Pflugsaal ein brillantes Klavierkonzert erleben, dem sich die Worte entziehen. Seine Karriere begann im Jahr 2005 beim Braunschweig-Classix- Festival, wo er einen gefeierten Auftritt hatte. 2007/08 gastierte er unter anderem in der Philharmonie Berlin, in der Laeiszhalle Hamburg, in München am Gasteig, in der Tonhalle Düsseldorf, im Kölner Gürzenich und im NDR-Funkhaus Hannover. Er spielte in Toronto, Chicago, Los Angeles und New York. Außerdem konzertierte er mit großen Orchestern.
In Lahr setzte er sich in roter Hose, weißem Hemd und frisch gestylter Frisur an den Flügel und spielte im ersten Teil die „Klaviersonate F-Dur" von Mozart. Haion Zhang begann temperamentvoll, er scheint den Flügel wie eine Beute zu belauern, schlägt zu, wenn es keiner erwartet und bearbeitet die Tasten mit einer so nur selten zu erlebenden Intensität. Dann bei Beethovens „Klaviersonate cis-moll" wurde er in den Tiefen emotionaler Rührung fast melancholisch.
Nach der Pause betrat Haiou Zhang die Bühne in seinem schon fast bekannten feuerroten Anzug. Den zweiten Teil hatte er ganz dem Komponisten Franz List gewidmet. Er begann mit der Etüde „La leggierezza" – ein Liebesspiel mit dem Klavier. Bei „Consolation Nr. 3 in Des-Dur" tauchte er ein wie in ein perlendes Wasserspiel. Er zelebrierte einen Stimmungs- und Tempowechsel, machte Kunstpausen und dann wieder harte, trockene Anschläge, dass einem der Atem stockte. Den absoluten Höhepunkt setzte er mit der „Ungarischen Rhapsodie Nr. 2 cis-moll". Da erlebten die Zuhörer den „Tastentiger" pur. Ein Feuerwerk wie man es noch nicht erlebt hat. Nach zwei Zugaben und einem „Happy Birthday" für das 30. Konzert in der Reihe „Weltklassik am Klavier" verneigte sich ein großer Klaviervirtuose.
Quelle: Ortenau 11.07.2009 - Ferdinand Brandenburg
Motoi Kawashima in der Reihe "Weltklassik am Klavier" zu Gast
ALTENA Rund 80 Zuhörerinnen und Zuhörer konnten jetzt ein Konzert des japanischen Pianisten Motoi Kawashima in der Burg Holtzbrinck verfolgen. Dem kleinen, aber offensichtlich sachverständigen Publikum präsentierte der Künstler Werke von Beethoven, Brahms und Schubert.
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Motoi Kawashima (Foto: hb - Altenaer Kreisblatt)
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So standen neben der "Mondscheinsonate" von Beethoven auch vier Stücke aus dem Opus 116 (Fantasien) von Brahms sowie die Wandererfantasie in C-Dur von Schubert auf dem Programm. Ganz offensichtlich genossen die Zuhörerinnen und Zuhörer den Vortrag Kawashimas.
Er beherrschte sein Instrument bravourös. Auffällig war dabei, dass der Musiker für seinen Auftritt auf Noten verzichtete. Er spiele sozusagen "aus dem Kopf." Allein das mag die Besonderheit seines Vortrages bezeichnen.
Das Publikum honorierte das virtuose und gefühlvolle Spiel des jungen Pianisten mit großem Applaus. Kawashima wurde in Okayama geboren. Seine Mutter, begeisterte Musikanhängerin, zwang ihn nach eigenen Angaben dazu, Klavier spielen zu lernen. "Freiwillig hätte ich das nie gemacht", sagt der Künstler schmunzelnd. Doch er fand Gefallen an der Musik und ist heute als Konzertpianist tätig - und sehr erfolgreich.
Er lebt seit etwa zehn Jahren in Deutschland, tritt jedoch weltweit auf. Im Sommer 2006 nahm Kawashima eine CD mit Werken von Franz Schubert auf.
Quelle: hb - Altenaer Kreisblatt 21.06.2009
Fantastische Klaviermusik
Mit Fantasien der Klavierliteratur von der Klassik bis zur Spätromantik setzte Motoi Kawashima die Konzertreihe "Weltklassik am Klavier" in der Wandelhalle fort. Der gebürtige Japaner wurde in Bad Oeynhausen vor allem für seine Interpretation der "Wanderer-Fantasie" von Franz Schubert vom Publikum gefeiert.
Die Gattung der Fantasie stellt den Komponisten in seinem Schaffensprozess vor die größtmögliche Freiheit im Umgang mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln. Viele Freiheiten bei der Interpretation der Kompositionen erlaubte sich auch der junge Japaner Motoi Kawashima. Es stellt sich nicht die Frage, ob er das darf; der moderne Konzertflügel lädt regelrecht dazu ein. Ob das Ergebnis allerdings immer gelungen ist, steht auf einem anderen Blatt.
Mozarts c-Moll-Fanasie spielte der Pianist mit viel Pedaleinsatz bei den gebrochenen Akkordfiguren und phrasierte sehr romantisierend. In der d-Moll-Fantasie gab Motoi Kawashima jedem Versatzstück, aus denen die Komposition zu bestehen scheint, einen eigenen Charakter. Lange Läufe huschten virtuos und rasch über die Klaviatur.
Beethovens sogenannte Mondscheinsonate ist im ersten Satz mit "quasi una fanasia" überschrieben. Kawashima interpretierte ihn bewusst verhalten und ohne jede Erregung. Im Allegretto arbeitete der mit internationalen Preisen hochdekorierte Pianist gut die vielen Spannungen heraus. Eine enorme Steigerung erfuhr sein Spiel im Finalsatz, das einem Feuerwerk virtuoser Leidenschaft gleichkam.
Im zweiten Programmteil offenbarte sich, dass die wahre Stärke Kawashimas in der Interpretation romantischer Werke liegt. Mit großer Differenziertheit und einem Gespür für die Musik dieser Epoche spielte der Japaner vier Stücks aus Johannes Brahms' op. 116. Die überschwänglichen und ausgelassenen Capricen 1 und 7 rahmten die introvertierten Intermezzi 4 und 6 ein.
Ein furioses Konzertfinale setzte Kawashima mit der "Wanderer-Fantasie" von Franz Schubert. Trotz kühner Tempi gelang ein makelloser Vortrag, der jede Facette dieser reichhaltigen Klavierfantasie beleuchtete und nach außen kehrte.
Nach minutenlangem Applaus spielte Motoi Kawashima ein Impromptu von Francis Poulenc, das dieser der französischen Chansonnière Edith Piaf widmete.
Quelle: von Wilhelm Friedemann / Westfalenblatt 15.06.2009
Feingliedrige Tastentigerin macht Laune
LAHR/OFFENBURG. Virtuos gespieltes Klavier zu hören macht halt doch immer wieder Laune. Marina Baranova, die am Wochenende bei "Weltklassik" in Lahr und Offenburg gastierte, interpretierte die dargebotenen Werke – Beethoven und Brahms – nicht nur mit Virtuosität, sondern auch mit Geist. Beethovens "Waldstein"-Sonate zum Beispiel. Das dunkle Thema zum Beginn stellt sie nicht romantisierend-geheimnisvoll dar, sondern entschlossen, selbstbewusst – und wendet es durch den verspielten Nachklang in der rechten Hand mit den hohen, leicht dahin geperlten Tönen ins Elegante.
Läufe haben Rasanz und Leichtigkeit zugleich
Das innige Lied im Adagio hebt sie heraus, indem sie die Töne stanzt, während darunter leise die Arpeggien plätschern. Immer wieder Gegensätze: Drängen, das sich mit Eleganz kreuzt. Zackiges steht neben Neckischem. Das sehr auffällige Thema des Schlusssatzes klingt nach "Glocke", sehr hell, ausschwingend.
Man kommt zu dem Eindruck, die Baranova strebt bei ihrem Beethoven den Klang des zu jener Zeit üblichen Hammerflügels an, der viel leichter, sirrender, weniger körperbetont ist als der heutiger Konzertflügel. Die Läufe der ukrainischen Pianistin haben Rasanz und zugleich eine große Leichtigkeit, es sprudelt wie von unzähligen kleinen Bläschen. Bei Beethovens As-Dur-Sonate, opus 110, fliegen ihre Finger die Achteltreppen hinauf, bis die ganze, weit ausgeholte Bewegung in einem Seufzer erlischt.
Die Musik federt und schwingt – weil ihr Vater Jazzmusiker ist?
Und kaum ist ausgeseufzt, blubbert die Achtelbewegung im Bass, nicht all zu kräftig, aber doch hörbar köchelnd. Leichtigkeit beherrscht auch die rasendsten Stellen. Da gibt es expressive Momente mit prägnanten Akkordschlägen, mit hurtigem Huschen in den hohen Lagen und murmelnden Synkopen im Bass. Beim Übergang zu Satz zwei, der diesmal kein Adagio, sondern eine Beschleunigung – molto allegro – bringt, lässt sie den letzten "Sprudler" schön nachhallen und zieht den letzten Rest des verschwebenden Klangs hinüber in den Beginn der neuen Bewegung. Toll. Den Sechs-Achtel-Rhythmus dieses Teils hält sie mit swingenden Stakkati in Bewegung, das Fugenthema zum Schluss wird wiederum "glockig" herausgestellt.
Als echte Tastentigerin präsentiert sie sich nach der Pause, mit den Paganini-Variationen, opus 35, von Brahms: Rasche Akkordfolgen im Stakkato, ein halblauter, irrsinniger dichter Rhythmuswirbel. "Non troppo presto" ist das Werk unterschrieben, "nicht gar zu schnell". Aber Baranova befindet sich nun auf der Pianistenautobahn und hält die Drehzahl oben. Was nicht heißt, dass sie sich in markigen Kraftprotzereien verliert. Gerade das tut sie nicht. Ihr Anschlag bleibt feingliedrig, ihre Lautstärke im Mittelbereich. Die Musik federt und swingt. Vielleicht liegt es daran, dass ihr Vater Jazzmusiker ist?
Baranova zeigt einen Brahms, der aus dem Blickfeld verloren ging
Köstlich ist ein vexierter Walzer, klirrend in der rechten Hand, besoffen torkelnd im Bass. Oder der harlekineske Marsch, grell, zinnsoldatenhaft. Oder wir hören eine Spieldosen-Melodie, die sich immer schneller zu wiederholen beginnt, als würde der Uhrwerk-Mechanismus ausrasten. Baranova zeigt uns einen Brahms, den wir aus dem Blickfeld verloren haben, nämlich Brahms, den Klaviervirtuosen mit seiner kauzigen Lust an pianistischen Kabinettstückchen und humorigen Verzerrungen. Das Konzert endete mit ironisch-wuchtigen Akkordbergen und großem Applaus für die Künstlerin.
Quelle: Robert Ullmann, Badische Zeitung 12.06.2009
Fulminanter Filzverlust
Münster - Mozart als jugendlicher Feuerkopf? Einer, der mit seiner Musik wie wahnsinnig losstürmt und seinen Zuhörern rauschhaften Taumel besorgt? Laura Pauna und Cara Hesse scheinen „ihren“ Mozart genau so zu verstehen, jedenfalls bringen sie dessen vierhändige Klaviersonate C-Dur mit einer Rasanz, die einfach umwerfend ist. Mit kühnem Tempo, quirlig und frisch. Wer da am Sonntag im Tibusstift am Tibusplatz nicht die Ohren vom ersten Takt an spitzte . . .
Das aus Südafrika stammende, in Hannover studierende Klavier-Duo sorgte für die fulminante Eröffnung einer neuen Reihe im Tibus: „Weltklassik am Klavier!“ Und kaum ein Platz im großen Veranstaltungssaal blieb frei - sehr erfreulich. Aber vor allem künstlerisch war dieser Auftakt glanzvoll.
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Laura Pauna und Cara Hesse (v. l.).
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Dem ganz auf Virtuosität hin angelegten Mozart folgten Schuberts „Marches characteristiques“ mit all jenen Pauken und Trompeten, Hörnern und Flöten, die Schubert raffiniert in seine Klaviermusik mit hineinkomponiert hat. Laura Pauna und Cara Hesse nahmen auch diese Gelegenheit wahr, ordentlich aufzudrehen. Marsch ist halt Marsch! Und als wäre noch nicht genug explodiert, heizten sie mit Antonín Dvoráks Slawischen Tänzen Nr. 5 und 6 ein weiteres Mal ein. Und dies bis zum Schluss, als noch eine Schaufel glühender Kohlen extra nachgeschoben wurde. Die Hämmer des Flügels dürften an diesem Abend ein paar Zehntelmillimeter an Filz eingebüßt haben.
Doch die beiden jungen Pianistinnen sind beileibe nicht nur Kraftmeier. Sie haben, wenn es darauf ankommt, eine feinfühlige Antenne für das Tragische, Melancholische, mit dem Schubert seine zutiefst berührende f-Moll-Fantasie beginnen lässt. Da schluchzt das Klavier, da verschwindet die Musik im Nichts. Solche Augenblicke fesseln mindestens genau so wie die flirrenden Stimmungsbilder von Maurice Ravel. Dessen Spanien-Impressionen gestalten Laura Pauna und Cara Hesse wie flüchtige Erinnerungen - voller Sinnlichkeit und reich an Farben. Und alles wirkt wie aus einem Guss: die beiden spielen mit unglaublicher Präzision, aber immer auch mit dem völlig gleichen Pulsschlag. Da ist das Zuhören ein pures Vergnügen.
„Weltklassik am Klavier!“ hat sich viel vorgenommen. Im Tibus am Tibusplatz gibt es bis Ende des Jahres bereits sieben weitere Termine - jeweils am letzten Sonntag im Monat. Wenn das hohe Niveau des Auftakt-Abends sich fortsetzt, wird es ohne Frage spannend!
Westfälische Nachrichten - Münster - von Chr. Schulte im Walde - 3. Juni 2009
Pianistin berührt ihr Publikum
"Weltklassik am Klavier" in der Burg Holtzbrinck mit der jungen Marina
Baranova aus der Ukraine. Klassische Poesie voller Klangfarben. Zum
Einspielen die Waldsteinsonate
ALTENA Wenn Marina Baranova beginnt, Klavier zu spielen, scheint die Zeit stillzustehen. Im Rahmen der Konzertreihe "Weltklassik am Klavier" entführte die ukrainische Pianistin die Zuhörer in der Burg Holtzbrinck in eine Welt klassischer Poesie voller Klangfarben und faszinierender Differenziertheit, wie man sie selten zu hören bekommt.
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Die junge Pianistin Marina Baranova begeisterte ihr Publikum nicht nur - sie berührte es. Das verriet der Künstlerin eine Zuhörerin persönlich während der Pause. Foto: Alijah
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Vielleicht lag es am Ambiente der Burg Holtzbrink. Vielleicht lag es aber auch an ihrem Vater, der, selbst Jazz-Pianist, sie bereits im Alter von drei Jahren mit der Improvisation am Klavier vertraut gemacht hatte.
Das prägte die junge Ukrainerin bis heute in ihrem Klavierspiel. So spielte sie nicht einfach Noten, sondern erzählte eine musikalische Geschichte und nahm die Zuhörer mit auf eine Reise voller klanglicher Schönheit. Mit sicherem Gespür für die Struktur des Werkes lieferte sie sehr souverän eine durchsichtig gegliederte Interpretation der Waldsteinsonate von Beethoven, eines jener anspruchsvollen Klavierwerke, an denen so mancher Pianist scheitert. Baranova nicht. Sie spielte sich mit dieser Sonate ein. Mucksmäuschen still war es auch im Saal, als Baranova die symphonischen Etüden von Schumann interpretierte. Ein Werk, das sie erstmals vortrug und in das sie sich, wie sie sagt, verliebt hat. "Ihr Spiel hat mich sehr berührt," kommentierte eine Zuhörerin in der Pause. Im Anschluss folgte mit Beethovens As-Dur Sonate ein nicht minder anspruchsvolles Werk voller Poesie, differenzierter Klangmalerei und Virtuosität. Mit den Paganini-Variationen von Brahms setzte Baranova ihr Programm fort. Auch dieses Werk spielte Baranova in atemberaubender Technik und versteht es, den musikalischen Charakter selbst in schwierigsten Passagen herauszuarbeiten. Die Zuhörer dankten ihr es mit lang anhaltendem Beifall. Baranova quittiert dies mit der Zugabe einer Scarlatti-Sonate in C-Dur. Dem Publikum gefiel das Konzert auf allerhöchstem Niveau.
Altenaer Kreisblatt, 20. Mai, Foto/Text: Yasmin Alijah
Zu zerbrechlich, um es festzuhalten
LAHR/OFFENBURG. Hatten sie nun was miteinander oder nicht? Nein, die Rede ist nicht von Brad Pitt und Nicole Kidman, sondern von Johannes Brahms, junger Komponist, und Clara Wieck, arrivierte Virtuosin und Gattin von Chef-Romantiker Robert Schumann. Der junge Pianist Gabriele Leporatti stellt diese Frage, wenn auch indirekt, durch sein Programm bei "Weltklassik am Klavier" am Samstag im Pflugsaal Lahr und am Sonntag im Offenburger Salmen, das mit Brahms Sonate in fis-Moll begann.
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Gabriele Leporatti | Foto: promo
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Das Werk ist nicht dezidiert Clara Schumann-Wieck gewidmet, doch wurde es von dieser aufgeführt und gewiss auch verstanden. Brahms verbindet man vielleicht mit dem Bild vom massigen älteren Herrn mit Rauschebart, vom Komponisten, der in Sinfonien und Streichquartetten teils sperrige Themen in sperrige Form zwingt, vom Künstler, dem alles ein wenig zu ernst zu geraten scheint.
Dem setzt Leporatti einen deutlichen Kontrapunkt entgegen. Die fis-Moll-Sonate, opus Nr. 2, stammt von einem stürmischen jungen Mann, schwelgerisch, genialisch, überbordend vor Ideen und Motiven. Das beginnt mit energischen Akkordschichtungen, nicht explosiv, aber zupackend. Die Kraft der Begeisterung steckt darin. Erdige Bässe kontrastieren mit Arpeggien, die belebend wie kleine Fontänen wirken. Zugleich ist da immer eine Sanftheit, ein zärtliches Drängen – wobei Letzteres vielleicht dem fantastichen Gabriele Leporatti zu verdanken ist und seinem höchst kultivierten Spiel.
Nie an diesem Abend braucht er martialische Wucht, um Kraft oder Vehemenz auszudrücken. Er hat feinere Mittel zur Verfügung, und gerade seine Mischung aus Energie und Leichtigkeit lässt uns einen Brahms erstehen, der jung und neu ist, ein Künstler, zugewandt, der mit diesem Werk die Welt zu umarmen scheint.
Ganz wunderbar das Thema des Adagio-Satzes, vier tropfende, von einander losgelöste Töne, denen sphärische Echos folgen, ganz durchscheinende, körperlose Klänge voller Hingabe. Es ist wie ein Seufzer der Erfüllung, die Darstellung von etwas, das zu zerbrechlich ist, um es festzuhalten. Der kaum 20-jährige Brahms leitet mit einem humorig-gestelzten Quasi-Menuett als Scherzo schon nach kaum acht Takten über in eine gefühlige, liedhafte Melodie, um dann im letzten Satz pianistischen Potenz zu demonstrieren.
Leporatti spielt das mit Gefühl und an den richtigen Stellen mit einer gerade noch spürbaren ironisch-respektvollen Distanz für dieses so glücklich gestimmte Jugendwerk eines genialen Schwärmers.
Zum Zeitpunkt der Entstehung des nächsten dargebotenen Brahms-Werkes, der Variationen über ein eigenes Thema Nr. 1, opus 21, war der Komponist Mitte zwanzig, Schumann war tot, die Liebe zumindest seitens der Dame kühler geworden. Brahms scheint ihr nachzuspüren in diesem lyrischen Thema, mit leiser Trauer. Die Musik fließt voller Harmonie, verträumt, weich, gern seufzend, schlank.
Als Kontrast gibt es Schumanns Sonate opus 11 in fis-Moll, entstanden 20 Jahre, ehe Brahms die Schumanns aufsuchte: "klassische" Romantik, das Genie tobt sich mit Vehemenz und Schwelgen.
Hatten sie nun etwas miteinander oder nicht? Wir ahnen es nur. Das Paar selbst war da sehr vorsichtig, denn, so Johannes in einem Brief an Clara: "Es kommt ja alles in die Zeitungen."
Von Robert Ullmann - Badische Zeitung, 7. Mai 2009
Wenn das Glück Purzelbäume schlägt
Der italienische Pianist Gabriele Leporatti überzeugt in der Wandelhalle mit emotionsgeladenen Dramen
Bad Oeynhausen. Was wirklich zwischen Clara Schumann und Johannes Brahms lief, bleibt unklar. Fest steht, dass Brahms in die 14 Jahre ältere Komponistin verliebt war. Und das kann sich hören lassen. Musik als Klangbild der Liebe erlebte das Publikum in der Wandelhalle, als Gabriele Leporatti Clara Schumann gewidmete Stücke spielte.
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Ein Meister der Romantik FOTO: ELKE NIEDRINGHAUS-HAASPER
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Sie war eine der interessantesten Künstlerpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts, die Pianistin und Komponistin Clara Schumann. Gemeinsam mit Robert Schumann klagte sie 1840 vor dem Gericht die Ehe ein, um so die väterliche Zustimmung zu umgehen. Mit Robert Schumanns Schüler Johannes Brahms verband sie zumindest eine Seelenverwandtschaft. Eine Zeit lang lebte Clara Schumann sogar mit ihrem langjährigen Weggefährten zusammen.
Dass die Beziehung zwischen den drei Komponisten keine leichte Romanze, sondern ein emotionsgeladenes Drama war, macht der italienische Pianist Gabriele Leporatti gleich mit den ersten Takten der zweiten Sonate von Johannes Brahms klar: Schwärmerische Melancholie wechselt zu leidenschaftlichem Trotz, Humor zu Grübelei. Die romantisch-träumende Stimmung in fis-moll entfaltet sich offen und klar als versteckte Liebeserklärung an Carla Schumann vor den Konzertgästen. Im Andante der Sonate kann man förmlich hören, wie das Glück Purzelbäume schlägt. Und wie die heimliche und unerfüllte Liebe den Musiker umtreibt.
Der vielfach preisgekrönte Florentiner Leporatti gehört zu den erfolgreichsten Pianisten unserer Zeit. In der Wandelhalle beweist der 30-Jährige, dass er ein Meister der romantischen Musik ist. Sowohl in Brahms Variationen über ein eigenes Thema, dessen harmonische Grundlage der Pianist mit zahlreichen melodischen Klangbildern überlagert. Als auch mit Robert Schumanns erster Sonate, ein in Noten gesetztes dramatisches Liebesgedicht.
Während Gabriele Leporatti von Leidenschaft zu Liebe fliegt, zwischen Verehrung und Bewunderung hin und her springt und von Herzklopfen zu Herzschmerz jagt, blinzeln die letzten Sonnenstrahlen des Tages gelassen durch das große Glasfenster der Wandelhalle.
VON ELKE NIEDRINGHAUS-HAASPER / Neue Westfälische Zeitung, 14. April 2009
Mit den ersten Taktenin der Musik versunken
Pianistin Gesa Lücker stellt sich im Rahmen von "Weltklassik am Klavier"
in der Burg Holtzbrink vor. Am 17. Mai kommt Marina Baranova
ALTENA J Ein weiteres grandioses Klavierkonzert aus der Reihe "Weltklassik am Klavier" gab es am vergangenen Sonntagnachmittag in der Burg Holtzbrinck. Die Weltklasse-Pianistin Gesa Lücker präsentierte in der Bürgerburg "Deutsche Komponisten der Weltklassik am Klavier", darunter Werke von Beethoven, Schubert, Mendelssohn und Schuhmann. Im Nu riss sie die 45 Zuschauer mit in die Welt der beeindruckenden Klaviermusik.
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Gesa Lücker
(Foto: Lydia Machelett)
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Eine wahrhaft meisterhafte Leistung bot die 33jährige in der beliebten Konzertreihe "Weltklassik am Klavier". In einer außergewöhnlich sensiblen und schwerelosen Interpretation präsentierte die Ausnahmepianistin die Werke der großen Komponisten.
Der Abend wurde eröffnet mit Beethovens Sonate op. 27, 1 "Quasi una fantasia" Es-Dur. Lücker war bereits nach den ersten Takten scheinbar völlig in der Welt ihrer Musik versunken, Mimik und Körperhaltung wurden eins mit der Musik. So präsentierte sie ein leidenschaftliches und ausgesprochen lebendiges Konzert.
Jedes einzelne Stück, das Lücker präsentierte, erhielt durch die unterschiedlichen Gestaltungsmittel seinen unverwechselbaren Charakter.
Bereits im Alter von neun Jahren gab sie ihr erstes öffentliches Konzert. Bis heute konzertierte sie als Solistin mit verschiedenen Orchestern und absolvierte weltweit Auftritte in Sälen wie dem großen Sendesaal des NDR Hannover, der University of Arkansas oder der Yamaha Hall. Zu ihren Kammermusikpartnern zählten Solisten des Amstadamer Concertgebouworkest. Außerdem ist die Pianistin vielfache Preisträgerin nationaler sowie internationaler Wettbewerbe.
Das sie diese Auszeichnungen alle zurecht bekommen hat, bewies sie den Burgstädter Musikfreunden eindrucksvoll. Besonders mit Schumanns Sonate op. 22 g-moll versetzte sie die Besucher in Staunen. Ein solches Tempo hätten viele wahrscheinlich nicht für möglich gehalten. Scheinbar mühelos flogen die Finger über die Tasten. Die Besucher waren sich einig: Eine Klasseleistung der Pianistin.
"Weltklassik am Klavier" ist eine monatliche Reihe von Konzerten, die jeden dritten Sonntag im Monat stattfinden. Die hervorragenden Pianisten, die bei dort auftreten, zeichnen sich durch gewonnene internationale Wettbewerbe, sowie durch eine markante Persönlichkeit aus. Am 17. Mai findet das nächste Konzert statt. Dann wird Marina Baranova "Beethoven pur - Meilensteine der Weltklassik am Klavier" präsentieren.
Altenaer Kreisblatt, 21. April 2009. Text und Foto: Lydia Machelett
Wenn vier Hände miteinander sprechen
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Cara Hesse und Laura Pauna
(Foto: Altenaer Kreisblatt)
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ALTENA So um die 1,50 Meter breit ist die Klaviatur eines Flügels - eigentlich logisch, dass vier Hände auf ihr mehr ausrichten können als zwei. Das Problem ist allerdings, dass zu vier Händen meistens zwei Köpfe gehören. Die zu synchronisieren, ohne sie gleichzuschalten - das ist wohl das Geheimnis wirklich guter Klavierduos. Wie das dann klingt, das durften am Sonntag die Besucher eines Konzertes in der Burg Holtzbrinck miterleben. Mit Cara Hesse und Laura Pauna spielten dort zwei international bekannte und mehrfach ausgezeichnete Pianistinnen.
"Weltklassik am Klavier" war ausverkauft - eigentlich. Zu den Merkwürdigkeiten des Altenaer Publikums gehört es nämlich, dass 15 Karten verbindlich vorbestellt waren, aber nicht abgeholt wurden. Diese Stühle blieben deshalb leer, dem Veranstalter fehlen gut 200 Euro in der Kasse.
Weltklassik am Klavier wird von der Konzertagentur Kathrin Haarstick in Rysum an zwölf Orten in der Bundesrepublik veranstaltet und in Altena vom Kulturring unterstützt. Einmal im Monat werden dort außergewöhnliche Konzerte gegeben. Mit Cara Hesse und Laura Pauna hat die Agentur zwei Künstlerinnen unter Vertrag, die zuletzt in Oslo den renommierten Grieg-Preis für zwei Klaviere entgegen nehmen konnten. In Altena spielten sie zunächst Werke von Mozart (drei Sätze der Sonata in C-Dur, KV 521), Schubert (Deux marches characteristiques, DV 886) und Dvorak (Slawische Tänze op. 46 Nr. 5 und 7), um dann mit viel Beifall in die Pause entlassen zu werden. Anschließend ging es mit Schuberts Fantasie in f-moll und Ravels Spanischer Rhapsodie weiter.
Vor allem dort wurde ein Vorteil der vier Hände am Klavier deutlich: In den Sätzen Habanera und Feria entlockten sie dem Instrument monumentale Klänge - nur möglich angesichts des absoluten Gleichklangs der beiden Musikerinnen. "Sehr enge Zusammenarbeit und fein nuanciertes Spiel (....) vier Hände spielen wie zwei", konstatierte völlig zu recht Jeffry James vom "International Composer" in den USA, wo Cara Hesse und Laura Pauna unter anderem in der Carnegie Hall auftraten.
Neben den monumentalen gab es aber noch ganz andere, viel feinere Klänge, zum Beispiel in der Mozart-Sonate. Hier wurde eine andere Variante des vierhändigen Klavierspiels gezeigt - Hände, die miteinander "sprachen". Erst spielte die eine Pianistin eine Melodie, dann griff die andere das Thema auf - und das so, dass beides absolut nahtlos ineinander überging.
Alles in allem ein gelungener musikalischer Ausklang des Wochenendes, für den sich die Altenaer mit viel Applaus bedankten. Schon jetzt darf man sich auf das nächste Klavierkonzert freuen: Am 19. April präsentiert Gesa Lücker "Deutsche Komponisten der Weltklassik". Auf ihrem Programm stehen Sonaten und Klavierstücke von Beethoven, Schubert und Schumann.
Altenaer Kreisblatt - von Thomas Bender - Artikel vom 24. März 2009
Zwischen Trauer und Triumph
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Cara Hesse (l.) und Laura Pauna wurden mit Applaus überschüttet. Zum Dank spielten sie Edvard Griegs erste Walz-Caprice als Zugabe.
(Foto: Niedringhaus-Haasper)
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Überzeugender Auftakt der Weltklassik am Klavier in der Wandelhalle
Bad Oeynhausen (va). Mit so einem Ansturm hatten die Ausrichter der Konzertreihe "Weltklassik am Klavier" nicht gerechnet. Obgleich fast alle 160 Plätze in der Wandelhalle bereits im Vorfeld ausverkauft waren, bildete sich vor dem Konzert eine lange Schlange von abgewiesenen Besuchern, die auch gern dabei gewesen wären.
Ob es an der deutschlandweit etablierten Konzertreihe, dem Ambiente der Wandelhalle oder d em Konzerttermin am späten Sonntagnachmittag lag: Die neue Konzertreihe ist begehrt. Und gleichzeitig Spitzenreiter in Deutschland: "Normalerweise haben wir zwischen 60 und 120 Besucher", freut sich Organisatorin Kathrin Haarstick über das Interesse.
Am Steinway-Flügel saß Sonntag ein weltbekanntes Klavierduo aus Südafrika: Laura Pauna und Cara Hesse. Mit Mozarts Sonata in C-Dur eröffneten die beiden Solistinnen das Auftakt-Konzert: mit Spieltemperament, erfrischendem Klang und perfektem Zusammenspiel. Quirlig und temperamentvoll ging es mit Franz Schuberts Deux marches characteristiques weiter. Slawische Folklore, überschäumendes Temperament und Lebensfreude erlebten die Besucher bei dem fünften und siebten Tanz aus der Slawischen Tanzreihe von Anton Dvorák - mit gekonnten Wechseln zwischen den schnellen und den elegischen Abschnitten und einem überzeugenden harmonischen Zusammenspiel.
Quelle: Mindener Tageblatt vom 17.3.2009 von Elke Niedringhaus-Haasper
"Weltklassik am Klavier": Denys Proshayev

Auf der Bühne ein feierlicher schwarzer Konzertflügel, eingerahmt von mit Scheinwerfern und roten Samtvorhängen imitierten Säulen und einem Schimmer Kerzenlicht. Das war der stimmungsvolle Rahmen für das Konzert von Denys Proshayev am 8. März in der Reihe "Weltklassik am Klavier". Der Saal im Offenburger Salmen war voll. Und zu meiner größten Überraschung waren viele Kinder dabei, mindestens 20 im Alter zwischen vier und zwölf Jahren. Schön war das!
Der Pianist eröffnete sein Konzert mit Robert Schumanns Davidsbündeltänzen. "In all und jeder Zeit/ Verknüpft sich Lust und Leid:/ Bleibt fromm in Lust und seid/ Dem Leid mit Mut bereit". Florestan und Eusebius sind Phantasiefiguren – die zwei Gesichter Schumanns: Hier der geistreiche Florestan, scharf und sicher urteilend und dennoch ein leidenschaftlicher Vernunftsmensch, dort der gefühlvolle, sanfte Träumer Eusebius. In der Erstausgabe von 1838 ist mit Ausnahme der Nummern 1, 13, 15 und 17 jedes Stück mit einem "F" oder einem "E" oder einer Überschrift entweder Florestan oder Eusebius zugeordne t. Bei den Davidsbündlertänzen handelt es sich, vereinfacht gesprochen, um ein Maskenspiel zyklischer Tänze.
Denys Proshayev spielte mit einer unglaublichen Hingabe und entlockte dem Flügel innige, frische, schnelle, lustige, zarte und singende Töne. Damit entführte er mich sofort in eine Welt schöner Musik. Selbst die schwierigsten Stücke kannte der in Brest geborene Ausnahmekünstler auswendig und schaute nur einmal auf ein Notenblatt. Seine Mimik verriet, dass er nicht nur Musik macht, sondern für sie lebt.
Bereits vor der Pause schrie eines der Kinder hinter mir „Zugabe!". Und alle konnten herzhaft lachen. Doch auch nach der Pause war Denys Proshayev in Höchstform und begeisterte seine Gäste mit Stücken wie „Für Elise" von Beethoven, Schuberts Sonate in a-moll, D 784, und Beethovens berühmter Sonate Pathétique.
Zum Schluss rief der kleine Junge wieder „Zugabe" – und diesmal waren auch die Erwachsenen mit dabei. Denys Proshayev belohnte sein Publikum mit zwei Zugaben. Dann ging die Vorstellung zu Ende und ich ging mit wunderschönen Melodien im Kopf nach Hause.
Quelle: Offenburg Orthenau Kultur 10.03.09 von Barbara Wagner
"Weltklassik am Klavier" bietet höchstes Niveau
ALTENA - "Weltklassik am Klavier" in der Burg Holtzbrinck war eine virtuose Premiere und bot klanglichen Pianogenuss im nahezu vollbesetzten Saal in seiner schönsten Form. Dass der russische Pianist Boris Kusnezow (Foto) diesen hohen Anforderungen mehr als gerecht werden kann,

stellte er in diesem anspruchsvollen Konzert deutlich unter Beweis und ließ dabei seine Zuhörer tatsächlich vergessen, dass das Klavier Hammer hat.
Mit feinstem Anschlag und einer Leichtigkeit des Spiels selbst der schwierigsten Passagen wurde das herausragende Konzert zu einem Hochgenuss für die Zuhörer. Die poetisch-musikalischen Stimmungen in den Préludien Debussys nachzuempfinden, gelang dem erst 24-jährigen Talent Kusnezow auf sehr elegante Weise. Das fünfte sehr atmosphärische Prélude "Bruyères" (Heideröschen) drückt musikalisch aus, was in der Natur zu finden ist. Kusnezow gelang es, die Fülle und Üppigkeit, die Weite aber auch die Kleinheit und Feinheit der Natur-Wahrnehmungen Debussys sehr atmosphärisch zu transportieren. Mit feinstem Anschlag explodierte danach dessen Feuerwerk (Feux d´artifice), das musikalisch größere und kleinere Feuerwerkskörper in den Nachthimmel aufsteigen lässt und mit Kusnezows funkelnder pianistischer Virtuosität und Spielfreude den Zauber des Geschehens für die Zuhörer nachvollziehbar machte. Den Einstieg in das Konzert bildete eine Sonate Ludwig van Beethovens mit ihrem melodiösen Charakter.
Höchste technische Anforderungen stellten drei Schubertlieder in einer Klavierbearbeitung von Franz Liszt und eine Sonate von Brahms an den jungen Künstler. So, als hätte er sich mit der Beethovensonate warm gespielt, schienen bei Brahms die Finger über die Tasten zu schweben und vermittelten ein virtuoses, nuancenreiches Hörvergnügen auf höchstem Niveau.
Quelle und Foto: Yasmin Alijah, Altenaer Kreisblatt 24. Februar 2009
"Ausnahmetalent begeistert am Klavier!" / Bergische Morgenpost, 18.02.09
Mit dem Auftritt von Claire Huangci erfuhr die neue Veranstaltungsreihe "Weltklassik am Klavier" am Sonntagabend einen vielversprechenden Auftakt. Dabei war es vor allem die technische Virtuosität der Amerikanerin, die die Freunde anspruchsvoller Klaviermusik in der Lenneper Klosterkirche nach einem wahren Feuerwerk an Klängen zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Das Programm, mit dem die 18-Jährige vor ihr Publikum trat, bildete einen Querschnitt aus bekannten Werken - vom Barock bis hin zum Walzerkönig Johann Strauss. Mit ihren buchstäblich akrobatischen Tastenkünsten verblüffte die Pianistin vor allem im ersten Teil des Konzertes. Geradezu atemberaubend interpretierte sie Beethovens Rondo "Wut über den verlorenen Groschen" in G-Dur. Trotz ihres energiegeladenen Spiels saß jeder Ton, prägnant ihr Anschlag, geschliffen und perfekt die geradezu stürmischen Läufe.
Genauso exakt präsentierte die, in jungen Jahren als "Wunderkind" gepriesene und mit zahlreichen Auszeichnungen geehrte New Yorkerin die "32 Variationen über ein eigenes Thema" in c-moll, ebenfalls komponiert von Ludwig van Beethoven. Hier konnte Claire Huangci dann auch zeigen, dass sie ihr, durch Temperament und Entschlossenheit geprägtes Spiel durchaus zu variieren weiß. Mal kam das Thema wie ein Wirbelsturm, mal wie ein Windhauch daher, und die Übergänge von sanft zu kraftvoll, zart zu dynamisch gelangen ihr ausgesprochen gut. Ihre ganze Gestaltungskraft zeigte die Musikerin indes vor allem nach der Pause. In einer einfühlsamen, berührenden Interpretation von Schumanns "Symphonischen Etüden" in cis-moll, op. 13 stellte sie die besondere Schönheit des Werkes heraus. Gleichermaßen ein Highlight des Klavierkonzertes waren dann genauso die Arabesken über den Strauss-Klassiker "An der schönen blauen Donau". Wie perlendes Quellwasser erklangen die Triller zu Beginn, das liebreizende Thema wurde in immer wieder neuen Facetten vorgestellt.
Claire Huangci ist eine Pianistin, die offenkundig sehr viel von ihrer Persönlichkeit in ihrer Darbietung sichtbar werden lässt. Diszipliniert, hoch konzentriert betritt sie mit energischen, schnellen Schritten die Bühne, nimmt am Flügel Platz und steigt sofort ins Programm ein. Dabei schien das zierliche Ausnahmetalent kaum Zeit zu haben, den verdienten Applaus entgegenzunehmen.
Das nächste Konzert im Rahmen der monatlichen Reihe "Weltklassik am Klavier", die unter anderem von den beiden Remscheider Rotary Clubs und der Bergischen Morgenpost unterstützt wird, findet am 15. März um 17 Uhr im Saal des Lüttringhauser Rathauses statt. Kartenvorverkauf über das Kulturzentrum Klosterkirche, Telefon 99 70 90.
Quelle: Von Stefanie Bona / Bergische Morgenpost / 18.2.2009
"Weltklassik am Klavier in Remscheid - die
Premiere!" / Remscheider Generalanzeiger, 17.02.09
„Weltklassik am Klavier“, dieses Motto der neuen Klaviermusikreihe, die regelmäßige Konzerte in RSLennep
und Lüttringhausen verspricht, könnte auch als Überschrift über einer Serie von
Aufführungen mit sogenannter Weltmusik stehen.
Glücklicherweise war davon im Eröffnungskonzert am Sonntagnachmittag nichts zu hören.
Stattdessen präsentierte die 18jährige US-Amerikanische Pianistin Claire Huangci in der Lenneper
Klosterkirche ein sehr schönes Programm mit Klaviermusik der wichtigsten deutschen Komponisten
aus Barock, Klassik und Romantik.
Die junge Pianistin hatte im letzten Moment ihr Programm geändert und statt der angekündigten
Goldbergvariationen die „Französische Ouvertüre in b-moll, BWV 831“ von J.S. Bach auf den
Spielplan gebracht. Damit entsprach die Zusammenstellung genau dem Programm, mit dem die
Amerikanerin in den nächsten Tagen in der Carnegie Hall debütieren wird.
Schon nach den ersten Takten wurde der Interpretationsstil der Pianistin deutlich, modern und
zupackend, die Strukturen der Musik deutlich herausarbeitend. Manches in ihrer Bachinterpretation
erinnerte an große Bachvorbilder wie Glenn Gould. Dabei spielte sie einige Passagen noch schneller.
Ein Tempo, das sie bei Beethovens Rondo „Wut über den verlorenen Groschen“ noch steigerte. Fast
unglaublich, wie viel Kraft in den Fingerspitzen der zierlichen Pianistin steckte. Dabei stellte Claire
Huangci ihre enorme Virtuosität in den Dienst des Komponisten. Der pianistische Wutausbruch
Beethovens geriet so zu einem Parforceritt, aber nicht zu reiner Kraftmeierei, wie bei manchem
Kollegen. Beethovens „32 Variationen in c-moll, WoO 80, trieb sie jede romantische Attitüde aus und
stellte diesen selten gespielten Variationenzyklus in seiner ganzen Schönheit dar.
Der zweite Teil des Konzertes erlebte seinen Höhepunkt mit den „Symphonischen Etüden“ von
Robert Schumann, einem der Hauptwerke pianistischer Romantik. Ihre makellose Technik und ihr
kristallklarer Anschlag halfen der Pianistin das anspruchsvolle Werk auch mit den ihr eigenen
schnellen Tempi formvollendet zu gestalten.
Der langanhaltende Applaus war mehr als verdient und entlockte der Künstlerin zwei umjubelte
Zugaben.
von Uwe Müller, 17. Februar 2009, Remscheider Generalanzeiger
Zart perlende Tonfolgen und wirbelnde Hammerschläge
ESSLINGEN: „Weltklassik am Klavier“ im Alten Rathaus mit Sandra Janke und Boris Kusnezow
Von Peter Eltermann

Mit Sandra Janke und Boris Kusnezow (Foto) gastierten zwei junge, aufstrebende Künstler im Alten Rathaus in Esslingen. In der Reihe „Weltklassik am Klavier“ gestalteten die Mezzosopranistin und der Pianist hier einen Abend unter dem Motto „Sonate, Lieder, Preludes!“. Der gut besuchte Konzertsaal in dem altehrwürdigen Gemäuer erlebte ein Konzert mit veritabler Kaminzimmer-Atmosphäre. Klavierstücke und Liedvorträge wechselten sich dabei ab, wodurch eine spannende und kontrastreiche Programmzusammenstellung gewährleistet wurde.Mit Beethovens Sonate Nr. 27 in e-moll hatte sich Boris Kusnezow wahrlich keine Fingerübung als Eingangsstück herausgesucht. Staunendes Innehalten, zart perlende Tonfolgen oder aber auch wuchtig wirbelnde Hammerschläge machten den Reiz dieser Komposition aus, die in Beethovens letzter Schaffensperiode entstanden war. Seiner beginnenden Taubheit versuchte der Meister einst damit zu begegnen, dass er seine Werke mit recht ungewöhnlichen, detaillierten Anweisungen zur Spielweise ausstattete, wie hier zum Beispiel „mit Lebhaftigkeit und durchaus mit Empfindung und Ausdruck“. Der zweite Satz der Sonate schuf eine klangliche Anbindung an den nun folgenden Programmteil, in dem Schubertlieder aufgeführt wurden.
Gelungenes Experiment
Sandra Janke führte aus: „Seit zweieinhalb Jahren treten wir als Duo auf. Dieses Programm hat heute Abend hier Premiere.“ Boris Kusnezow ergänzte: „Die Zusammenstellung war für uns ein Experiment, weil wir Schubertlieder im Original und in Transkriptionen von Liszt ausgewählt haben.“ Und dieses Experiment war durchaus gelungen, zeigten die beiden Künstler doch auf diese Weise einerseits die schöpferische Vielfalt der Komponisten und präsentierten andererseits mit der Auswahl ihr eigenes Können auf hohem Niveau.
Interessant war die Gegenüberstellung von Schuberts Lied „Rastlose Liebe“ im Original und in der Transkription von Liszt als reines Klavierstück. Kusnezow erwies sich als überaus virtuoser und zugleich einfühlsamer Pianist, der vollkommen in seiner Musik aufzugehen schien. Das zeigte sich bei den erwähnten Stücken ebenso wie bei Debussys Werken „Brouillards“, „General Lavine“ und „Feux d‘artifice“ oder aber bei der abschließenden Komposition „Zwölf Gedichte von Justinus Kerner für Singstimme und Klavier“ von Schumann.
Hatte Sandra Janke im ersten Teil des Abends noch etwas spröde gewirkt, entfaltete sie hier nun den ganzen Reiz ihres Mezzosoprans. Neben dem „Stirb, Lieb ' und Freud“ überzeugte sie vor allem bei „Stille Tränen“ aus dem Zyklus. Bei diesen Stücken offenbarte sie eine ganze Welt an Emotionen und glänzte mit einer bemerkenswerten gestalterischen Tiefe. Erst nach zwei Zugaben wurden die beiden großartigen Künstler vom begeisterten Publikum entlassen.
Artikel vom 10.02.2009 © Eßlinger Zeitung
Der Klang glutvoller Romantik
LAHR/OFFENBURG. Die Reihe "Weltklassik am Klavier" wurde um den Zusatz "plus Violine" erweitert, und dies erfolgreich. Die Konzerte – am Samstag im Lahrer Pflugsaal, am Sonntag im Salmen Offenburg – waren gut besucht, nicht zuletzt dank des attraktiven Programms, das Artur Pacewicz (Klavier) und seine Schwester Izabella Pacewicz (Geige) zusammengestellt hatten. Eine Beethoven-Sonate, das Scherzo c-moll von Brahms, den bekannten "Danse macabre" von Saint-Saens. Und die Sonate Nr. 3 für Geige und Klavier in c-moll, opus 45, des Norwegers Edvard Grieg. Grieg ist bei uns immer noch ein wenig festgelegt auf "Trollmusik" und Peer Gynt.
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Eine Entdeckung: Artur und Izabella Pacewicz
| Foto: VERANSTALTER | |
Die Sonate jedenfalls war eine echte Entdeckung. So klingt glutvolle Romantik. Himmelwärts strebende Intervalle in der Violine, die immer dichter werden, immer expressiver, förmlich in die Höhe gepeitscht werden vom kantig-rhythmischen "Pampampam Pampampam" des Klaviers. Dann Innehalten, süßes Verweilen in einem Augenblick voller Schmelz - doch eben nicht für lange. Fragen, Zögern, banges Ahnen gewinnt die Oberhand in der Violinmelodie, schlägt um in eine dunkle Atmosphäre, wie von einem böser Zauber verursacht. Doch, nein! Wieder die Süße! Ein sehnsuchtsvolles Lied entsteht im Klavier, die Violine greift es auf: Das Piano seufzt und wellt, die Geige schwärmt und schwelgt.
Und wieder droht die Stimmung umzuschlagen, denn noch ehe das Lied ausgesungen ist, grollt der Mann am Klavier, mit der Linken in den Bässen. Die Violine besänftigt ihn und leise erstirbt das Grollen, weicht emphatischen Arpeggien, weit schwingend, und beflügelt diese Geige, die so vehement zerrt und zieht an unserem Sehnsuchtsnerv.
"Appassionato" (leidenschaftlich) ist dieser Satz überschrieben, und mit Leidenschaft zerwühlt diese Musik die Seele. "Espressivo alla romantica" steht über Satz zwei, "auf romantische Weise ausdrucksvoll". Und das kann er der Herr Grieg. Ein wundervoll lyrisches Klaviermotiv wird ausgesponnen, versunken, leise, sinnend. Dann stimmt die Geige mit ein, singt es anmutig aus. In die Süße mischt sich leise Herbheit.
Der expressive und schnellere zweite Teil des Satzes zelebriert einen Tanz aus England, den "Morris Dance", ein wild-feuriges Gehüpfe. Die Briten tanzen ihn in zotteligen Kostümen und vertreiben mit ihm die Moorgeister – eine Form von Fasnacht und somit großartig passend zur Jahreszeit. Der Tanz kommt auch in Satz drei nochmals vor. Auch der "Dance macabre" von Saint-Saens passt gut zu unserer Fasent. Denn ganz so bitter ernst ist dieser Totentanz nicht. Trotz greller Effekte wie Doppelgriffen, Dissonanzen und schrillen Tönen in der Geige, hat dieses vexierte Walzern im Klavier auch etwas Komisches. Der Schrecken wird in einen "schaurigen" Humor gebannt.
Das Werk gibt es in Unterschiedlichen Fassungen: Für Orchester und Violine, für Klavier und Stimme. Hier nun also für Klavier und Violine, und es war das reine Vergnügen.
Quelle / Badische Zeitung, 09.02.09, von Robert Ullmann
Im Spagat zwischen Besessenheit und Gelassenheit / 27.01.2009
KONZERT
Pianist nimmt Sonatenform auseinander und setzt sie mit Beethoven wieder zusammen
OLDENBURG - Hätte es das Publikum ernsthaft darauf angelegt, Marc Toth hätte wohl auch Bachs vollständige Goldberg-Variationen als Zugabe gespielt. Der seit 2007 in Hannover wirkende kanadische Pianist liebt die Musik einfach derart, dass er alles dafür tut, seinen Zuhörern etwas von seinem Glücksempfinden abzugeben.
Konzerte mit Toth sind nicht nur Interpretationen, sie geraten bei seiner Erklärungsfülle nebenbei auch noch zu Vorlesungen. Die meisten Musikfreunde im gut besetzten PFL-Saal mögen das.
„Weltklassik am Klavier“ heißt jene Konzertreihe, die aufstrebende Künstler jeden letzten Sonntag im Monat nach Oldenburg führt und die sich mit dem Durchlauf durch zwölf andere Städte rentiert.
Der Titel verrät Raffinesse. Mit der gebotenen Musik als Weltklassik lässt sich leicht der Bogen zu Künstlern von Weltklasse schlagen. Das sind die vorwiegend jüngeren Leute natürlich nicht. Viele aber stehen auf hohem Rang, vielleicht vor einer großen Karriere, und manche Auftritte sind frappierend. So hat sich die Reihe auch hier ihr Stammpublikum erworben.
Toth ist ein Überzeugungstäter. Nicht die Eltern haben ihn zur Musik getrieben, sondern er selbst hat sich vor knapp 20 Jahren für sie entschieden und sein Chemiestudium abgebrochen. So gelingt ihm heute auch leichter der Spagat zwischen Besessenheit und Gelassenheit.
Er erklärt für das Programm „Zwischen Beethovens erster und letzter Sonate“ im Schnellkurs die Sonatenform und anderes. Doch solche Lockerheit weicht Sorgfalt und Ernst, wenn er die Musik zum Sprechen bringt.
An seinem Spiel besticht, bei aller Emotion, das hohe Maß an innerer Disziplin. Ob Beethovens erste Sonate (f-Moll, op. 2 Nr.1) oder die 32. und letzte (c-Moll, op. 111), sie alle bergen inmitten ihres Sonatenrahmens Sprengsätze gegen die Zeitkonvention.
Toth lässt sie auch explodieren, aber er wahrt die Festigkeit des Formgebäudes. Seine hochdifferenzierte Anschlagskultur erlaubt ihm eine dynamische Spannweite, in der seine Darstellung bei allem Herausmeißeln von Details weiträumig und flüssig wirkt. In diesen Kontext fügen sich zeitgenössische Werke von Mozart, Haydn, Mendelssohn und Brahms.
Als Zugabe nach zweieinhalb Stunden beschränkt Marc Toth sich auf die Aria, das Thema zu den 30 Goldbergvariationen. Das ganze Werk dauert ja eine Stunde. Wer ganz früh im Saal war, könnte hören, dass er sich damit warmgespielt hat, einfach so.
Quelle: NWZ Oldenburg, 27. Januar 2009, von H. Hollmann / Internet:
www.nwz-online.de
"Warum klassische Musik so geil ist"
Klavierkonzert: Marc Pierre Toth spielt meisterhaft und gibt "Crash-Kurs" in Musikgeschichte

Der kanadische Pianist Marc Pierre Toth (Foto) hat am Sonnabend im voll besetzten Saal der Romantik Bad Rehburg sein Publikum mit Mozart, Hayden und Mendelssohn, mit Beethoven, Brahms und eigener Moderation begeistert - restlos, anspruchsvoll, amüsant. Das Publikum erlebte mit Toth, der für die Pianistenlaufbahn ein Chemiestudium an den Nagel hängte, einmal mehr Weltklasse in der Reihe "Weltklassik am Klavier".
Bevor Toth am Instrument beweist, warum "klassische Musik so geil ist", kündigt er einen "Crash-Kurs in Musikgeschichte" an, folgt dem Motto: Man hört nur, was man weis. Die Sonatenform steht im Konzert-Mittelpunkt. Die erste und die letzte Klaviersontate Beethovens klammern den Nachmittag musikhistorisch. Toth spielt eine Melodie an, eindeutig: "Morgen kommt der Weihnachtsmann." Das Liedthema stamme ursprünglich aus Frankreich, erfährt der Zuhörer. Mozart schrieb eine Variation über "Ah, vous dirais-je maman" (Köchelverzeichnis 265). Toth spielte Mozart, leicht, bezaubernd, virtuos. Um dem Publikum Haydens Sonate Nummer 46 näher zu bringen, bietet der Pianist Bearbeitungsvarianten des Sonatenthemas an, weist auf drei- bis vierstimmige Polyphonie hin bevor die die Sätze "Adagio" und "Presto" klingen. Klar und perlend läuft der "Presto"-Satz aus. "Ganz fein zum Schluss, oder?" fragt Toth - er meint Haydens Komposition - bevor das Publikum zum Applaus ansetzen kann. Für Beethovens erste Sonate greift der Pianist zur Brille, weil: Die Sonate spiele er mit Notenblatt. "Ist das ein Problem für jemanden außer für mich?" Nein, natürlich nicht. Dass Publikum, wiewohl amüsiert, hat sich längst davon überzeugt, dass Toth mit seiner flotten informativen Moderation nicht etwa mangelnde Spielkunst kaschiert. Toths Spiel ist meisterlich, schnörkellos, klar, sensibel, mitreißend. Es lebt. Und Toth lebt darin und dafür. Das letzte Stück des Vortrags - zwei Stunden Klavierkonzert inklusive Pause ("Und jetzt gehen Sie ruhig ein paar Flaschen Wein trinken") sind im nu verronnen - "ist der Hammer und ein Grund dafür, dass ich kein Chemiker bin", bekennt Toth, Lehrbeauftragter an der Hannoverschen Hochschule für Musik und Theater. Bevor der weltweit agierende und mit Preisen ausgezeichnete Künstler sich Beethovens letzter, der 32. Sonate widmete, verabschiedet sich der Pianist vom Publikum, von allen Anekdoten und dem Ehrgeiz der Wissensvermittlung: "Wir sehen uns in 25 Minuten." Er hätte auch sagen können: "Ich bin dann mal weg". Toth ging in Musik, ohne Brille, ohne Noten. Beethoven füllt den Raum. Und die beiden hätten spielen können bis in alle Ewigkeit.
Schaumburger Nachrichten, 18.01.2009 Autorin / Foto: Vera Skamira
Virtuoser Schöpfer iberischer Klangwelten / 07.01.2009
LAHR/OFFENBURG. Das erste Konzert der Reihe "Weltklassik am Klavier" in Lahr und in Offenburg hat die Qualitätslatte für das Jahr 2009 ziemlich hoch gelegt. Der Spanier José Menor erwies sich als Top-Virtuose. Seine Darbietung von Werken seiner Landsleute Isaac Albeniz und Enrique Granados waren nichts weniger als begeisternd.
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| Man mag das Flirren der glutheißen Luft des Südens spüren, wenn José Menors Hände mit den Tasten tanzen. | Foto: Heidi Fössel | |
In Lahr fand die Reihe dank der Kooperation mit dem Kulturamt Lahr am Samstag erstmals in neuer Umgebung statt. Der Pflugsaal hat Vorteile: zentrale Lage, gute Parkmöglichkeiten und vor allem ein angenehmes Foyer für das Pausengespräch. Allerdings wirkte die Bühne ein wenig karg, die Saal-Atmosphäre ist verbesserungsbedürftig. Ein paar Blumen oder Kerzen würden da viel erreichen. Generell neigt der Saal zu übergroßem Hall – was bei gutem Besuch jedoch kompensiert wird.
Hundert Gäste waren gekommen, ebenso viele waren es am Sonntag in Offenburg. Was sie zu hören bekamen, war große Klaviermusik. Die Haydn-Sonate in c-moll war das Stück zum Warmspielen und Warmhören, elegant, schön im Fluss, ein schönes Werk – das jedoch nicht zum Rest des Programms mit dem 100 Jahre jüngeren Maurice Ravel und den hochvirtuosen spanischen Romantikern passte. Als Überleitung war Ravels "Menuet sur le nom de Haydn" seinerzeit gedacht, 1909 zum 100. Todestag Haydns verfasst. Nun, das Werklein dauert keine zwei Minuten. Es mag von der Form her ein Menuett sein, die Klangsprache jedoch ist ganz und gar Ravel – chromatische Tonfolgen mit ihren Reibungen, große Intervalle teils über die Oktave hinaus. Das schwebt und schillert, öffnet Klangsphären, die geradezu luftig wirken.
Auch die dreisätzigen "Sonatine" ist von der Form her zwar latent klassisch, mit einem Menuett in der Mitte und einem raschen Finale als Schluss. Alles andere ist Ravel, wie man ihn liebt: Spieldosenhaftes Tröpfeln, wie Tau, der in einen Teich fällt.
Der Klang ist silbrig und schier körperlos, feenhaft, magisch, gläsern. Die Wiederholung einer immergleichen Phrase entwickelt einen hypnotischen Sog. Dann rauscht es auf – Menor spielt auch da ein wenig verhalten, was gut so ist – und verebbt in ruhiger werdenden Wellen, aus denen neuen Töne erwachsen, die immer ein wenig an Harfenklang erinnern.
Ganz anders und doch mit gleichermaßen einprägsamem Ausdruck die beiden spanischen Komponisten! Albeniz bietet das, was man sich unter spanischer Musik vorstellt: Glut, Weite, Leidenschaft, stakkatohafte stolze Rhythmen. Und so entstehen Bilder von dunkeläugigen Gitanos, von kühl aufstampfenden Füßen, von Flamenco-Klage und wilden Tanzwirbeln. Albeniz schafft keine Programm-Musik, er nimmt einfach nur musikalische Themen aus Spanien: Da hämmern die Akkorde in Passagengängen wie im Wahn, dann wird der Rhythmus wie abgezirkelt ins Klavier gestanzt.
Menor lässt das Instrument gurren und flüstern, er entlockt den Tasten zärtliche Versprechungen, dicht, vielstimmig, verführerisch. Und im nächsten Augenblick atmet die Musik Weite und das Flirren der Musik spiegelt das Flirren der glutheißen Luft über einer Sierra. Toll!
Granados ist da auf andere Art poetisch. Auch seine Musik hat großen Atem. Aber sie ist intimer, mehr lyrisch. Das "Nachtigall-Mädchen" ist ein selig-seelenvoller Liebesgesang, seufzend. Mitunter fallen die Töne wie einzelne Tropfen, dann schauern sie leise, als habe man sie von einem Halm geschüttelt. Eine Musik überdies, die sich angenehm unaufdringlich ins Ohr schmeichelt – und die dort nach ihrem Verklingen eine leise Sehnsucht zurücklässt.
Quelle / Badische Zeitung, 7. Januar 2009, von Robert Ullmann
Kathrin Haarstick: Fackelträgerin der klassischen Klaviermusik
Rysumer Fuhrmannshof
Man nehme: Einen beeindruckenden Raum mit außerordentlicher Wirkung. Ein Klavier. Und einen künftigen Weltpianisten. Das sind die Zutaten, die im Rysumer Fuhrmannshof für eineinhalb Stunden Glücksmomente in die Herzen der Konzertzuschauer zaubern.

Beim Betreten des Fuhrmannshofes hält man augenblicklich inne. Der Alltagsstress ist plötzlich wie verflogen. Helles Sonnenlicht durchflutet die ehemalige Scheune des restaurierten Gulfhofes aus dem Jahre 1768, die Kathrin Haarstick (Foto) auch gerne als ihre Einzimmerwohnung bezeichnet.
Irgendwo in der Ferne läutet eine Kirchturmglocke, als die Organisatorin von ’Weltklassik am Klavier!’ feierlich die Kerzen auf der Bühne anzündet. Mit Glöckchen begrüßt sie ihre rund 100 Gäste. „Ich war gerade vier Wochen in China“, plaudert sie gut gelaunt weiter, wo der Kaiserpalast sie besonders beeindruckt hat, in dem auch ihre heutigen Pianisten schon gespielt haben: Xinghui Jin und Haiou Zhang. „Einige meinen, Haiou Zhang ist besser als Lang Lang“, räumt Kathrin Haarstick ein. Ehe man sich versieht, wird man auch schon von dem atemberaubenden Talent dieser 23-jährigen Herren in den Bann gezogen. In ungeheurer Geschwindigkeit schweben ihre Finger über die Tasten und entlocken dem Klavier graziöse Klänge, die sich in orgastischen Klanggewittern entladen. Als Zuhörer ist man fasziniert von dieser Leichtigkeit, hinter der jedoch harte Arbeit steckt: „Für einen eineinhalbstündigen, neuen Vortrag proben die Pianisten jeden Tag zehn Stunden, sechs Tage die Woche und das Ganze drei Monate lang. Das ist richtige Schwerstarbeit“, weiß Kathrin Haarstick, die es 2000 nach Rysum verschlagen hat.
Von New York nach Rysum
Im Vergleich dazu sei ihr Beruf, den sie 20 Jahre lang ausgeübt hat, richtig locker gewesen, meint die gebürtige Hannoveranerin heute. Als Marketing-Managerin war sie in Paris, London, Chicago, Frankfurt und New York zu Hause. Ihre Woche hatte selten weniger als 80 Arbeitsstunden. Anno 2000 änderte die 49-Jährige ihr Leben dann radikal: „Nach einer Woche Urlaub in Rysum habe ich beschlossen, hier zu bleiben und bin einfach nicht mehr zurückgefahren.“ Vor allem die Ruhe und Schönheit des Runddorfes haben es ihr angetan. „Das gibt es nicht noch mal auf der Welt, und glauben Sie mir, das ist schöner als New York City“, schwärmt sie und springt auf, um eines ihrer zwei Bücher zu holen, das sie zusammen mit ihrer 70-jährigen Freundin Ina Ubben-Ross über Rysum geschrieben hat. Hier fühlt sie sich pudelwohl: „Die Menschen leben hier wie die Igel, so angenehm! Man kommt sich nicht zu nah, weil man sich sonst piekt, aber man geht auch nicht zu weit weg, weil es sonst kalt wird.“ Ohnehin bietet das Dorfleben Vorteile: „Braucht man einen Arzt, kommt der hierher, die Apotheke bringt die Medikamente. Habe ich keine Lust oder Zeit zum Einkaufen, rufe ich den Sparhändler an, der mir die Getränkekisten sogar in den ersten Stock trägt oder ich bestelle übers Internet. Man kann auch vollkommen anders leben“, ist sie überzeugt. Ihrer Meinung nach gibt es ohnehin eine Tendenz zur Umkehr: „Die Zeit der Landflucht ist vorbei. Ich sitze hier in Rysum und veranstalte deutschlandweit Konzerte. Meine Arbeit mache ich übers Internet: Programme mit Pianisten vereinbaren, Gäste einladen, Presse informieren, und die persönlichen Reservierungen gehen über mein Handy.“
Fackelträgerin der klassischen Kultur
Trotz ihres aufregenden Lebens gab es immer eine Konstante: Die Liebe zur klassischen Klaviermusik. „Mit fünf Jahren habe ich angefangen, Klavier zu lernen - bei uns lief den ganzen Tag klassische Musik“, erzählt Kathrin Haarstick, die quasi mit Wagner groß geworden ist und schon im Alter von fünf Jahren die Festspiele in Bayreuth durchgesessen hat. Und während sich andere im Garten abreagieren, „setze ich mich ans Klavier und tobe mich da aus“, so die vor Energie sprühende Frau. „Das Klavier hat mich nie verlassen“, resümiert sie, „und das kam dann auch mit hierher.“ So etwas spricht sich im Dorf schnell herum, sodass sie damals im Handumdrehen 15 Klavierschüler hatte. Ihr liegt es am Herzen, vor allem Kinder für klassische Musik zu begeistern. „Es ärgert mich, wenn jemand mit seinen Kindern auf der Rückbank mit voller Dröhnung vorbeifährt, denn die Kleinen können noch nicht wählen“, kritisiert sie empört. Ebenso besorgt beobachtet sie als Mutter den Unterrichtsstoff in der Schule: „Vulgär- und Jugend-Sprache: mein 14-jähriger Sohn sollte tatsächlich 20 Begriffe für die schönste Tätigkeit der Welt aufschreiben. Und im Schulbuch steht auch nicht mehr ‚hast du’, sondern ‚haste’. Es geht einfach etwas verloren, was allerhöchste Qualität hat.“ Dabei ist gerade „klassische Musik der Höhepunkt dessen, was musikalisch möglich ist - ähnlich wie Goethe der Höhepunkt der klassischen Literatur war“, meint sie und gibt zu Bedenken: „Es ist halt die Frage, was man für ein Niveau in einem Land haben will. Ich meine, das sind alles deutsche Komponisten – Brahms, Bach, Schubert, Schumann, Beethoven, Haydn, Mozart.“ Andernorts kommt dieses Kulturgut sehr viel besser an, wie die viel herumgekommene Powerfrau weiß: „In China ist Klavier „hip“! Wenn Lang Lang auftritt, werden die dreizehnjährigen Mädchen ohnmächtig. Genauso „popt“ das in England bei ‚The Night Of Proms’, und bei einem Open Air Concert von Sir Simon Rattle in Berlin liegen eben auch Paare im Schlafsack und knutschen, ja warum denn nicht? Oder in New York saßen die seriösesten Klassik-Fans neben den von Alkohol oder Hasch benebelten, die Schwarzen und Weißen, eine Oma mit einem kleinen Tisch und eine Familie beim Picknick im Central Park und hörten: Beethovens Neunte.“ Ihr Ziel ist es, an dieses kulturelle Erbe zu erinnern: „Ich versuche, das in die Welt zu streuen und bin in Deutschland wie ein Fackelträger, der ruft ‚Hallo, hier ist euer deutsches Kulturgut, Klassik’.“
Rysum als Urzelle von „Weltklassik am Klavier!“
Wie aber kommt man nun auf die Idee, eine Konzertreihe namens ’Weltklassik am Klavier!’ in Rysum zu gründen? „Tja, ich hatte 2001 also diesen großen Raum, in dem schon eine Bühne angedeutet war – der Boden des ehemaligen Badezimmers! -, und mein Klavier stand dort. Da haben wir gesagt ‚machen wir doch ein Konzert’“, antwortet Kathrin Haarstick schmunzelnd. Weil sie gebürtig aus Hannover kommt, schrieb sie einfach die dortige Hochschule für Musik an und fragte ‚Wer hat Lust, mit mir ’Weltklassik am Klavier!’ zu gründen?`. Die Resonanz war gering, nur einer meldete sich: Artur Pacewicz, ein polnischer Pianist. Das stellte sich jedoch als Glücksfall heraus, denn mit ihm arbeitet Kathrin Haarstick bereits seit acht Jahren zusammen. „Damals haben wir noch auf Heuballen gesessen“, erinnert sie sich lachend. Erst im Laufe der Zeit bekam sie dann überhaupt mit, dass sich Hannover zur besten Klavier-Hochschulen der Welt gemausert hatte. „Die Professoren Vladimir Krajnev und Bernd Goetzke empfehlen die besten Pianisten - das ist die allerfeinste Liga“, freut sie sich. Was aber zieht solche Berühmtheiten nach Rysum, wird sich nun sicherlich manch einer fragen. „Bezahltes Üben“, entgegnet die ehemalige Industriemanagerin sofort. Die Pianisten werden von ihr gleich für einen ganzen Monat gebucht und machen damit eine Konzerttournee mit zehn Auftritten durch ganz Deutschland – die perfekte Vorbereitung etwa für ein Solokonzert mit 2000 Leuten in Baden-Baden oder Paris. „Außerdem ist das von der Hochschule aus ein Bonbon, wenn der Professor sagt ‚Du bist gut, du darfst zu Weltklassik am Klavier’, das ist wie eine Belohung“, ergänzt sie schmunzelnd. „If you can make it in Rysum, you can make it everywhere!“
Neue Standorte deutschlandweit
Kathrin Haarsticks erfolgreiches Konzept, in dem eine gehörige Portion Idealismus und viel Herzblut stecken, hat sich etabliert: Ein Konzert monatlich, immer am Wochenende um 17 Uhr, damit auch Kinder kommen können - die übrigens bis 12 Jahren freien Eintritt haben - und für Erwachsene ein relativ geringer Eintrittspreis in Höhe von 15 Euro. „Sie befinden sich hier in der Urzelle, sozusagen der Weltzentrale von ’Weltklassik am Klavier!’“, klärt sie ihre Rysumer Besucher gerne auf. Denn inzwischen sind zehn neue Standorte dazugekommen: Lahr im Schwarzwald, Holzminden, Oldenburg, Stadtoldendorf, Bad Rehburg, Hildesheim, Esslingen bei Stuttgart, Braunschweig, Offenburg und Gehrden. Die Konzertreihe verbreitet sich fast wie ein Lauffeuer: „In Lahr war ein begeisterter Gast aus Esslingen, der mir ein paar Tage später schrieb, wie gut es ihm gefallen hat und teilte mir auch gleich drei Adressen für neue Hallen in Esslingen mit. Im Februar haben wir dann ’Weltklassik am Klavier!’ in Esslingen eröffnet“, freut sich Kathrin Haarstick. Das Potential ist jedoch noch längst nicht ausgeschöpft. „Wenn es im kleinen Rysum geht, ist es überall möglich.“ Daher sucht sie nach weiteren schönen Räumen mit Flügel in ganz Deutschland, denn der Andrang ist riesig. „Ich habe jeden Tag ein bis zwei Anfragen von Pianisten, die ich aber vertrösten muss, da wir jetzt schon bis 2009 alles geplant haben“, erklärt sie und räumt hoffnungsvoll ein: „Es sei denn, ich finde noch weitere schöne Konzerthallen, in denen bereits ein Flügel steht, und die uns kostenlos zur Verfügung gestellt werden.“ Im Gegenzug bietet sie eine komplett organisierte, hochkarätige Klavierreihe, mit der sich der „Raumspender“ profilieren kann.
Glücksmomente als Antrieb
Finanziert wird die Konzertreihe ausschließlich über Einnahmen. „Damit kann natürlich kein Geld verdienen“, so Kathrin Haarstick, aber dafür bereitet es ihr große Freude. Im Gegensatz zu ihrem früheren Leben hat sie inzwischen ganz andere finanzielle Ansprüche: „Aus Zeitmangel musste man damals zweimal im Jahr zu Gucci-Pucci auf dem Flughafen und hat innerhalb von einer halben Stunde mal eben 5.000 Euro ausgegeben, weil man jeden Tag ein anderes Jackett brauchte. Heute benötige ich nur noch dieses eine und das nur einmal im Monat“, lacht sie und betont: „Ich brauche wirklich nichts mehr, kein teures Essen oder teure Reisen, ich lebe hier im Paradies.“ Aber nicht nur ihre finanziellen Ansprüche haben sich verändert: „In meinem früheren Leben bekam ich einen Kick, wenn ich wusste, in Japan ist der Marktanteil von Nivea Sonne von 6,8 Prozent auf 6,9 gestiegen – das war geil, dann gab es eine Gehaltserhöhung“, erzählt die 49-Jährige. Heute macht sie der Blick in die Gesichter ihrer Gäste glücklich: „Wenn die Frau Bauer zum Beispiel aus einem Konzert rausgeht, hat sie Tränen in den Augen, weil das so schön war. Oder wenn die Kinder beim Bauernmarkt mit offenen Augen gebannt vor dem Klavier stehen und sich nicht rühren, bis ihre Eltern sie wegziehen. Oder die kleine Lisa, die immer anruft und sagt ‚Ich möchte Konzertkarten bestellen’. Oder der kleine Junge, der in der ersten Reihe mit seinem Schnuller sitzt und bei klassischer Musik mitschunkelt. Das sind die schönen Momente, die mich glücklich machen. Das macht Freude - und ist viel schöner als Geld verdienen“, zählt sie auf, und man hat das Gefühl, sie könnte noch stundenlang so weitermachen, während das Strahlen in ihren Augen immer größer wird.
Klassik und Restauration
Kathrin Haarsticks Tatendrang scheint keine Grenzen zu kennen: Sie organisiert nicht nur eine hochkarätige Konzertreihe mit Weltstars, sondern schreibt auch Bücher und malt. In ihren Adern pulsiert jedoch noch eine weitere Leidenschaft: „Ich versetze gerne historische Gebäude in ihren Urzustand, das macht mir Freude“, verrät sie. Eigentlich wollte sie auch Architektur studieren, aber da sie „etwas Ordentliches“ lernen sollte, studierte sie BWL. „Wer weiß, vielleicht wäre mein Leben anders verlaufen, aber so ist es auch gut“, reflektiert sie. Aktuelles Projekt ist übrigens Rysums älteste Bäckerei aus dem Jahr 1814, welche inzwischen ihre vierte Baustelle ist. Danach verkauft sie dann wieder, „damit ich den nächsten Unsinn machen kann.“ Hat eine Frau, die schon so viel im Leben erreicht hat, überhaupt noch Wünsche? „Gleich drei“, entgegnet Kathrin Haarstick sofort: „Das wichtigste Ziel ist, dass mein Sohn Johnathan vernünftig ins Leben findet. Das Zweite, dass sich die Idee „Weltklassik am Klavier!“ verbreitet, und als Drittes möchte ich mich absolut überflüssig machen. Wenn ich heute tot umfallen sollte, habe ich schon heute organisiert, dass das zwei Leute „Weltklassik am Klavier!“ übernehmen und weitermachen. Ich fände es sehr schade, wenn es dann einfach zusammenbricht.“ Aber bis dahin trägt die Fackelträgerin den Genuss klassischer Klaviermusik von Rysum aus weiterhin in „die große Welt“ hinein, denn schließlich „könnten wir auch gerne 100 Konzerte im Monat machen“, stellt Kathrin Haarstick zuversichtlich in Aussicht.
Text: Sabina Poppen
Fotos: Karlheinz Krämer
Erschienen in: 53° - Leben zwischen Jade & Ems, Ausgabe 2/2008
Jeden Tag im Jahr ein Klavierabend? / Piano News I / 2008 von Carsten Dürer
Weltklassik am Klavier!
Von: Carsten Dürer
Was wäre, wenn jede Kleinstadt sich eine Klavierkonzert-Reihe leisten könnte, wenn dort die gesamte junge Elite aus aller Welt auftritt, die jungen Pianisten, die gerade dabei sind, sich an die Weltspitze zu spielen? Was wäre, wenn keiner in der Stadt selbst sich um die Programme, die Verhandlungen mit den Künstlern, die Logistik kümmern müsste, sondern nur den Raum und einen adäquaten Flügel zur Verfügung stellen würde? Und dann noch jeden Monat ein Konzert veranstalten könnte? Das wäre wunderbar, werden jetzt etliche ausrufen. Das Bemerkenswerteste: Genau diese Art von Klavierkonzerten bietet „Weltklassik am Klavier!“ an.
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| | Kathrin Haarstick (EZ-Bild: Meyer/pr)
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Die Initiatorin Kathrin Haarstick hat damit einen Traum verwirklicht: Sie will am liebsten jeden Tag ein Klavierkonzert hören, einem jungen Pianisten die Möglichkeit geben, sich vor einem Publikum zu präsentieren, das nicht allein auf die großen Namen achtet, sondern vor allem gute Klaviermusik auf einem hohen Niveau hören will. Im Jahre 2000 startete sie mit „Weltklassik am Klavier!“ ihren Traum – heute sind es bereits acht Veranstaltungsorte, die unter diesem Motto einmal im Monat mit einem Konzert von der Organisation der ehemaligen Industrie-Managerin profitieren. Wir sprachen mit Kathrin Haarstick und erfuhren, dass sie noch viel weiter kommen will, dass sie noch viele Städte und Gemeinden in Deutschland sucht, um ihren Traum auszubauen.
Die Gründung „Weltklassik am Klavier!“
Kathrin Haarsticks Wesen nimmt einen sofort ein, sie ist lebendig, findet Ruhe, auch wenn sie beständig Kontakt zur Welt der jungen Pianisten, zu Veranstaltungsorten und Personen hält, die ihr helfen, „Weltklassik am Klavier!“ auszubauen und am Leben zu halten. Nach jahrelangem Leben in einer führenden Position in der Industrie und dem damit verbundenen Stress, um die Welt zu reisen, beschloss die gebürtige Hannoveranerin 2000, sich eine Scheune in Rysum, in Friesland zu kaufen. „Ich habe im Jahr 2000 meinen ersten Lebensabschnitt beendet, habe mir gesagt, dass ich nicht mehr als Managerin in der Welt rumfliegen, im Ausland wohnen und 80 Stunden in der Woche arbeiten will. Ich wollte etwas Sinnvolles tun, was mir auch noch Spaß macht. So habe ich mir eine Scheune in Rysum gekauft, einen Gulfhof, wie man dies in Friesland nennt. Da stellte ich mein Klavier hinein. Eine Nachbarin fragte dann, ob ich ihrer Tochter nicht Klavierunterricht geben könne. Und da dachte ich plötzlich: Ein Konzert hier zu veranstalten, wäre doch auch einmal ganz schön. Ich schrieb damals an die Hochschule in Hannover – noch vollkommen ahnungslos, dass dies mittlerweile eine der führenden Hochschulen für Klavierausbildung in Deutschland ist, sondern nur weil ich aus Hannover stamme – und fragte dort, ob man mit mir nicht ‚Weltklassik Klavier’ gründen wolle. Einer meldete sich: Artur Pacewicz. So gab es ein Konzert, es war ein Erfolg. Und dann machten wir das so drei bis vier Jahre mit 10 bis 12 Konzerten im Jahr. Immer samstags, immer um 17 Uhr, kinderfreundlich in der Uhrzeit. Und Kinder haben immer freien Eintritt.“ Sie selbst wuchs mit klassischer Musik auf, vor allem mit Wagner-Opern, die „von morgens bis abends“ liefen, wie sie sich erinnert.
Vor einem Jahr erst machte sie in Lahr im Schwarzwald eine zweite Reihe unter denselben Vorgaben auf. „Auch diese Reihe ging gut los und die Presse schrieb: ‚Es ist so, als habe diese Stadt auf diese Konzertreihe gewartet.’ Das finde ich besonders schön.“ Durch den Kontakt zur Hochschule in Hannover fand sie auch bald zwei Schirmherren der gesamten Idee: die beiden Professoren Vladimir Krajnev und Bernd Goetzke. Diese beiden schicken nicht nur ihre besten Schüler und erfolgreichen Wettbewerbsgewinner in die Reihen, sondern sind auch bei vielen anderen Fragen Haarsticks Ansprechpartner. „Wenn sich bei mir ein Pianist bewirbt – was mittlerweile natürlich sehr, sehr oft geschieht, sende ich die Unterlagen an Professor Goetzke, der mich dann berät, ob der jeweilige das Niveau der Konzerte hat, wie wir uns das vorstellen.“ Das heißt nun nicht, dass ausschließlich Studenten dieser beiden Lehrer oder ausschließlich aus der Hochschule Hannover auftreten, auch wenn dies sicherlich auch aufgrund der Qualität der Studenten aus dieser Institution den Grundstock bildet.
Bald schon hatte sie die Idee, die Reihen auch an anderen Orten anzubieten, nach dem Motto „If you can do it in Rysum, you can make it everywhere“, wie sie sagt. „Ich dachte mir dann: Jetzt mach ich das mal richtig. Anfang 2007 setzte ich mich also hin und versuchte, diese Reihe auch an anderen Orten zu installieren.“ Kathrin Haarstick sprach mit nahezu 100 Konzerthallen in Deutschland, mit einem eher frustrierenden Ergebnis: „Ich glaube, dass das Problem dieser Low Budget-Konzerte ist – 15 Euro Eintrittspreis ist beispielsweise für einen Pianisten wie Denys Proshayev einfach wenig, aber es war ja von Anfang an auf Breitenwirkung ausgelegt, da es natürlich nicht am Geld scheitern soll, wenn jemand klassische Musik hören will –, dass man von diesem Geld keinen Konzertsaal mieten kann. Das bedeutet: Ich brauche die Konzerthalle umsonst. Oder ich brauche einen Sponsor, der mir die Kosten übernimmt. Ob dies nun ein Verein ist, eine Privatperson oder eine Firma ist, ist ja vollkommen egal. Immerhin haben wir neben Rysum und Lahr in 2007 noch Oldenburg, Hildesheim, Stadtoldendorf, Bad Rehburg und im kommenden Jahr Gehrden.“ Das ist der Stand vom September 2007. 2008 sollen noch weitere Orte hinzugekommen. Bislang acht Veranstaltungsorte, an denen seither jeden Monat ein Klavierkonzert stattfindet. Eine beachtliche Zahl an Konzerten. Zu viele Konzerte? Nein, meint Haarstick: „Wir haben viele Wiederholungstäter“, lacht sie, „wer Klaviermusik liebt und einmal zu unseren Konzerten gekommen ist, der kommt auch wieder.“ Dass sie selbst nicht mehr alle Konzerte selbst vor Ort betreuen kann, versteht sich von selbst. „Ich habe sogenannte ‚Paten’ in bestimmten Städten, also Personen, die sich vor Ort um die Konzerte kümmern, die die Besucher begrüßen, die Pianisten betreuen. Der persönliche Kontakt zum Publikum ist einfach auch ganz wichtig, die Anonymität ist out, wir wollen wieder Menschen treffen und vor uns haben“, sagt sie vehement.
Pianisten und Organisation
Dass es auf einmal mit dieser Anzahl an unterschiedlichen Veranstaltungsorten auch für die Pianisten mehr Möglichkeiten von Auftritten gibt, versteht sich von selbst. Wenn es funktioniert, dann können die Jungpianisten in acht verschiedenen Spielstätten ihre Programme spielen. Wie das finanziell aussieht? Nun, 40 Prozent der Eintrittseinnahmen gehen an den Pianisten als Honorar. Da die Säle zwischen 100 und 200 Plätze haben, kommt so ein stattliches Sümmchen zusammen. „Es ist auch eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Pianisten. Wenn ein Pianist ein Programm vorbereitet, dann kann er dieses Programm acht Mal bei uns spielen. Viel wichtiger als die Reputation, bei ‚Weltklassik am Klavier!’ zu spielen, ist die Chance für die Pianisten, vor Publikum zu spielen.“
Programmideen
Kathrin Haarstick glaubt daran, dass die klassische Musik heutzutage falsch präsentiert wird, dass man das Publikum anders ansprechen muss, will man es für die klassische Musik und hier speziell die Klaviermusik begeistern. „Konzerte müssen ein Thema haben. Man kann zwar sagen ‚Weltklassik am Klavier!’, dann wird es mit einer großen Anzahl an Konzerten – hoffentlich irgendwann – zu einem Markennamen. Und dann braucht man aber auch Untertitel. Und diese sollen ein Thema oder ein bekanntes Stück ausdrücken. Das ist einfach sehr wichtig für die Menschen, die klassische Musik hören: dass sie etwas wiedererkennen, ein Thema erkennen, das sie interessiert. Zyklen sind ebenso möglich, beispielsweise alle Klavierkonzerte von Beethoven, Paraphrasen von Liszt, alle Mozart-Sonaten oder Ähnliches. Ein Thema sollte irgendwie auch ans Herz gehen. Nicht alle Besucher von Klassikkonzerten sind vorgebildet, die möchten einfach auch mal wieder die ‚Mondschein-Sonate’ hören, also bieten wir ihnen genau dies.“ Wiederholungen schließt sie für eine lange Zeit aus, auch wenn sie mittlerweile über 80 Konzerte pro Jahr in den acht genannten Städten organisiert. „Das Klassikrepertoire ist so groß, dass Wiederholungen sich lange Zeit ausschließen. Wenn es dann aber einmal zu Wiederholungen kommt, dann finden die meisten Besucher das sehr spannend, das gleiche Stück einmal von einem anderen Pianisten interpretiert zu hören.“ Natürlich nimmt Kathrin Haarstick Einfluss auf die Programme: „Ich schreibe die Pianisten an und frage sie nach einem Programm und einem Thema, unter dem das Programm präsentiert werden kann. Dass es dabei auch einmal zu Diskussionen kommen kann, ist klar.“ Sie ist bei aller Organisation nicht rigoros, liebt die meisten jungen Pianisten, die sie an vielen Orten selbst zu betreuen versucht. In Rysum schlafen sie dann auch in der Scheune, in der die Konzerte selbst veranstaltet werden. „Ich liebe diese jungen Pianisten, die dann bis in die Nacht spielen, die Spaß haben, bei mir zu sein, die mir Tipps für mein eigenes eher amateurhaftes Spiel geben.“ Man spürt: Es ist eine gegenseitige Liebe von Pianisten und der Organisatorin und Gründerin dieser wunderbaren Idee, denn letztendlich sind alle daran interessiert, dem Publikum Klaviermusik nahezubringen.
Vielfach sind gleich zwei Pianisten für einen Abend eingeladen, dann werden nicht zwangsläufig Duos gespielt, sondern auch Klavierkonzerte, mit der Orchesterbegleitung als Klavierauszug am zweiten Instrument. Das kommt sehr gut an beim Publikum.
Aussichten
Kathrin Haarstick will ihre Idee von „Weltklassik am Klavier!“ ausweiten: „Warum sollen es nicht 30 oder sogar 100 Konzerte im Monat in Deutschland sein? Es gibt genug Orte, es gibt genug Flügel, an denen Pianisten spielen können. Aber der kostenlose öffentliche Bereich ist verführerisch und schön, denn dann müssen die Pianisten von ihrem Honorar nichts abgeben, aber ich kann nicht ins Risiko gehen, ich kann nichts investieren, da ich nichts habe. Aber die öffentlichen Institutionen sind natürlich schwer für solch eine Idee zu gewinnen. Und daher fühle ich mich momentan so ein bisschen am Scheideweg: Auf der einen Seite kann ich fragen: Wer kennt noch einen Raum, wer würde sich freuen, wenn es in dieser Stadt eine Reihe dieser Art gäbe, wo sucht man nach etwas Kontinuierlichen. Da gibt es allerdings viele Widerstände. Sie geraten beispielsweise an ein Schloss, das Sie und ich von unseren Steuern finanziert haben, das von unseren Steuern renoviert wurde; dort ist ein Steinway-Flügel, den wir bezahlt haben, und darin sitzt eine Städtische Musikschule, die von öffentlicher Hand getragen wird. Dann bietet man diese Konzertreihe an und hört, dass die Klavierlehrer Angst haben, da sie dann nicht mehr vor den Besuchern leuchten können, wenn die jungen Pianisten aus aller Welt dort auftreten.“ Haarstick sucht dennoch weiter nach Räumen, die man ihr kostenfrei zur Verfügung stellt, oder die von einem Sponsor gemietet und „Weltklassik am Klavier!“ zur Verfügung gestellt werden, als Reihe für eine Sponsorenperson oder -firma. Was kann man mehr verlangen, als dass man eine eigene Reihe erhält, wenn man einen Raum – wie auch immer – zur Verfügung stellt? Denn selbst wenn es mehr und mehr Orte werden sollten, will Kathrin Haarstick die Organisation in ihren Händen behalten, will mit ihren Schirmherren die Qualität sichern, denn auch sie weiß: „Wenn ein Konzert einmal nicht auf einem bestimmten Niveau stattfindet, dann verliert man die Besucher.“
Kathrin Haarstick ist sich sicher: „Es gibt sicher Hunderte von Menschen in Deutschland, die ihre eigene Klavierreihe haben wollen, die nur noch nichts von uns wissen. Dann könnte es heißen: ‚Weltklassik am Klavier! präsentiert von ...’ Ansonsten mache ich ja komplett alles, ich organisiere das Programm, mache die Werbung, organisiere auch den Raum, wenn nötig, und sende nur abschließend eine Rechnung für die Miete.“
Wenn alles einmal größer und größer wird, was passiert dann? „Das Ganze soll relativ unabhängig von mir laufen. Deshalb weiß ich nicht, ob ich immer weiter alles organisieren werde. Zumindest habe ich schon eine Person im Auge, die alles weiterführen kann, wenn ich einmal tot umfalle“, grinst sie.
„Weltklassik am Klavier!“ ist eine wunderbare Idee, die in die Tat umgesetzt wurde, mit viel Individualismus und Liebe. Man kann nur hoffen, dass es in Zukunft mehr und mehr Sponsoren, Veran- stalter, Förderer gibt, die diese Idee ausbauen helfen, denn Pianisten gibt es genug, hervorragende zudem, das zeigen allein schon die vielen Studenten, die an deutschen Hochschulen ein Konzertexamen ablegen, die dann aber nur unterrichten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, obwohl sie dem Publikum etwas zu geben und musikalisch zu sagen hätten.
Kontakt: Kathrin Haarstick
Tel.: 0049 / 175 / 16 16 779
Quelle: Piano News I / 2008 von Carsten Dürer